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Carlsen gegen Caruana:Carlsen hat sich schon positiv über das K.o.-Format geäußert

Doch längst kursieren Varianten für andere WM-Formen - wobei diese Varianten in sehr unterschiedliche Richtungen zielen. Einer Gruppe geht es darum, das Zweikampf-Format beizubehalten, es aber zu reformieren; etwa dahingehend, dass erst bei einer bestimmten Anzahl gewonnener Partien das Match endet oder dass bei einem Gleichstand nach zwölf (oder mehr) Runden der Weltmeister seinen Titel behält. Aber vom Zweikampf wegzukommen, empfänden sie als unnötigen Bruch mit der Schachtradition.

1886 stieg das erste Duell zwischen Wilhelm Steinitz und Johannes Zukertort, später folgten so zugespitzte Konstellationen wie der brettgewordene Ost-West-Konflikt zwischen Boris Spasskij und Bobby Fischer oder das inner-sowjetische Duell zwischen Anatolij Karpow und Garry Kasparow. Nur in wenigen Ausnahmen - etwa nach dem Tod des Titelträgers Alexander Aljechin 1948 oder während der Spaltung der Schachwelt in zwei Verbände in den Neunziger- und Nullerjahren - gab es auch WM-Formate mit mehreren Teilnehmern. Aber die hatten wiederum andere Nachteile.

Dennoch ist auch jetzt wieder eine Achterrunde, in der jeder Spieler zweimal gegen jeden spielt, in der Debatte; die Schachszene kennt das etwa von den Kandidatenturnieren, in denen es darum geht, einen Herausforderer für die WM zu ermitteln. Manch einer präferiert auch ein K.o.-Format mit 32 oder sogar 64 Teilnehmern, damit Schach ein bisschen wie Wimbledon werden kann. Nicht zuletzt Magnus Carlsen hat sich in der Vergangenheit schon positiv über ein solches Modell geäußert. Das könnte sich sicher gut vermarkten lassen, und mancher Großmeister mag es unterstützen, weil es seine Chancen erhöht, an einer WM teilzunehmen. Aber die Wahrscheinlichkeit von Schnell- und Blitzschachentscheiden stiege da an.

Die Frage ist nur, ob auch die Spitze des Weltverbandes Fide um den neuen russischen Präsidenten Arkadij Dworkowitsch einem dieser Gedanken folgt. Er halte es "zum jetzigen Zeitpunkt für verfrüht, irgendeinen konkreten Vorschlag zu machen, aber das Thema ist von den zuständigen Fide-Organen schon gründlich beleuchtet worden", sagte er der SZ. Einen Wink für seine Präferenzen gab es aber schon zu Beginn seiner Amtszeit: Da kündigte er an, das Format der Frauen-WM an das aktuelle Format der Männer-WM anzugleichen. Bisher gab es dort abwechselnd Zweikämpfe und K.o.-Turniere.

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