DFB-Arzt bei der WM Angst vor untergeschobenem Doping

Tim Meyer im Jahr 2014.

(Foto: Martin Rose/Getty Images)
  • Der DFB-Mediziner Tim Meyer erklärt, dass er während der WM Angst vor einem Dopinganschlag in Russland gehabt hat.
  • Die Befürchtung, DFB-Kickern hätte eine positive Probe untergejubelt werden können, ist nicht aus der Luft gegriffen.
  • Gleichzeitig relativiert Meyer die Dopingvorwürfe gegen die russische Mannschaft.
Von Thomas Kistner

Tim Meyer hat sich zu Wort gemeldet. Was der Teamarzt des deutschen Nationalteams darlegt, klingt spektakulär: Er habe vor der WM in Russland befürchtet, den DFB-Kickern könnte dort eine positive Dopingprobe untergeschoben werden. Meyer sagte am Sonntag im Deutschlandfunk: "Wir hatten ja gehört, dass das Doping oder die Manipulationen in Russland offenbar geheimdienstlich gemacht wurden. Und viele der Anklagen des russischen Dopingsystems kamen aus Deutschland, so dass ich, (...) wenn ich ganz ehrlich bin, ein bisschen die Sorge hatte: Könnten wir da nicht eine Zielscheibe sein?"

Die Besorgnis beruht auf Fakten. Tatsächlich wurde das umfassende, staatlich orchestrierte Doping im russischen Sport mit geheimdienstlicher Akribie ausgeführt, detaillierte Untersuchungsberichte lesen sich stellenweise wie das Drehbuch eines Spionage-Thrillers. Zudem hatte sich Russlands Fußballauswahl, die in Ermittlungsakten und Kronzeugen-Aussagen eine prominente Rolle spielt, gegen eine enorme Verdachtslage zu verteidigen; was indes kein echtes Problem ist, wenn der affärenumwitterte Weltverband Fifa die Sache handhabt.

DFB in der Selbstfindungsphase

Und schließlich waren es in der Tat Enthüllungen im deutschen Fernsehen, die die Staatsaffäre auslösten - weshalb die Russen kurz vor der WM sogar einen Eklat provozierten, indem sie dem ARD-Journalisten Hajo Seppelt erst das Visum verweigerten und ihm dann eine Einvernahme durch staatliche Stellen androhten, falls er das WM-Land besuche. Seppelt verzichtete darauf. Insofern erscheinen Tim Meyers Ängste gut begründet. Trotzdem dürften sie beim krisengeschüttelten DFB wenig Anklang finden.

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