Dembélé beim FC Barcelona Beschützt von Messi

Messi zählt zu denen, die Dembélé protegiert haben.

(Foto: imago/ZUMA Press)
  • Nach seiner Verletzung gibt Ousmane Dembélé sein Comeback im spanischen Ligaspiel gegen Levante.
  • In Barcelona wird spekuliert, dass seine schwere Muskelverletzung seine Gründe auch darin hatte, dass er mit dem Druck nicht klargekommen ist.
  • Der frühere Dortmunder muss sich bei seinem neuen Verein noch zurechtfinden, wird aber von Lionel Messi und Landsmann Umtiti unterstützt.
Von Javier Cáceres

Ousmane Dembélé hätte am Sonntag gute Gründe gehabt, die stets übervolle "Gelbe Wand" aus dem Westfalenstadion zu vermissen. Zum dritten Mal nacheinander waren weniger als 60 000 Zuschauer ins Camp Nou des FC Barcelona gekommen; nur 56 380 Menschen wollten den 3:0-Sieg Barcelonas gegen UD Levante sehen. Wenn es denn einen nostalgischen Gedanken gegeben haben sollte im Lichte der halb leer wirkenden Ränge: Nach 67 Minuten dürfte er passé gewesen sein. als Dembélé ausgewechselt wurde, erhoben sich die Fans von ihren Sitzschalen, um ihn mit einer Ovation zu verabschieden.

Nach 111-tägiger Verletzungspause war Dembélé in der vergangene Woche im Pokalspiel bei Celta de Vigo (1:1) ins Team zurückgekehrt; am Sonntag also hatte er mit viermonatiger Verzögerung ein passables Heimdebüt im Dress des FC Barcelona feiern dürfen. Als Trainer Ernesto Valverde zur Leistung des Franzosen befragt wurde, schien es, als würde er den Kern des Applauses in betont nüchterne Worte kleiden wollen, auf dass die Erwartungen nicht zu hoch fliegen. "Es fühlt sich gut an, einen Spieler mehr zu haben", sagte Valverde.

Auch Coutinho fällt erst einmal verletzt aus

Die Zurückhaltung hat ihren Grund. Nachdem sich Dembélé, 20, Mitte September bei einem Punktspiel beim FC Getafe verletzt hatte, dauerte es nicht lange, bis zur Erklärung der Blessur nicht nur mechanische, sondern auch psychosomatische Gründe angeführt worden waren. Ein älterer Spieler, räsonierte etwa Valverde, hätte sich kaum den musculus biceps femoris, wie der Schenkelbeuger genannt wird, beim Versuch gerissen, einen bedeutungslosen Ball mit einem Absatzkick davor zu bewahren, an der Eckfahne ins Aus zu trudeln. Die Folgen waren dramatisch: Dembélé musste operiert werden.

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Womöglich habe Dembélé "eine Jugendsünde" begangen und Schmerzen für sich behalten, die er vorher verspürt haben könnte, rätselte der finnische Chirurg Sakari Orava, der Dembélé behandelt hatte. "Der Druck, den er nach der Vertragsunterschrift beim FC Barcelona hatte, kann auch seinen Einfluss (auf die Verletzung) gehabt haben", meinte der Arzt. Einen Nachweis zu führen, ist nicht so einfach. Doch kaum zu bestreiten ist, dass der Druck auf Dembelé tatsächlich immens - und teilweise selbst verschuldet war.

Rückblende: Unmittelbar nach dem 222-Millionen-Euro-Verkauf von Neymar an Paris Saint Germain dürstete Barça nach Ersatz. Die Wahl fiel auf Philippe Coutinho, der erst an diesem Montag, mit halbjährlicher Verspätung, als 160-Millionen-Euro-Zugang vorgestellt werden konnte - und auf Dembéle, damals noch bei Borussia Dortmund unter Vertrag.

Der Franzose wollte den Transfer erzwingen, blieb deshalb dem Training fern, wurde dann vom BVB suspendiert - und von zahlreichen Medien als Abzocker an den Pranger gestellt. Der Verkauf ging über die Bühne, für 105 Millionen Euro plus erfolgsabhängiger Zusatzzahlungen in Höhe von 40 weiteren Millionen Euro. Die Debatten, das Geld und die Last, eine Weltmarke namens Neymar zu ersetzen, machten Dembélé erkennbar nervös: Als er am Tag seiner Vorstellung vor den Kameras mit einem Ball jonglieren wollte, versprang ihm das Gerät, das er sonst so gut beherrscht, als ob er nicht moderne Fußballschuhe mit Grip-System an den Füßen trüge - sondern Holzschuhe.

Auch am Sonntag gegen Levante war ihm noch Nervosität anzuerkennen, vor allem zu Beginn der Partie. Das Publikum im Camp Nou goutierte, dass er sich im Laufe der Partie immer besser zurechtgefunden und auch gut nach hinten gearbeitet hatte. Die Treffer gegen Levante gingen auf das Konto von Paulinho (90.+3), Luis Suárez (38.) und Lionel Messi (12.), der dabei Geschichte schrieb. Messi erzielte im 400. Spiel sein 365. Ligator für Barça. Eine solche Zahl an Treffern für einen einzigen Klub in einer großen europäischen Liga hatte bislang nur einer erzielt: Gerd Müller vom FC Bayern, in 427 Spielen.