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WM 2010: Das deutsche Team:Aus dem Labor von Q

Ein Libero im Tor, ein Präsidentschaftskandidat in der Abwehr und ein EFFIFU im Angriff - Bundestrainer Joachim Löw hat für seinen Angriff auf den WM-Titel eine sonderbare Reisegruppe um sich geschart.

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Dennis Aogo

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Dennis Aogo (Rückennummer 4): Mit Popsternchen

Nun, zugegeben, manche Spieler dieser unerhört jungen deutschen Mannschaft muss man sich als alter Sack erst ergoogeln. Wer Dennis Aogo googelt, dem macht das System ein paar Vorschläge für Suchworte: "Dennis Aogo Freundin", "Dennis Aogo mit Freundin", "Dennis Aogo Alessia", nur so zum Beispiel. Wer richtig kombiniert, dem erschließt sich alsbald, das Alessia die Freundin von Dennis Aogo ist. Die Tatsache, dass das so viele Leute interessiert, zeigt einmal mehr, wie unerhört jung diese Mannschaft ist. Alessia ist übrigens "ein Popsternchen", laut Google. Aogo ist ein Fußballsternchen, aber doch schon beim AC Mailand im Katalog. Alessia wird's gefallen.

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Holger Badstuber (14): Aus dem Labor von Q

Für folgende Theorie muss eine gewagte Behauptung aufgestellt werden: Louis van Gaal ist der James Bond der Bundesliga. Wobei van Gaal sagen würde: "Wieso gewagt? Ich bin doch der James Bond der Bundesliga." Schon gut, Herr van Gaal, aber was wären Sie - wie alle Bonds vor Ihnen - ohne Q? Das ist der Mann, der dem Agenten immer die Geheimwaffen zusammenbastelt. Der ewige Q im Fall des FCB heißt Hermann Gerland. Er betreibt in der Klubzentrale ein geheimes Forschungslabor, in dem er immer neue Sachen für den jeweiligen Bond erfindet. Letztes Jahr hat er dort den Badstuber erfunden, eine defensive Allzweckwaffe. Jetzt im Dienste Ihrer Majes... äh, von Jogi Löw.

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Jerome Boateng

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Jérôme Boateng (20): Straßen-Internat

Oft hat man Deutschland klagen hören, dass es keine Straßenfußballer mehr gebe. Das war erstaunlich, weil es im Großen und Ganzen ja auch keine Straßenskispringer, Straßengolfer oder Straßenhammerwerfer mehr gibt. Was es im Fußball aber wieder gibt, sind Spieler der Marke Jerome Boateng: Das Kicken lernte er in den Straßen Berlins, aber dann wurde er in der Eliteschule der Berliner Hertha früh gefördert. Boateng steht Modell für einen neuen Ausbildungsweg: Er kommt vom Straßen-Internat. An welchem der beiden Orte er sein locker-leichtes und doch athletisches Abwehrspiel erlernte, weiß man nicht, ist aber auch egal. Hauptsache, er kann es.

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Jörg Butt

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Jörg Butt (22): Die deutsche Tugend

An dieser Stelle kurz eine Einblendung ins Viertelfinalspiel gegen Argentinien: Nach Toren von Messi und, ähem, Klose steht es nach 90 Minuten 1:1, und Argentinien blickt bang zur deutschen Bank. Welchen seiner Flitzer wird Löw zur Verlängerung einwechseln, Marin, Kroos, Cacau? Es kommt schlimmer. Es kommt Jörg Butt. Er läuft in stoischer Ruhe aufs Feld, hält zwei, drei Bälle, und dann entscheidet er das Elfmeterschießen. Er hält den vorletzten und verwandelt den letzten. Jörg Butt ist der Mann, den diese Marin-Kroos-Cacau- Elf braucht, um überhaupt noch als deutsche Mannschaft anerkannt zu werden. Butt kann, was Holländer, Engländer, Argentinier ängstigt. Er ist die letzte deutsche Tugend.

