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Coronavirus im Fußball:Paris gegen BVB findet ohne Zuschauer statt

Medien: BVB-Partie in Paris wohl ohne Zuschauer

Die Ränge im Pariser Prinzenpark bleiben am Mittwochabend leer.

(Foto: dpa)
  • Das Achtelfinal-Rückspiel zwischen Paris Saint-Germain und Borussia Dortmund findet im Pariser Prinzenparkstadion ohne Zuschauer statt. Grund für den Ausschluss der Zuschauer ist die Ausbreitung des Coronavirus.
  • Beim Spiel zwischen RB Leipzig und Tottenham Hotspur am Dienstagabend dürfen die Fans dagegen wie üblich zuschauen.
  • Über mögliche Geisterspiele in der Bundesliga, etwa Gladbach gegen Köln oder Dortmund gegen Schalke, soll spätestens am Dienstag entschieden werden.
  • Eintracht Frankfurts für den 19. März angesetztes Spiel beim FC Basel findet nicht in Basel statt. Wo und wann es nachgeholt wird, steht noch nicht fest.

Die allgemeine Verunsicherung in der Coronavirus-Krise hat den deutschen Fußball voll erfasst. Während RB Leipzig in der Champions League vor Zehntausenden spielen darf, muss Borussia Dortmund zum Geisterspiel nach Paris reisen. Frankfurts für den 19. März angesetztes Europa-League-Rückspiel gegen Basel findet nicht in Basel statt - offen ist, wo und wann es nachgeholt wird. Das Montagabendspiel des VfB Stuttgart in der 2. Liga gegen Arminia Bielefeld ist nicht betroffen - die Bundesliga stellt sich aufgrund der Epidemie dagegen auf tiefe Einschnitte ein.

"Wir würden am liebsten schon nächsten Spieltag mit Zuschauern spielen. Das ist aber leider nicht realistisch", sagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga, Christian Seifert, am Montag bei "Bild live", schloss aber eine Komplett-Absage des kommenden Spieltags aus: "Wir haben entschieden, dass der Spieltag stattfindet, rein sportlich. Mit wie vielen Zuschauern und ob ohne, das ist eine Entscheidung, die die Behörden treffen müssen." Am Nachmittag betonte die DFL ein weiteres Mal, dass eine Aussetzung oder ein Abbruch der Meisterschaft nicht infrage komme. "Die laufende Saison 2019/20 muss wie vorgesehen bis zum Sommer 2020 zu Ende gespielt werden, um Auf- und Absteiger sowie die Teilnehmer für die internationalen Wettbewerbe zu ermitteln", teilte der Ligaverband mit: "Nur so erhalten Klubs und DFL trotz schwieriger Umstände für die kommende Saison Planungssicherheit, zum Beispiel auch mit Blick auf Spielerverträge, die nur für eine Liga Gültigkeit haben."

Zuständig sind grundsätzlich die lokalen Behörden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn bekräftigte aber am Montag seine Empfehlung, Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern auszusetzen. "Es ist sicher leichter, auf Konzerte und Fußballspiele zu verzichten als auf den Weg zur eigenen Arbeit", sagte der CDU-Politiker in Berlin. Er habe bei der DFL die Bestrebung wahrgenommen, "zu einer einheitlichen Vorgehensweise zu kommen". Am dringlichsten ist eine Entscheidung für das Nachhol-Derby zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln am Mittwoch (18.30 Uhr im Liveticker auf SZ.de). Darüber wird aber erst am Dienstagmittag oder -nachmittag entschieden. Dies sagte ein Sprecher der Stadt Mönchengladbach auf sid-Anfrage. "Die Situation ist völlig offen", betonte er.

"Ich finde den Umgang mit dem Coronavirus konsequent inkonsequent", sagte FC-Sportchef Horst Heldt. "Manche Spiele finden statt, andere nicht. Ich würde mir wünschen, dass es eine klare Ansage gibt." Die Verantwortlichen der Klubs diskutieren dem Vernehmen nach in zahlreichen Konferenzen das weitere Vorgehen. Die Behörden agieren aber alles andere als einheitlich - und scheinen auf Zeit zu spielen.

