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Christoph Metzelder im Interview:"Er wollte mich unbedingt"

Christoph Metzelder über seine Zeit bei Real Madrid, die Stärke der Bundesliga und den Schmerz, bei der WM nur zuzuschauen.

SZ: Herr Metzelder, nach drei Jahren bei Real Madrid hat Ihnen Präsident Florentino Pérez am Samstagabend vor dem vorletzten Saisonspiel gegen Athletic Bilbao (5:1) zum Abschied eine Trophäe überreicht, das vollbesetzte Bernabéu-Stadion entbot Ihnen eine Ovation. Ein solcher Abschied ist keinem Spieler vor Ihnen bereitet worden.

Christoph Metzelder

Christoph Metzelder bei der Verabschiedung aus Madrid.

(Foto: Foto: Getty)

Metzelder: Jedenfalls keinem, der wie ich nur 20 Spiele gemacht hat. Der Abschied stand im Gegensatz zu den Chancen, die man mir gegeben hat zu spielen. Dass Spieler wie Míchel Salgado so verabschiedet werden, nachdem sie 10, 15 Jahre Erfolge gefeiert haben, ist klar. Aber dass ich das durfte, auf Intervention des Präsidenten und des Managers Jorge Valdano, fand ich beeindruckend.

SZ: Worauf führen Sie das zurück?

Metzelder: Ich glaube, dass man mir hoch anrechnet, wie ich mich in den drei Jahren verhalten habe. Obwohl ich Grund gehabt hätte, mich öffentlich zu beschweren, war ich immer einer, der im Training 100 Prozent gegeben und außerhalb des Platzes versucht hat, zu leben, was dieser Verein ausdrückt. Real Madrid, das ist auf der einen Seite: brillante Individualisten. Aber es gibt auch eine zweite Seite: der Kampf, das Zurückkommen, bis zur letzten Minute alles zu geben. Das habe ich immer gelebt.

SZ: Ohne hämisch sein zu wollen: Sie werden womöglich der einzige Real-Spieler bleiben, der in dieser Saison eine Trophäe in die Höhe recken kann.

Metzelder: Man muss respektieren, dass Barcelona sehr, sehr gut spielt und die Saison kontrolliert. Valladolid (am letzten Spieltag Gegner Barças/d. Red.) kämpft ums Überleben, aber ich habe selbst im Camp Nou gespielt und weiß, wie schwer das selbst für eine Top-Mannschaft ist. Ich kann mir nicht vorstellen, dass da noch was passiert.

SZ: Barça hat vorm letzten Spieltag 96 Punkte, Real 95 Punkte und 101 Tore. Was sagen Ihnen diese Rekordzahlen?

Metzelder: Das zeigt, dass das Gefälle hier unglaublich groß ist. Es tut keiner Liga gut, wenn die ersten beiden Teams 26 Punkte vor dem Rest liegen. Deswegen glaube ich, dass die Bundesliga vor einer großen Chance steht. Spätestens nach dem Freundschaftsspiel, das wir 2009 mit Real in Dortmund hatten, haben meine Mitspieler bemerkt, was in Deutschland los ist, wie Fußball dort gelebt wird.

SZ: Sehen Sie die Chancen für die Bundesliga auch, weil die Liga unter der Rezession Spaniens leidet?

Metzelder: In Deutschland wurde immer die zentrale Fernsehvermarktung kritisiert, weil die großen Vereine unter der Solidarität leiden würden. Aber man sieht, dass es nicht gesund war, wie sich die Klubs im Ausland finanziert haben. Ich glaube, dass sich die Solidarität durch einen Wettbewerb auszahlt, der die Liga sehr attraktiv macht.

SZ: Was kann die Bundesliga von Spanien lernen?

Metzelder: Infrastruktur, Stadien, Vermarktung - alles ist in Deutschland besser. Es fehlt der eine oder andere Superstar, aber mit Robben und van Nistelrooy ist ein Anfang gemacht. Das nimmt vielleicht dem einen oder anderen die Scheu, nach Deutschland zu gehen.

SZ: Sie wissen seit einiger Zeit, dass Sie nicht zur WM fahren. Jetzt, da Sie bevorsteht, dürfte der Schmerz wieder stärker werden...

Metzelder: Ja. Vor allem weil Länderspiele für mich immer das Größte waren.

Dieser Moment, auf dem Platz zu stehen, die eigene Hymne zu hören. Im Rückblick auf meine Karriere werden das die besonderen Momente sein. Gerade die Turniere, die für mich alle sehr erfolgreich waren, weil wir immer bis zum Ende dabei waren, bei denen man wochenlang zusammen ist und auch zusammenwächst. Es ist schon sehr schade, von außen zusehen zu müssen.

SZ: Spanien ist für sie Favorit?

Metzelder: Absolut. In den K.o.-Runden kann natürlich viel passieren, aber ich habe hier drei Jahre lang die Protagonisten kennengelernt. Und sie haben, neben der unfassbaren Qualität, ein unglaubliches Selbstvertrauen.

SZ: Sie gehen nun als früherer Dortmunder zum FC Schalke. Haben Sie mehr Kritik aus Schalke oder aus Dortmund wahrgenommen?

Metzelder: Allen Beteiligten war klar, dass das sehr emotional gesehen wird. Aber ich musste als Sportler eine Entscheidung treffen, und nach meiner Erfahrung in Madrid, wo ich als Spieler eigentlich keinen Wert hatte, war es für mich wichtig, zu einem Verein zu gehen, der mich hundertprozentig will. Mit Felix Magath stehe ich seit zwei Jahren in Kontakt. Er wollte mich unbedingt. Das war für mich ausschlaggebend.

SZ: Hatten Sie in Madrid ein Problem mit Trainer Manuel Pellegrini?

Metzelder: Unter allen Trainern gab es Situationen, in denen ich gut gespielt habe, aber danach trotzdem auf die Bank musste. Es war nie ein wirklich offener Konkurrenzkampf. Wobei man auch sagen muss, dass immer wieder Verletzungen dazukamen und ich auf meiner Position die Konkurrenz der besten Spieler der Welt hatte. Da muss ich anerkennen, dass ich an persönliche Grenzen gestoßen bin, dass es Spieler gibt, die besser sind. Das ist schmerzhaft. Aber mir ist es allemal lieber, diese Grenzen auszuloten. Deshalb waren diese drei Jahre in Madrid richtig.

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Aus dem Labor von Q