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Bayern vs. Dortmund:Den Ausschlag geben 250 Millionen Euro

Am Ende setzt sich Bayern gegen den BVB durch - so wie hier Alphonso Davies gegen Thorgan Hazard.

(Foto: AFP)

Beim Dualismus des "Klassikers" Bayern gegen Dortmund gibt es einen großen Unterschied: das Geld. Das dürfte Bayerns Dominanz festigen - bis wohl in alle Ewigkeit.

Kommentar von Claudio Catuogno

Beim FC Bayern können sie jetzt beginnen, sich die wirklich entscheidenden Fragen zu stellen. Muss die Meisterschale jeweils desinfiziert werden, ehe man sie von Spieler zu Spieler reicht? Welche Distanz schreibt das DFL-Hygienekonzept bei Bierduschen vor? Und lassen sich bei einer Feier auf dem Marienplatz ohne Restriktionen die Abstandsregeln einhalten - weil beim achten Titel in Serie eh nicht mehr so viele zum Mitjubeln kommen? Ein gewonnenes Spitzenspiel gegen Dortmund, sieben Punkte Vorsprung: Da liegt man nicht falsch, wenn man den Münchnern schon mal zu ihrer 30. Meisterschaft (und zur ersten Geisterschaft) gratuliert. Gerade weil die im Zuge der Dauerdominanz eingeübten, zuletzt aber in Routine erstarrten Rituale diesmal wohl wegfallen, dürfte sie eine besondere werden.

Auf dem heimischen Markt der Interpretationen ist jetzt viel von den zuständigen Trainern die Rede, von Hansi Flick und Lucien Favre, die manches eint und manches trennt. Gemeinsam haben sie, dass sie bei ihren Klubs im Zuge schmerzhafter, immer wieder gescheiterter Übergangsprozesse zu ihren Jobs kamen: Die Münchner hangelten sich nach den Guardiola-Jahren mal mit mehr Überzeugung (Heynckes), mal mit weniger (Ancelotti, Kovac) von Zwischenlösung zu Zwischenlösung, ehe sie eher ungeplant bei Flick landeten. Beim BVB haben sie, nachdem ihr heiliger Klopp nicht mehr da war, erst den so fähigen wie schwierigen Thomas Tuchel geschasst - und sich dann über die Kompromissmänner Bosz und Stöger bis zu Favre vorgetastet.

Ja, der Trainer ist wichtig, aber nicht entscheidend

Und nun? Stellen die Bayern fest, dass ihr Flick eine erstaunliche Entwicklung genommen hat vom schlauen, aber scheuen Löw-Assistenten zum seriösen Anführer ihrer Spitzenelf - wobei jene Champions-League-Abende, an denen sich die Frühjahrshärte des Konstrukts normalerweise beweisen muss, gerade nicht zur Verfügung stehen. Das kann man aber nicht Flick vorwerfen. Beim BVB hingegen ahnen sie längst, dass ihr Favre nicht mehr der Mentalitätscoach werden wird, den es am Standort zwingend braucht.

So wichtig der Trainer auf diesem Niveau sein mag, noch entscheidender ist aber etwas anderes: das Geld.

750 Millionen Euro Umsatz haben die Münchner im vergangenen Geschäftsjahr verbucht, die Dortmunder etwa 500 Millionen. Schon möglich, dass Favres Zaudern die Meisterschaft mitentschied. Den Ausschlag geben aber 250 Millionen Euro Unterschied. Geld, das die Münchner übrigens niemandem gestohlen haben, sondern das sie am globalen Markt mit ihrer Dominanz verdienen - und das diese Dominanz wiederum festigt bis wohl in alle Ewigkeit. Die Bayern sind der einzige deutsche Klub, den kein Spieler als "Durchgangsstation" braucht, kein Lewandowski, kein Kimmich, das Team muss immer nur schlau ergänzt werden. Die Dortmunder hingegen müssen auch jetzt wieder hoffen, dass Könner wie Haaland oder Sancho wenigstens noch ein Jahr bleiben, ehe sie weiterziehen - und der nächste Neuaufbau nötig wird.

Den Dualismus, den der weltweit beachtete "Klassiker" Bayern - Dortmund vorgaukelt, gibt es in der Bundesliga tatsächlich schon lange nicht mehr.

© SZ vom 28.05.2020/jki
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