Champions League: Basel - FCB Therapieabend im bunten Salon

Dank einer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit gelingt dem FC Bayern durch zwei Schweinsteiger-Tore ein 2:1 in Basel. Nach den Rückschlägen in der Bundesliga sammeln die Münchner in der Champions League Selbstvertrauen.

Von Moritz Kielbassa

Schon vor dem Spiel leuchtete der St.-Jakob-Park, im Volksmund Joggeli genannt, auf einer Tribünenseite außen rot und blau, wie in München die Arena. Das Stadion des FC Basel wurde von denselben Architekten konzipiert, zur Anlage gehört auch ein Seniorenstift. In diesem bunten Salon hatte sich der FC Bayern einen Therapieabend vorgenommen. In der Champions League, ihrer Wohlfühlzone, wollten die Münchner den besorgniserregenden Bundesliga-Start ausblenden, wieder Selbstsicherheit gewinnen. Das Vorhaben gelang: Schweinsteiger drückte in der 89. Minute einen Ball zum 2:1 über die Linie - in der Champions League (zwei Spiele, zwei Siege) hat der FC Bayern nun eine makellose Bilanz, von der er in der Bundesliga nur träumen kann.

Bastian Schweinsteiger und der Basler St.-Jakob-Park - das passt. Bereits bei der Euro 2008 traf der Nationalspieler dort für Deutschland.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Es war kein glanzvoller, aber ein dank klarer Leistungssteigerung in der zweiten Halbzeit verdienter Sieg, der den Debatten zumindest bis zum Spiel in Dortmund am Sonntag etwas Schärfe nehmen könnte. Die positivste Erkenntnis des Abends dürfte sein, dass die Bayern über mündige Spieler verfügen: "In der Halbzeit war es in der Kabine etwas laut", berichtete Mark van Bommel, "Jörg Butt und ich haben gesagt: So geht das nicht." Die Kollegen folgten ihrem Torwart und ihrem Kapitän.

Vor dem Abstecher in die Nordschweiz hatten die Bayern auf die heftigste Schlechtwetterfront seit zwölf Monaten gelassen reagiert. Nach dem 1:2 gegen Mainz setzte der Vorstand, der so gerne antizyklisch handelt, in einem Basler Hotel demonstrativ die Tinte unter den längst verabredeten neuen Vertrag von Louis van Gaal. Der Trainer, mit Billigung der Gattin ("Truus liebt München") nun bis 2012 gebunden, hatte die Schwächephase nach bravourösem Frühjahr und WM ohnehin erwartet, kein Rausch hält ewig.

Kein Rausch hält ewig

Auch in Basel hatte van Gaal ein "schweres Spiel" befürchtet, während sein junger Kollege vom Schweizer Meister, der frühere Bayern-Angestellte Thorsten Fink, vor dem Anpfiff "so ruhig wie noch nie" war. Gecoacht hat Fink impulsiv, 90 Minuten stand er im grauen Anzug an der Linie. Für seinen kleinen FCB wäre offiziell schon Platz drei in der Gruppe, mit folgender Versetzung in die Europa League, ein Erfolg, wie er sagt - für den großen FCB wäre ein frühes Aus in der Champions League: furchtbar.

Für Entkrampfung sollte in Basel auch Hamit Altintop sorgen, Ivica Olic musste auf die Bank, es war die einzige Änderung in Bayerns Startelf. Altintop rückte rechts in die Offensivraute, Klose durfte aus den Tiefen des Mittelfelds ins Sturmzentrum. Die Basler, deren Präsidentin Gigi Oeri das Spiel als einen "erfüllten Traum" empfand, bedrängten die Bayern zunächst nicht so forsch wie zuletzt die Mainzer, die mit ihrem Pressing van Gaals Passketten schon im Frühstadium sabotiert hatten. Doch kaum hatten Toni Kroos (10.) und Daniel Van Buyten (15.) in einer engagiert vorgetragenen Anfangsphase zwei Warnschüsse knapp am Basler Tor vorbeigesetzt, brach schon die nächste Sturmböe über die Bayern herein.

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