Champions-League-Finale der Frauen Mit Wucht zum Glück gemüllert

Auch das Champions-League-Finale der Frauen gewinnt eine deutsche Mannschaft: Die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg hatten noch nie einen Titel geholt, nun machen sie nach Meisterschaft und Pokal das Triple perfekt - und das gegen den übermächtigen Seriensieger Olympique Lyon.

Von Claudio Catuogno, London

Elfmeter an der Stamford Bridge. Aber nicht für Chelsea, Chelsea spielt heute nicht mit. Sondern für Wolfsburg. Martina Müller läuft an, ausgerechnet Martina Müller. Sie zimmert den Ball ins Netz, fast mittig, nicht besonders platziert. Aber mit Wucht. Unhaltbar. Es ist gerade die 74. Minute angebrochen, es regnet in London, das ist aber das einzige, was so zu erwarten war. Eine gute Viertelstunde noch. Dann hat der VfL Wolfsburg tatsächlich diesen Titel gewonnen: die Uefa Women's Champions League.

So hatten sie sich das immer vorgestellt in der Marketingabteilung des Volkswagen-Konzerns. Dass in einem Stadion wie jenem an der Stamford Bridge, wo normalerweise der Champions- und Europa-League-Sieger Chelsea seine Heimat hat, die Händler Wolfsburg-Schals und Wolfsburg-Fahnen verkaufen. Dass das Vereins-Wappen die altehrwürdige Stadionfassade ziert. Dass oben auf der Ehrentribüne Fifa-Präsident Sepp Blatter und sein Uefa-Pendant Michel Platini (in mutmaßlich trauter Zwietracht, aber das ist ein anderes Thema) nebeneinandersitzen - und unten spielt der VfL Wolfsburg. Ihr Projekt!

Das Triple ist perfekt: Die Spielerinnen des VfL Wolfsburg gewinnen die Champions League.

(Foto: dpa)

Und überhaupt, dass eine Weltstadt wie London dieses Spiel zur Kenntnis nimmt, und das hat sie durchaus: "Fahrt ihr zum Fußball?", fragte an der U-Bahn-Station Embankment am frühen Abend ein Bahnsteig-Ordner zwei orientierungslos herumstehende Jungs. Die nickten. "Ah", sagte der Aufpasser mit angemessener Sachkunde: "Good stuff!"

Good stuff, das steht in Wolfsburg derzeit für: Frauenfußball!

Selbst wenn es für den großen Überraschungstriumph nicht gereicht hätte: niemand wäre enttäuscht gewesen. Bis vor zwei Wochen hatten Wolfsburgs Frauen ja überhaupt noch nie einen Titel gewonnen. Und nun spielten sie in der englischen Hauptstadt doch tatsächlich um den wichtigsten Vereinstitel des Kontinents. Gegen Olympique Lyonnais, den Gewinner der Jahre 2011 und 2012, das prägende Frauen-Team der Gegenwart.

Es war ein robuster, ein mutiger Auftritt, man kann es wohl so sagen: Wolfsburgs Fußballerinnen haben der Stamford Bridge alle Ehre gemacht, auch als es noch 0:0 stand. Dass sie am Ende gewannen: kaum zu fassen. Aber Müllers Elfmetertreffer reichte. 1:0.

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