bedeckt München 28°

Champions League: Real - Barcelona:Bäh! Wir machen nicht mit!

Real Madrid verweigert sich mit einer grotesken Abwehr-Taktik dem Champions-League-Halbfinale. Dann sieht Pepe Rot, Trainer Mourinho muss auf die Tribüne und Lionel Messi schießt noch zwei späte Tore für den FC Barcelona.

José Mourinho hat inzwischen eine Stufe erreicht, auf der man ihm alles zutraut. Er provoziert und unterstellt, er nölt und nörgelt. Er macht sich Trainer zum Feind, Medien, gerne auch Schiedsrichter. Am Mittwochabend aber hat sich Mourinho, der Raffinierte, der Verschlagene, der Listenreiche, selbst übertroffen.

Real Madrid v Barcelona - UEFA Champions League Semi Final

Höhe- und Endpunkt der ewigen Diskutiererei von Real Madrid: Der souverän agierende deutsche Schiedsrichter Wolfgang Stark (links) zeigt Pepe (Nummer 3) für ein grobes Foul die Rote Karte. Danach übernahm der FC Barcelona die Kontrolle über das Spiel.

(Foto: Getty Images)

Fürs Hinspiel des über alle Maßen aufgeheizten Champions-League-Halbfinale gegen den ewigen Rivalen FC Barcelona hatte er sich eine ganz neue Taktik einfallen lassen. Sie bestand schlicht darin, sich dem Abend zu verweigern. Kaum hatte der deutsche Schiedsrichter Wolfgang Stark - auch ein Mourinho'sches Pöbelopfer - die Partie angepfiffen, trat die Heimelf einen sehr geordneten Rückzug an. Bäh! machten Mourinhos Mannen, bäh! wir machen hier nicht mit!

Drei Stürmer hatte Mourinho auf der Bank gelassen (Adebayor, Higuain, Benzema), und jene Spieler, die er aufs Feld gelassen hatte, zogen sich so weit zurück, als gelte es eine Führung in der Nachspielzeit zu verteidigen. Ob die Taktik aufgegangen ist? Nicht wirklich: Nach einer streckenweise grotesken Partie siegte ein anfangs sehr irritierter FC Barcelona am Ende hochverdient mit 2:0 - eine perfekte Ausgangssituation fürs Rückspiel dank zweier Treffer von Lionel Messi, der einfach zu gut ist für Taktiktricksereien aller Art.

Am Anfang staunte der FC Barcelona aber nicht schlecht. Trainer Guardiola wusste zwar, dass der Kollege Mourinho mit ziemlich vielen Wassern gewaschen ist, aber so eine Spielanlage hatte er nicht erwartet. Auch seine Spieler taten sich schwer mit einem Gegner, der die Verweigerung dreist als Kunstwerk inszenierte.

Über 80 Prozent Ballbesitz wurden für Barcelona in der ersten Halbzeit gemessen, mindestens 30 Prozent davon waren ein Geschenk von Real. Mourinhos Spielbefehl wirkte wie ein ironisches Statement zur allgemeinen Barça-Verherrlichung: Seht her, sollte Reals Spiel der Weltöffentlichkeit wohl sagen, seht her, was aus Barcelonas Künstlern wird, wenn man ihnen das Spiel wegnimmt!

In der Tat wussten die Gäste wenig anzufangen mit jenem Raum, den Real ihnen kampflos überließ. Es war Raum in einer ungefährlichen Spielfeldzone, und je näher Xavi und Co. relevanten Ecken des Spielfeldes rückte, desto mehr Madrilenen trafen sie da. Barcelona kontrollierte das Spiel, aber es war eine Kontrolle ohne Tempo.

Real - Barcelona

Messi besiegt Mourinho