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Borussia Dortmund:Die Zweifel an Favre wachsen

Fürth, 20.08.2018, firo, Fußball, 1.Bundesliga, Saison 2018/2019,DFB-Pokal, 1.Runde, SpVgg Greuther Fürth - BVB, Borussia Dortmund,

Herbstschwere: Trainer Lucien Favre hat bei Borussia Dortmund schon deutlich bessere Phasen erlebt.

(Foto: Ralf Ibing / firo Sportphoto)

Eigentlich hätten Lucien Favre die Ohren klingen müssen, als würde im Dom die Messe geläutet. Sein Chef Aki Watzke saß mit Favres Vorvorgänger Jürgen Klopp bei der Pressekonferenz zum Erscheinen von Watzkes Buch-Biografie - und Borussia Dortmunds Geschäftsführer grämte sich öffentlich: Einen Trainer wie Klopp bekomme man nie wieder, im Nachhinein betrachtet, so Watzke, hätte man damals, vor dem 2015er-Abschied des inzwischen zum Welttrainer 2019 gekürten Klopp, "lieber die ganze Mannschaft rauswerfen sollen als den Trainer". Man darf aber davon ausgehen, dass Favre als echter Jura-Schweizer genug Phlegma besitzt, selbst die Glocken des Doms nicht zu hören, wenn er sie nicht hören will.

An diesem Samstag spielt Favre mit dem BVB gegen seinen alten Verein Borussia Mönchengladbach, was schon interessant genug wäre. Aber die andere Borussia steht auch noch in der Bundesligatabelle auf genau dem Rang, den sie eigentlich in Dortmund für sich selbst in dieser Saison reserviert hatten: auf Platz eins. Favres Team dagegen dümpelt auf Rang acht.

Menschen, die eher halb volle als halb leere Gläser vor sich stehen sehen, sagen zwar, dass es nur vier Punkte Rückstand bis zur Spitze seien, aber das ist nur das halbe Problem beim BVB. Was Favre mehr als die Offenbarungen seines Vorgesetzten und mehr als der blanke Tabellenplatz in die Bredouille bringt, das sind die drei letzten Spiele, die allesamt 2:2 ausgingen. Und zwar immer nach ähnlichem Muster, stets nach einer Dortmunder Führung und immer mit einer Art Angsthasen-Fußball, für den nicht wenige die taktischen Vorgaben des Trainers verantwortlich machen.

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Favre weigert sich, hadert weiter

Nicht wenige auch hatten bereits für die Länderspielpause der Bundesliga vorhergesagt, dass Dortmund die Atempause nutzen würde, um den Trainermarkt zu sondieren. Allzu sehr hat sich zuletzt offenbar die Ahnung breitgemacht, dass mit dem im Sommer nochmals hochgejazzten BVB-Kader auch diese Saison so weitergehen würde, wie die vergangene zu Ende ging. Zur Erinnerung: Dortmund hatte vor einem Jahr in der Hinrunde bis zu elf Punkte Vorsprung auf den späteren Meister FC Bayern - und kam am Ende mit zwei Punkten Rückstand ins Ziel.

Da zauderte, haderte und krampfte der Spitzenreiter Dortmund, und monatelang traute sich niemand im Klub, Favre die klare Ansage zu machen, dass sich angesichts eines so klaren Punktevorsprungs auch das Saisonziel zu verändern habe. Wer derart souverän Herbstmeister wird, muss zwingend auch den Titel ausrufen.

Favre weigerte sich, zauderte weiter, warnte inständig vor den überragenden Qualitäten späterer Absteiger. Das muss nicht der Grund für den BVB-Absturz in der Rückrunde gewesen sein. Aber viele Experten und Meinungsführer im Klub sehen es so, und Favre hat das als Hypothek mit in die neue Saison genommen. Nun rangiert er mit seinem vermeintlichen Superkader auf Platz acht. Selbst der SC Freiburg droht sich davor abzusetzen - von den Gladbachern ganz zu schweigen.

Am Donnerstag, bei der Pressekonferenz vor dem Borussen-Duell, schienen Favre und Sportdirektor Michael Zorc auffällig um gute Laune bemüht zu sein. Die Sondierungen des Trainermarktes waren kurz - und erwartungsgemäß nicht sonderlich ermunternd im Hinblick auf Alternativen zu Favre. Trainer in Verträgen kommen für Boss Watzke nicht infrage. Und von denen, die aktuell arbeitslos sind, passt kaum einer ins Anforderungsprofil. Von den deutschen Trainern läge zwar sofort Ralf Rangnick nahe, aber der ist beim BVB-Anhang so unvermittelbar wie jemand, der im Schalker Trikot auf der Borussen-Bank sitzen würde. Rangnick wäre fachlich ziemlich perfekt, aber seine letzten Vereine - Hoffenheim, Schalke und RB Leipzig - haben ihn für Dortmunds Ultras disqualifiziert; das würde sich auch Rangnick selbst wohl nicht antun wollen.