bedeckt München
vgwortpixel

Copa América:Brasilien verliert die Lust an der Seleção

Einer der wenigen mit klangvollem Namen im aktuellen brasilianischen Team: Willian vom FC Chelsea (rechts) beim 0:0 gegen Ecuador.

(Foto: Jae C. Hong/AP)
  • Die brasilianische Nationalmannschaft stand früher für glanzvollen, schönen Fußball.
  • Beim müden 0:0 gegen Ecuador bei der Copa América zeigt die Seleção ihr neues Gesicht - und was ihr ohne ihren besten Spieler Neymar fehlt.
  • Trainer Carlos Dunga wirkt wenig hoffnungsvoll, auch weil es ihm nicht gelingt, seine Stärke durchzusetzen.

Es ist ein über Jahrzehnte gepflegter Mythos, dass Brasilianer das Fußballspielen ganz besonders lieben. In Wahrheit lieben sie es so wie die meisten Menschen auf der Welt. Das mit der Liebe in guten wie in schlechten Tagen kam nur deshalb auf, weil die Brasilianer sehr oft gewonnen und ihre Gegner dabei meist auch noch schwindelig gespielt haben. Was sie, so wie die meisten Menschen auf der Welt, aber überhaupt nicht mögen, sind Niederlagen - noch dazu gegen schwächere Nationen. Und wenn sie dabei auch noch selbst schwindelig gespielt werden, dann sind sie beleidigt wie betrogene Eheleute.

Das Verhältnis der Brasilianer zum Fußball ist angespannt seit jenem 1:7 gegen die deutsche Nationalelf bei der Heim-WM 2014, weil der Spruch "Tor für Deutschland" noch immer als Synonym für einen schlimmen Tag gilt. Auch in den vergangenen zwei Jahren wurde bei Partien der Brasilianer sehr oft geseufzt: Bei der Copa América 2015 sind sie im Viertelfinale ausgeschieden, in der Qualifikation für die WM 2018 liegen sie nach nur zwei Siegen in sechs Partien auf einem Tabellenplatz, der sie nicht nach Russland ließe.

Ecuador wird ein reguläres Tor nicht gegeben

Zum Auftakt der Copa América Centenario in den USA gab es jetzt ein maues 0:0 gegen Ecuador, über das die Brasilianer sogar froh sein mussten, weil dem Gegner ein gültiges Tor nicht zuerkannt worden war: Der Ball hatte nach Ansicht des Linienrichters vor der scharfen, vom brasilianischen Torwart Alisson ins eigene Tor getölpelten Hereingabe von Miller Bolaños die Auslinie bereits überschritten. Hatte er jedoch nicht, wie TV-Aufnahmen zeigten.

Nullnull. Das ist in diesem Fall nicht nur ein Ergebnis, sondern auch eine treffende Beschreibung des Spielverlaufs. Die Ecuadorianer warteten geduldig, dass der Gegner angreifen würde, doch der quälte sich eher lustlos nach vorne.

Bei Brasilien dribbelte einzig Flügelspieler Willian und wollte mit seinen Mitspielern kombinieren, doch er musste feststellen, dass er da im Sturmzentrum nicht Garrincha oder Romario oder Ronaldinho anspielte - sondern Jonas. Der Angreifer brachte beim Versuch, den Ball zu stoppen, Mit- und Gegenspieler in Gefahr und rammte ein Mal beim Ball-unter-Kontrolle-Bringen seinen Mitspieler Filipe Luís bis in die Bewusstlosigkeit. Mit gutem Willen kann man einige der nach vorne geprügelten Bälle der Ecuadorianer als "Konter" bezeichnen, dennoch reichte eine Hand, um alle Torchancen der Partie zu zählen.