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Borussia Dortmund:"Die Bayern sind besser. Punkt!"

Borussia Dortmund: BVB-Abwehrchef Mats Hummels im Spiel gegen 1899 Hoffenheim

Mats Hummels und Borussia Dortmund wollen mehr. Eigentlich.

(Foto: dpa)

Der BVB scheint sich mit dem Status des ewigen Zweiten arrangiert zu haben. Der letzte Eindruck: 0:4 gegen Hoffenheim - ein Abschluss, der vieles offenlegt.

Manchmal kommt die Wahrheit zu ihrem Recht, wenn man verschwitzt am Spielfeldrand vor Mikrofonen steht. Roman Bürki nahm keine Maske und kein Blatt vor den Mund: "Man hat schon nach 45 Minuten gemerkt, dass da eine Mannschaft auf dem Platz steht, die nicht viel Lust hatte." Gemeint war seine eigene. 0:4 gegen 1899 Hoffenheim - im eigenen, wenn auch menschenleeren Stadion.

Eine Peinlichkeit, blamabler gar als das 0:2 zwei Wochen zuvor gegen Mainz. Bürki hatte recht: Borussia Dortmund irrlichtert aus der Corona-Saison. Der BVB-Torwart war geladen genug für noch mehr Selbstkritik: "Viele Dinge waren nicht in Ordnung heute, und dann kommt so ein Resultat heraus. Wir müssen weiter an einer Gewinner-Mentalität arbeiten. Das ist etwas, das Bayern noch mehr hat als wir."

Während der längst feststehende Meister FC Bayern zeitgleich in Wolfsburg ohne Rücksicht auf Verluste auf Sieg spielte, ließ Borussia die Dinge schleifen. Das Dortmunder Motivationsproblem mutete noch seltsamer als gegen Mainz an, da dazwischen die Gala beim 2:0 bei RB Leipzig lag. Während die BVB-Truppe dort gegen den Widersacher um Platz zwei ihre wahren Möglichkeiten demonstrierte, stürzte sie gegen Hoffenheim ab: Sieben Kilometer mehr liefen die Gäste, selbst im Dortmunder Strafraum durfte sich der Gegner mit sozialer Distanz frei bewegen. Das nutzte Hoffenheims Andrej Kramaric zu vier Treffern.

Für Dortmund setzte die irritierende Nicht-Leistung einen Schlusspunkt unter eine Saison, in der sich der Vizemeister scheinbar dauerhaft als Zweiter eingerichtet hat. "Die Bayern sind besser. Punkt!", quittierte Trainer Lucien Favre das Spiel. Alles in Ordnung, irgendwie? Voll im Zielkorridor gelandet? Mehr geht eh nicht? Schon vor Saisonabschluss gab Sportdirektor Michael Zorc bekannt, dass Favre in der kommenden Spielzeit seinen Vertrag erfüllen soll. Das kann man mit Hinweis auf seine Punktzahlen gut begründen, wenn man sich als Klub mit dem Status des ewigen Zweiten arrangiert hat. Statistiker können belegen, dass Favres Punktedurchschnitt in den beiden letzten Spielzeiten höher lag (zuletzt bei 2,14 pro Spiel) als der seiner prominenten Vorgänger Jürgen Klopp und Thomas Tuchel.

Zugleich leistete sich Dortmund, auch daran erinnerte Bürki, eine Reihe von Punktverlusten gegen schlagbare Gegner. Entweder aus Überheblichkeit oder wegen mangelnder Körperspannung, wie gegen Hoffenheim, Mainz oder beim 3:3 gegen Paderborn. Zugleich ging Dortmund in den besonders wichtigen Spielen unter, durch eine zaghafte, seltsam defensive Haltung. Der Klub hat das Saisonziel Champions-League-Qualifikation zwar erreicht, schied aber im DFB-Pokal unter Favres Anleitung zweimal hintereinander früh aus; jeweils im Achtelfinale, jeweils gegen Bremen.

Ebenfalls im Achtelfinale war in der Champions League Schluss mit einer extremen Defensivtaktik bei Paris St. Germain. In der Liga-Hinrunde ging der BVB in München (0:4) fast kampflos unter, ebenso wie im Jahr zuvor (0:5). Und im Corona-Endspurt gelang im Heimspiel gegen die Bayern (0:1) vorne auch nicht viel. "Wenn du deine direkten Spiele gegen die Bayern nicht gewinnst, kannst du auch nicht Meister werden", fasst es BVB-Boss Hans-Joachim Watzke zusammen.

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