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Cacau (19): Sicher und sauber

Im Mai 2007 hat er seine Laufbahn beendet, mit einem Benefizspiel in Curitiba. Es gab viel zu feiern, zum Beispiel diese große Karriere, die ihn über Paranaense, Leverkusen, Nürnberg, Cottbus, Jeonbuk Hyundai Motors zu Omonia Nikosia und am Ende wieder nach Paranaense führte. Paulo Rink spielt nicht mehr, aber sein Name wird bleiben. Er war jener Brasilianer, den der DFB extra einbürgern ließ. Allerdings rumpelte Rink oft mehr als die eingeborenen Germanen, weshalb das neue Modell überzeugender erscheint: Cacau rumpelt nicht. Er ist trickreich, torgefährlich, und Deutscher wurde er aus privaten Gründen, weil es hier so sicher und sauber ist. Er wird, ganz sicher, eine saubere WM spielen.

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Arne Friedrich

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Arne Friedrich (3): Tut nicht weh

Eines der weniger Lieder, die Arne Friedrich bisher gewidmet wurden, heißt "Alles über Arne Friedrich" und geht so: "Hin und wieder frage ich mich / Wie ist eigentlich Arne Friedrich? / Ist nicht zu dünn und nicht zu fett / Und wahrscheinlich so ganz nett." Dann Gitarrengeschrabbel (verzerrt), dann: "Hmm hmm hmm - tut niemand weh / hmm - spielt bei Hertha BSC." Dann: fertig. Die letzten Zeilen, klar, müssen bald neu getextet werden. "Hmm - war früher mal granatenschnell / hmm - spielt in WOB beim VfL." Oder: "Hmm - Liga zwei wär' nicht sein Stil / hmm - Leverkusen ist sein Ziel." Ansonsten ist mit "Alles über Arne Friedrich" tatsächlich eine Menge gesagt.

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Mario Gomez (23): Falsche Zeit, falscher Ort

Sollte sich ein Sportpsychologe das Phänomen des Karriereknicks vornehmen, böte sich Mario Gomez an. Vor einem Jahr war es noch ein Segen, dass der FC Bayern den gut aussehenden Stürmer mit dem ausgeprägten Torinstinkt für viel Geld in der Bundesliga gehalten hat. Heute holt man verstört den Kicker-Almanach aus dem Schrank, wenn jemand behauptet, Gomez habe schon über 70 Tore in der Bundesliga geschossen. Mario Gomez ist in der abgelaufenen Saison der falsche Mann zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen. Warum Jogi Löw mit Gomez' Berufung alles richtig gemacht haben könnte? Weiß auch der Kicker nicht.

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Marcell Jansen

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Marcell Jansen (2): Der neue Professor

Was hat so ein Nationalspieler eigentlich im Gepäck, wenn er zu einem Turnier reist? Adiletten, Duschzeug, iPod, Telefonnummern der befreundeten Bild-Reporter, klar. Aber es gibt auch Überraschungen. Marcell Jansen etwa verriet der Hamburger Morgenpost, er nehme "zwei oder drei richtige Bücher" mit nach Südafrika. Auf die etwas naive Nachfrage, was der Herr Jansen denn so lese, "Krimis?", antwortete dieser: "Nein. Wenn ich was lese, will ich daraus was mitnehmen, was mich im Umgang mit mir selbst und mit anderen Menschen weiterbringt, mir im besten Fall neue Dimensionen eröffnet." Damit hat Olaf Thon, genannt "Der Professor", endlich einen würdigen Nachfolger gefunden!

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Sami Khedira (6): Niemals Unterhaching

Jeder weiß, dass Sami Khedira nicht in Görlitz geboren ist. Er hat seine Karriere nicht beim BSC Motor "Fritz Heckert" Karl-Marx-Stadt begonnen, und er ist als junger Mann zwar mal Meister geworden, aber definitiv nicht mit dem 1. FC Kaiserslautern. Er hat nie für Leverkusen gespielt, warum sollte er auch, und zum FC Bayern kommt er vielleicht irgendwann mal, aber bislang jedenfalls war er noch nicht dort. Sami Khedira hat keine drei Kinder. Nie schoss er ein Eigentor in Unterhaching. Niemals sagt er "ooch". Er wurde auch noch nie von Kevin-Prince Boateng umgetreten, aber es hilft ja alles nichts: Bei der WM muss Sami Khedira Michael Ballack sein.