DFL-Chef Seifert bezeichnet Spielpause in der Bundesliga als "illusorisch"

In Leipzig wurde am Montag entschieden, das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League am Mittwoch (21.00 Uhr im Liveticker auf SZ.de) wie geplant auszutragen. Die Stadt Stuttgart kam zum selben Schluss für die 2. Liga. Laut VfB-Mitteilung auch, weil "viele auswärtige Fans schon auf dem Weg nach Stuttgart" seien. Die Pariser Polizeipräfektur schob dem Prinzenpark für das BVB-Spiel am Mittwoch (21.00 Uhr im Liveticker auf SZ.de) beim Klub von Trainer Thomas Tuchel dagegen schnell den Riegel vor. Und die Kantonspolizei Basel-Stadt entschied am Montag mit dem Krisenstab, die Partie zwischen Basel und Frankfurt nicht zu bewilligen. Selbst ein Geisterspiel ohne Zuschauer erschien den Verantwortlichen als zu gefährlich, weil davon auszugehen sei, "dass mehrere hundert Fans des Gastclubs nach Basel reisen und sich während des Spiels vor dem Stadion versammeln würden", hieß es in einer Mitteilung des FC Basel.

DFL-Chef Seifert sprach von "einer Ausnahmesituation". Eine Spielpause in der Bundesliga sei jedoch "illusorisch". Es war auch darüber spekuliert worden, ob Spieltage auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden könnten, um Geisterspiele zu vermeiden. "Das ist nicht zu Ende gedacht. Da gibt es Verträge, sportliche Konsequenzen. Abstiege und Aufstiege. Wir brauchen den geregelten Spielbetrieb. Aufzuhören ist keine Option", sagte Seifert dazu. In der 2. Liga dagegen würde die DFL Spielverlegungen prüfen.

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer äußerte im ZDF-"Morgenmagazin", Geisterspiele in der Bundesliga seien angesichts der Ansteckungsgefahr "vertretbar". Den Gesundheitsexperten geht es dabei nicht nur um das Spiel an sich, sondern auch um die An- und Abreise der Menschenmassen. Kramp-Karrenbauer setzt "auch auf das Einsehen der einzelnen Vereine und aber auch derjenigen Stellen, die es dann anordnen müssen".

"Ob sie ohne Publikum spielen oder ob sie gar nicht spielen, das muss schon der Verein entscheiden, nicht ich", sagte Karl-Josef Laumann (CDU), Gesundheitsminister in Nordrhein-Westfalen, in der ARD-Sendung "Anne Will". Die Spahn-Empfehlung werde umgesetzt, "und zwar morgen oder jetzt, vollkommen klar".

Entscheidung zum Revierderby soll spätestens am Dienstag fallen

NRW stellt mit Dortmund, Leverkusen, Gladbach, Schalke, Köln, Düsseldorf und Paderborn die mit Abstand meisten Bundesligisten. Am kommenden Samstag (15.30 Uhr im Liveticker auf SZ.de) ist das Revier-Derby zwischen dem BVB und Schalke terminiert. Die Dortmunder kündigten eine Entscheidung über einen möglichen Zuschauer-Bann bis spätestens Dienstag an. Ruhrpott-Nachbar VfL Bochum stoppte am Montag vorsorglich den Kartenverkauf für die kommenden Spiele. Am Donnerstag stehen in Frankfurt (gegen Basel) und in Wolfsburg (gegen Donezk) Achtelfinal-Hinspiele in der Europa League an. Leverkusen spielt auswärts bei den Glasgow Rangers.

In der Bundesliga waren zuletzt erste Vorsichtsmaßnahmen eingeführt worden. Mehrere Klubs wiesen ihre Spieler unter anderem an, bis auf Weiteres keine Autogramme mehr zu schreiben und auch nicht für Fotos oder Selfies mit den Fans zur Verfügung zu stehen. Zudem wurde der obligatorische Handschlag vor den Spielen ausgesetzt. In manchen Arenen wurden Fans zusätzliche Desinfektionsmittel angeboten. Bei Geisterspielen dürfen neben den beteiligten Mannschaften noch Betreuer, Ballkinder, Arena-Personal und Journalisten dabei sein.

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© SZ.de/sid/dpa/tbr

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