Bundestrainer Löw Der DFB dreht sich im Kreis

Bundestrainer Jogi Löw: Wie viel Zeit bleibt ihm noch?

(Foto: dpa)

Deutschland diskutiert über die Bundestrainer-Frage. Der DFB ist noch nicht weiter gekommen, als bis zu jenem Mann, der hochqualifiziert ist, die Misere aber verantwortet: Joachim Löw.

Kommentar von Philipp Selldorf

Berti Vogts hat jetzt angeregt, dass Joachim Löw seine Arbeit fortsetzen sollte. Er sei "der Richtige für den Job", sagte Vogts der Rheinischen Post. Bei dieser Gelegenheit mag sich mancher Mitbürger ans Jahr 1998 erinnern, als schon einmal ein deutscher Bundestrainer von einer gescheiterten WM-Mission zurückkehrte und anschließend - so wie Löw an diesem Wochenende - entscheiden musste, ob er noch der Richtige wäre für den Job. Zum Entsetzen nicht weniger Landsleute beschloss der Mann, dass er sich dem Amt weiterhin gewachsen fühle, er versprach aber, künftig einiges anders zu machen als vorher. Dieser Mann hieß Berti Vogts.

Wenn sich Löw an seinem Vorgänger ein Beispiel nähme, dann müsste er wohl zum nächsten Länderspiel Sandro Wagner reaktivieren, so wie es Vogts 1998 mit Stefan Effenberg getan hatte. Dessen Rückkehr in die Nationalelf gehörte zum Reformprogramm, erwies sich jedoch ebenso als Fehlschlag wie Vogts' Idee, im Amt zu bleiben. So trat er zurück - und der DFB stand nicht nur ohne Bundestrainer da, sondern auch ohne die Ahnung, wer der nächste sein sollte. Schließlich kam Erich Ribbeck, der sich zuletzt dem Golfspiel auf Teneriffa gewidmet hatte. Finstere Zeiten brachen herein.

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Wenn Löw dem DFB nun sein Jawort verweigern würde - wofür es gute Gründe gäbe -, dann würde Verbandschef Reinhard Grindel vermutlich etwas planvoller vorgehen, als es damals sein energischer, aber übereifriger Vorfahre Egidius Braun tat. Dieser hatte wild durch die Gegend telefoniert und vorübergehend mehrere Bundestrainer gleichzeitig engagiert. Immerhin besaß er den Mut, außer einem Menschen wie Paul Breitner den Engländer Roy Hodgson zu fragen, der DFB war also bereit, seine heilige Nationalelf einem Ausländer anzuvertrauen.

Sollte sich Löw zurückziehen, dann wäre Oliver Bierhoff für die Trainersuche zuständig, das DFB-Präsidium würde über seine Wahl befinden. Bierhoff verfügt über viele Kontakte und über Fußballverstand, aber er besitzt nicht die Autorität, aus Gründen der nationalen Sicherheit Spitzentrainer wie Jürgen Klopp, Julian Nagelsmann oder Thomas Tuchel zwangszuverpflichten. Ein klassischer Praktiker wie Dieter Hecking wäre hingegen eine etwas zu gewöhnliche Lösung für diesen sehr speziellen Job. Bierhoff könnte auch im Bestand des eigenen Hauses gucken: Doch Löws aktuelle Assistenten scheiden wegen der Beteiligung am WM-Scheitern als Kandidaten ebenso aus wie Löws Praktikant Miroslav Klose, für den eine solche Anfrage ein paar Jahre zu früh käme.

Dieser geht nicht, der passt nicht, der will nicht . . .

Die Beförderung eines talentierten Juniorentrainers wäre möglich, aber sehr gewagt. Horst Hrubesch, 67, zu nehmen, wäre auch möglich, aber eine Zumutung für Frau Hrubesch, die seit Jahren darauf wartet, dass ihr Mann von seinem angeblich letzten Aushilfsjob beim DFB endlich dauerhaft nach Hause kommt. Und dass jedes Jahr rund 25 hoffnungsvolle neue Fußball-Lehrer die Hennes-Weisweiler-Akademie verlassen, bedeutet nicht, dass diese gleich 25 potenzielle Bundestrainer wären. Spitzenabsolventen wie Domenico Tedesco oder Florian Kohfeldt sind schon in der Bundesliga mehr als ausreichend beschäftigt.

Die Mutmaßungen, das Rumrätseln mit Prominenten wie Arsène Wenger, Jupp Heynckes oder Matthias Sammer, werden beim DFB interessiert verfolgt. Gewissermaßen wird da eine Vorauswahl getroffen: Dieser geht nicht, der passt nicht, der will nicht. . . Typisch ist, dass sich das Spekulieren im Kreis dreht, bis es zu dem Mann gelangt, der zwar erwiesenermaßen gute Eigenschaften für den Job besitzt, der aber auch die ganze Misere zu verantworten hat: Bundestrainer Joachim Löw. Weiter ist das Denken beim DFB bisher noch nicht gekommen.

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