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Stefan Kießling (9): EFFIFU

Es verbieten sich, da es sich bei der WM um eine nationale Angelegenheit handelt, regionale Sticheleien gegen einzelne Spieler. Dass Kießling in der Torschützenliste Zweiter geworden ist, wie es der Tradition seines Vereins Bayer Leverkusen entspricht, bleibt daher unerwähnt. Schließlich fährt Kießling als EFFIFU zu WM. Was klingt wie noch ein südafrikanisches Musikinstrument, kürzt tatsächlich den Titel für den effektivsten Fußballer ab. Gemessen wird dabei, wie wichtig die Tore des Spielers für den Spielausgang waren. Effektiv zu sein ist nicht das schlechteste für einen Stürmer, der wohl nur wenig Gelegenheit haben wird, wichtige Tore zu schießen.

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Miroslav Klose (11): Fit wie ein Medizinball

Über Miroslav Klose ließ sich früher sagen, dass er selbst nach einem ganzen Spiel noch so fit wirkte, als könnte er Medizinbälle ins Publikum schießen. Daran hat sich nichts geändert - nur dass er heute nicht mehr spielt, bevor er Medizinbälle ins Publikum schießen könnte. Klose ist ein sehr fügsamer Mensch, wenn ihm jemand eine Krise attestiert, dann meldet er sich schon mal freiwillig vom Spielbetrieb ab, um Extra-Trainingsschichten zu schieben; die Krise wegtwisten mit Klinsis Deuserband. Vielleicht kommt Jogi Löw auf die Idee, diesen Effekt einfach umzukehren und Klose Stärke einzureden. Wir holen schon mal die Medizinbälle raus.

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Toni Kroos (16): Jetzt eine Leuchte

Toni Kroos galt selbst in Leverkusen nicht immer als die große Leuchte. Auch er gehörte ja zu jenem Team, das unter Bruno Labbadias Aufsicht eine der erbärmlichsten Rückrunden der Klubgeschichte hinlegte. Als Winter-Leihgabe aus München gekommen, musste er aus der örtlichen Presse erfahren, er sei "eine Defensiv-Schlampe", antriebs- und antrittsschwach. Dann trat Jupp Heynckes in sein Leben. Kroos, meint Heynckes, habe durch sein technisches und strategisches Talent das Zeug zum "Weltklassespieler". Kroos hat gut zugehört. Wie selbstverständlich wurde er mit einem Platz im DFB-Kader belohnt. Wer würde noch behaupten, er sei antriebsschwach?

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Philipp Lahm

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Philipp Lahm (16): Philipp for president

Es ist schade, dass Philipp Lahm nicht schon 40 Jahre alt ist. Dann nämlich erst, so schreibt es die Verfassung vor, kann man sich zum Bundespräsidenten wählen lassen. Dass Lahm ein ausgezeichneter Bundespräsident wäre, steht außer Frage. Er sagt in jeder Situation das Richtige, legt in schweren Zeiten den Finger in die Wunde und tritt trotz harscher Kritik an seinen Interviews nicht zurück. In guten Zeiten verbreitet er Frohsinn und gute Laune. Er sieht immer über das jeweilige Ereignis hinaus das große Ganze, strebt stets nach dem höchsten Ziel und arbeitet an der Perfektion. Alle, alle, alle mögen ihn! Na ja, er kann jetzt noch nicht Bundespräsident werden - und DFB-Kapitän ist eh der bedeutendere Job.

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Marko Marin (21): Dribbeln im Karton

Es war Sommer, und er gerade 20, dieser Marko Marin. Einer seiner ersten Wege in Bremen führten den eben von Mönchengladbach herbei gewechselten Knirps zu einem Elektroniksupermarkt auf der grünen Wiese. Marin bekam vom Eingang weg einen eigenen Verkäufer zugewiesen, der ihm eine monumentale Drucker-Fax-Scanner-Kombination zur Kasse schleppte. Im leeren Karton müsste Marko Marin jetzt fast wohnen können, zumindest reicht der Platz, um darin zwei, drei behäbige argentinische Innenverteidiger auszudribbeln. Wahrscheinlich hat er nur deswegen dieses Faxmonster gekauft: um im Karton Dribbeln zu üben. Die Einheiten haben sich bezahlt gemacht.

