FC Bayern in der Champions League Die Wärme des Trainers

Niko Kovac und Renato Sanches nach dem 2:0 gegen Lissabon.

(Foto: imago/GlobalImagens)
  • Niko Kovač feiert ein erfolgreiches Debüt in der Champions League.
  • Es treffen zwei Spieler, die in der Vergangenheit Probleme mit dem FC Bayern hatten. Robert Lewandowski wollte weg, Renato Sanches spielte keine Rolle.
  • Uli Hoeneß zeigt sich auf dem Bankett sehr zufrieden mit seiner Trainerwahl.
Von Jonas Beckenkamp, Lissabon

Als Niko Kovač das Lissaboner Stadion des Lichts verließ, hatte draußen im Norden der Stadt ein wenig der Wind angezogen. Auch das bietet Portugals Kapitale nämlich: Eine Abkühlung mit frischer Meeresluft nach einem heißen Tag und einem hitzigen Champions-League-Abend. Der Bayern-Trainer war auf dem Weg zum Bus einer der letzten der Münchner Reisegruppe, er hatte sich Zeit gelassen. Sein Debüt in diesem Wettbewerb als Coach war ja vollends gelungen, ein 2:0 bei Benfica, die Schmonzette um Heimkehrer Renato Sanches, seine Aufstellung mit Javi Martinez als alleinigem Sechser.

Kovač hatte vieles richtig gemacht, er gönnte sich am Ende des Spiels sogar noch ein Scharmützel mit seinem Trainerkollegen Rui Vitoria - auch das gehört schließlich dazu: Der Welt zeigen, dass man jetzt Trainer des FC Bayern ist und als solcher auch was zu sagen hat. "Ich hatte in der Szene vernommen, dass James bei seiner Auswechslung ausgepfiffen wird", erzählte Kovač, "er hatte mir dann erklärt, was in der Vergangenheit passiert ist, als er Spieler beim FC Porto war." Bayerns Kolumbianer zeigte den Benfica-Fans zum Gruß eine Hand mit fünf Fingern, es war ein Hinweis auf ein 5:0, das er mit Porto einst gegen Benfica mitgestaltet hatte.

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Eines der fiesesten Debakel der jüngeren Geschichte der Lissaboner. Die Verstrickungen des europäischen Fußballs, auch das gehört jetzt zum Alltag von Niko Kovač. Und ihm war anzumerken, dass er sich gerne für seine Spieler ins Getümmel wirft. Dass er mit Wonne dieses Spiel coachte, dass er seine Rolle als Beschützer und Antreiber seiner Mannschaft mit Leben füllte. Und mit Renato Sanches gelang ihm ein kleiner Trainertriumph, der aus Kovačs Sicht nun folgende Interpretation zulässt: Seht her, ich kriege diesen Jungen schon hin! Keine schlechte Referenz also.

"Ich habe ja schon in München gesagt, dass er nicht als Reiseleiter hier her mitkommt", sagte er über den 21-Jährigen, "als Thiago ausfiel, hat mein Bauchgefühl gesagt, dass wir ihn bringen. Wann, wenn nicht jetzt?" Tatsächlich hatte Kovač die Situation richtig erkannt. Er hatte Einfühlungsvermögen bewiesen: Den sensiblen Sanches in dieser Situation mit dem halben Mittelfeld im Krankenstand wieder nicht ran zu lassen, wäre für den Portugiesen wohl nur schwer zu verdauen gewesen. "Er hat sehr viele Nackenschläge hinnehmen müssen", erklärte Kovač. Dass er sich den Profis nahe fühlt, "ihre Sprache spricht", wie es im Fachjargon heißt, das ist eines seiner großen Verdienste in diesen Anfangswochen beim FC Bayern.

Auch bei Robert Lewandowski, dem anderen Torschützen des Abends, der seit Wochen wie im Schlaf trifft, scheint die Wärme des Coaches zu fruchten. Dabei wollte der Pole nicht nur einmal den Verein eigentlich verlassen. "Die Spieler merken, dass die Arbeit des neuen Trainers wirkt, es ist wirklich beeindruckend, wie akribisch er sie einstellt", fand in Lissabon auch Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Auch die Vereinsbosse scheinen mit ihrer Trainer-Wahl hochzufrieden zu sein, Uli Hoeneß setzte sich etwa beim nächtlichen Bankett neben Kovač und plauderte vergnügt mit dem Berliner Kroaten, während Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge sogar seinen "Dank" an den Trainer aussprach. Den Dank, das Risiko mit Renato Sanches eingegangen zu sein.

"Der Trainer hat ein gutes Händchen bewiesen", sagte auch Kapitän Manuel Neuer. Die Bayern hat der Schwung des Trainers also allerseits beflügelt. So wie der warme Wind am Ende dieser Nacht von Lissabon.

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