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Champions League:Der Wahnsinn bleibt aus

RB Leipzig - FC Liverpool

Umringt, aber nicht zu stoppen: Liverpools Stürmer Mo Salah (mi.)

(Foto: dpa)

RB Leipzig scheitert auch im Achtelfinal-Rückspiel mit 0:2 an Liverpool. Durch einen frühen Funkenschlag von RB gewinnt das Team von Jürgen Klopp den Glauben an die eigene Unverwundbarkeit zurück.

Von Javier Cáceres

Aufholjagden, das zeigt ein flüchtiger Blick in die Historie bedürfen immer auch einer Spur Wahnsinn. Oder: wahnsinniger Momente, einer Initialzündung, eines Impulses, solcher Dinge. Erst recht dann, wenn die Erfolgsaussichten vorab so gering sind wie am Mittwoch, als der Fußball-Bundesligist RB Leipzig sich anschickte, im Achtelfinale der Champions League eine 0:2-Heimniederlage gegen den FC Liverpool aus dem Hinspiel zu drehen. Der Wahnsinn aber, er stellte sich nicht ein. Im Gegenteil. Der amtierende englische Meister mag in der heimischen Liga nach allerhand Pleiten abgeschmiert sein. Gegen den Bundesliga-Zweiten siegten die "Reds" souverän und verdient. Die Mannschaft von Jürgen Klopp gewann durch einen Doppelschlag des ägyptischen Stürmers Mo Salah (70.) und des genialisch veranlagten Senegalesen Sadio Mané (74.) mit 2:0. Und zog ins Viertelfinale der Königsklasse ein - wie Paris Saint-Germain, das mit einem 1:1 gegen den FC Barcelona sein Guthaben aus dem Hinspiel (4:1) verteidigte.

Verrückt mutete am Mittwoch am Ende nur die Bühne an, das Puskas-Stadion zu Budapest. Das Spiel hätte eigentlich an der Anfield Road ausgetragen werden müssen - wegen der britischen Mutante aber hat sich die ungarische Hauptstadt zum Pandemie-Exil für deutsche und englische Champions-League-Teilnehmer gemausert; demnächst treffen sich auch Mönchengladbach und Manchester City in Budapest. Für Liverpool war der Ausflug nach Ungarn in mindestens zweierlei Hinsicht eine tolle Sache. Die Leipziger mussten, weil sie wegen der gesundheitspolitischen Bestimmungen der deutschen Behörden gewissermaßen für die Verlegung verantwortlich waren, eine Strafe von 1,5 Millionen Euro zahlen - sie hatten also erstens die Rechnung der Party zu begleichen. Und zweitens nehmen sich Spiele fern des heimischen Stadions für den FC Liverpool gerade besser aus: Von den sechs jüngsten Heimspielen hatten sie sechs verloren. Das nominelle Heimspiel gegen Leipzig in Budapest aber brachte einen schmerzlindernden Sieg.

Erst trifft Sörloth die Latte - dann macht Liverpool Ernst

Nach knapp zehn Minuten hatte Leipzig für einen Funkenschlag gesorgt, der verheißungsvoll wirkte. Nach einem Konter über den zuletzt formstarken Christopher Nkunku war der Ball vor den Füßen von Dani Olmo gelandet. Doch Leipzigs Spanier scheiterte aus kurzer Distanz an Liverpools Torwart Allison Becker. Das schien zweierlei Effekte zu haben: Es brachte den "Reds" den Glauben an die eigene Unverwundbarkeit zurück. Und es erinnerte die Leipziger daran, dass sie sich einer wahren Autorität des kontinentalen Fußballs gegenübersahen.

Liverpools Trainer Jürgen Klopp hatte vor der Partie nicht nur unermüdlich gegen die Fragen nach einem Interesse an Joachim Löws Job als Bundestrainer angekämpft. Er hatte auch immer wieder betont, dass Liverpool zurzeit zwar "nicht die Sonne aus dem Allerwertesten scheint", die fußballerischen Vorträge an sich aber nicht so schlecht waren. Und siehe, gegen die Leipziger mühten sich die "Reds", ihrem Trainer Recht zu geben. Kommandiert vom früheren Bayern-Profi Thiago Alcántara übten sie eine subtile Form der Tyrannei über das Spiel aus, hielten den Bundesligisten vom eigenen Tor weitgehend fern - und kamen selbst zu guten Torgelegenheiten, durch Diogo Jota (19./41.), Mo Salah (24.), einmal rettete Verteidiger Dayot Upamecano in extremer Gefahrenlage vor Sadio Mané (29.). Alldem hatte Leipzig zwar Emsigkeit und gar nicht mal so wenig Ballbesitz entgegenzusetzen. Aber im Grunde eben auch nur eine weitere Torchance: Emil Forsberg schoss nach gut einer halben Stunde aus 14 Metern knapp am Tor vorbei.

Nach der Pause versuchte Leipzigs Coach Julian Nagelsmann, mit der Einwechslung von Offensivpersonal für die Wende zu sorgen. Alexander Sörtloth köpfelte eine Flanke an die Querlatte. Dann aber machte Liverpool binnen vier Minuten Ernst. Nach einem von Thiago ausgelösten Konter und einem Traumpass von Mané auf Diogo Jota schoss Salah flach ein (70.); vier Minuten später passte der eingewechselte Divock Origi auf Mané, der keine Mühe hatte, jeden Gedanken an eine Sensation zu zerstören. Leipzig bleibt nun nur noch die Hoffnung auf den DFB-Pokal und die deutsche Meisterschaft. Liverpool hat noch Optionen auf die siebte Champions-League-Trophäe der Vereinsgeschichte.

© SZ/ska/jkn
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