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Per Mertesacker

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Per Mertesacker (17): Wendiger als ein Baum

Per Mertesacker sieht manchmal etwas verwegen aus. Dreitagebart und Augenbrauen, gegen die sind die Augenbrauen von Philipp Lahm oder Martin Walser feine Striche. Wie ein alter Baum, dessen Krone wild wuchert - so sieht dieser Per Mertesacker an solchen Tagen aus. Zum Glück ist er aber beweglicher als ein alter Baum, zwar nicht deutlich schneller, aber eben doch nicht ganz festgewurzelt. Spielern, die wichtige Orte auf dem Spielfeld rechtzeitig erreichen, ohne sich zu hetzen, bescheinigen Experten gerne ein gutes Stellungsspiel. Neulich, im Pokalfinale gegen Bayern, hat das nicht so geklappt. Danach sah es so aus, als hätte sich Mertesacker die Augenbrauen rasiert.

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Thomas Müller (13): Nostalgie pur

Ob er auch so viel Aufmerksamkeit bekommen hätte, wenn er Thomas Schmidt oder Thomas Meier heißen würde? Sicher nicht. Ein Müller im Trikot des FC Bayern und jetzt auch der Nationalelf, ein Müller auch noch, der Tore schießt und bayerisch spricht - mei, mehr Nostalgie geht ja nicht. Die erste Epoche im deutschen Fußball, in der gemüllert wurde, war schließlich die erfolgreichste aller Zeiten. Müllern hieß, den Ball irgendwie ins Tor zu bekommen, mit dem Hintern oder per Hinterkopf und am liebsten aus der Drehung. Modernes Müllern bedeutet, solche Tore zu schießen und außerdem so viel zu laufen wie ein olympischer Triathlet - müllern im Wandel der Zeit.

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Manuel Neuer

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Manuel Neuer (1): Das Erbe vom Franz

Die achtziger Jahre wären eine gute Zeit gewesen für Manuel Neuer. Was Hans-Günter Bruns konnte, das kann Neuer auch (abgesehen von dem scharfen Schuss vielleicht), und auch hinter Matthias Herget, Dietmar Jakobs und Gerd Strack hätte sich Neuer nicht verstecken müssen. Okay, Gerd Strack war kopfballstärker. Aber ein paar Länderspiele hätte Neuer bestimmt gemacht auf jener Position, auf der Deutschland in den achtziger Jahren verzweifelt einen Beckenbauer-Nachfolger suchte. Leider wurde er erst in jenem Jahr (1986) geboren, in dem der Teamchef Beckenbauer einen WM-Kader aus lauter Liberos baute. Macht nix, jetzt spielt Manuel Neuer eben bei der WM 2010 Libero, als Torwart.

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Mesut Özil (8): Immer auf der Flucht

Der Unterschied zwischen Diego und Mesut Özil ist, was die Größe angeht, nicht sehr deutlich. Sie sind beide eher nicht so groß. Dennoch ist der neue Bremer Spielmacher Özil mit dem alten Diego noch nicht auf Augenhöhe. Diego schmuste einst mit Pop-Star Sarah Connor, Mesut Özil mit deren kleiner Schwester. Das bewahrt Özil vor den schlimmsten Schlagzeilen, was gut ist, denn er ist nicht so gewandt im Liefern und Dementieren von Schlagzeilen. Gegen ihn sind einsilbige Menschen wahre Quasselstrippen. Er ist eher ein scheuer Hase, stets auf der Flucht, Haken schlagend. Gegner fürchten ihn deshalb, Medien auch. Ach ja: Diego ist bei der WM übrigens nicht dabei.

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Lukas Podolski

Früher hat man häufig Vergleiche zwischen Lukas Podolski und Wayne Rooney gezogen, nicht nur deshalb, weil sie beide Angreifer sind und das gleiche Alter haben. Gleich alt, beide Stürmer, hatten sie wesentliche Elemente ihrer Kunst auf der Straße erlernt und traten mit dem Selbstbewusstsein geübter Draufgänger auf; ihre Wucht und ihre Spielfreude machten sie zu aufregenden Hoffnungen. Der eine schoss nicht mal 17-jährig sein erstes Tor in der Premier League, der andere debütierte mit 18 in der deutschen Nationalelf. Der eine wechselte bald zu Manchester United, der andere zum FC Bayern. Aber dann: Als Podolski bei der WM 2006 zum besten Nachwuchsspieler gekürt wurde, war Rooney längst zu Hause. 2008 spielte Podolski im EM-Finale - Rooneys Engländer guckten zu. Und heute muss Rooney immer noch für Manchester spielen, während Podolski den Sprung zum 1. FC Köln geschafft hat. Zwei Männer, so grundverschieden.

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Bastian Schweinsteiger (7): Endlich erwachsen

Die Öffentlichkeit hat schon vielen prominenten Menschen beim Erwachsenwerden zuschauen müssen. Boris Becker etwa wurde vor unseren Augen vom Leimener zum Lebemann in nur 25 Jahren. Florian Silbereisen debütierte als Zehnjähriger bei Karl Moik im Musikantenstadl und blieb den Rest seiner Kindheit und Jugend dort. Und nun Bastian Schweinsteiger, dessen Wandel vom Schweini zum Co-Kapitän immer nur mit einer Beobachtung begründet wird: Bastian Schweinsteiger sei endlich erwachsen geworden. Mit 25 Jahren ist das zwar spät, aber nicht zu spät. Dem Spätentwickler kann Jogi Löw seinen Mittelfeld-Kindergarten jetzt jedenfalls getrost anvertrauen.

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Serdar Tasci

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Serdar Tasci (5): Kein Kohler

Der schönste verlorene Zweikampf der deutschen Turniergeschichte war bestimmt der von Jürgen Kohler. Man sieht ihn noch, wie er von links ins Bild rutscht, man möchte "zieh!" schreien, wie bei einem Skispringer, aber er schafft es nicht weiter. Marco van Basten schießt am grätschenden Kohler vorbei das Siegtor im EM-Halbfinale 1988. Es hat noch weitere entscheidende Zweikampf-Niederlagen gegeben im DFB-Trikot, u.a. Karlheinz Förster gegen Paolo Rossi 1982 oder Thomas Häßler gegen Yordan Letschkow 1994. Und das ist das Gute an Serdar Tasci: Mit ihm kann so was nicht mehr passieren. Er wird bei der WM 2010 keinen Zweikampf verlieren. Er bestreitet sicherheitshalber erst gar keine.

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Piotr Trochowski (15): Nicht reden. Spielen.

Eine der größten Gemeinheiten in der jüngeren Geschichte des Fußballs war die Behauptung von Bayern-Manager Uli Hoeneß, Piotr Trochowski könne normalerweise "keine zwei Sätze geradeaus reden". Als ob es darauf ankommen würde! Wie oft bekommen Profis zu hören, sie würden fürs Fußballspielen bezahlt und nicht fürs Reden, und hat nicht Philipp Lahm von genau diesem Hoeneß eine Rekordstrafe aufgebrummt bekommen, weil er weit mehr als nur zwei Sätze sehr gerade aneinander gereiht hatte? Logisch, Hoeneß musste sich entschuldigen und tat das auch. Hätte er gesagt, Trochowski könne derzeit keine zwei Pässe geradeaus spielen, wäre so eine Entschuldigung wohl nicht nötig gewesen.

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Tim Wiese

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Tim Wiese (12): Wie einst Vincent Vega

Neulich mal wieder Pulp Fiction gesehen, wunderbar. Sehr erstaunlich an diesem Film ist, dass John Travolta damals schon wusste, welche Frisur Tim Wiese 16 Jahre später haben würde. Er trug wie Deutschlands Nummer zwölf das Haar etwas zu kurz, als dass es auf die Schultern fallen würde, und doch auch etwas zu lang, als dass man keinen Zopf binden könnte, wobei alle Haare die gleiche Länge zu haben scheinen. Auch sonst wird Tim Wiese diesem Vincent Vega (Travolta) aus Pulp Fiction immer ähnlicher. Der Spruch, er werde trainieren bis ihm "das Blut aus den Ohren tropft", könnte auf jeden Fall von beiden stammen, ist aber von Wiese. Vega stirbt übrigens früh, und Wiese ist auch nicht Nummer eins geworden.

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