Bundesliga: Wolfsburg - Bayern:Gefühlschaos in Niedersachsen

Das unnötige 1:1 raubt dem FC Bayern weitere Zuversicht im Titelkampf, doch das Spiel hält auch überraschend gute Neuigkeiten bereit. Wäre da nicht die große Sorge um einen kleinen Franzosen.

Carsten Eberts, Wolfsburg

Zwei, wenn nicht sogar drei andere Lösungsmöglichkeiten hätte Bastian Schweinsteiger gehabt. Er hätte den Ball in der 87. Spielminute wegdreschen können, nach vorne, ungalant und effektiv. Auch hätte er Marcel Schäfer vehementer abdrängen können, sogar einfach nur zur Ecke klären, er hätte das Ausgleichstor wohl verhindert. Alles wäre besser gewesen als das, was Schweinsteiger tat.

VfL Wolfsburg  - FC Bayern Muenchen

Franck Ribery muss im Spiel gegen den VfL Wolfsburg in der 23. Minute vom Platz.

(Foto: dapd)

Wie es sonst gar nicht seine Art ist, ließ sich der 84-fache Nationalspieler auf ein unnötiges Scharmützel ein. Schweinsteiger versuchte Schäfer listig auszuspielen, als letzter Mann auf einer verwaisten rechten Abwehrseite der Bayern. Sein Versuch misslang. Es war Schäfer, der Schweinsteiger zu übertölpeln wusste, den Ball zielgenau in die Mitte passte, wo Sascha Riether locker zum 1:1-Endstand einschob.

Schweinsteiger sagte an diesem Abend nichts mehr. Es war die seltene Fehlentscheidung eines sonst so zuverlässigen Mannes, allein deshalb ist Schweinsteiger dieser Fauxpas zu verzeihen. Der sicher geglaubte Sieg war in dieser Sekunde jedoch weg. "Basti weiß, dass Fußball ein Tagesgeschäft ist", sagte Thomas Müller: "Wenn er demnächst wieder ein gutes Spiel macht, ist er wieder der König."

Sein Trainer Louis van Gaal sagte: "Wir haben viel besser gespielt als zuletzt, aber es reicht eben nicht, wenn wir am Ende so einen Fehler machen." Der Rückstand auf Tabellenführer Dortmund ist durch das Unentschieden auf nunmehr 16 Punkte angewachsen. Es geht fortan um Platz zwei in der Bundesliga-Tabelle.

Es war ein Spiel der Extreme, der vielen, kleinen Geschichten - mit zwei verschossenen Elfmetern, vier Aluminiumtreffern und einem fulminanten Torwart-Debüt. Eine Partie, die mehrfach in diese und jene Richtung hätte kippen können. Kurios bereits das 1:0 von Thomas Müller nach fünf Minuten: Wolfsburgs Torhüter Benaglio wollte den Ball klären, traf mit dem Spielgerät jedoch Müllers Schienbein. Aus rund 20 Metern kullerte der Ball ins Tor. "Ich habe dem Ball ein bisschen Schnitt mitgegeben", witzelte Müller, was heißen sollte: Ich konnte nichts dafür. Aber ich stand goldrichtig.

Die zweite Geschichte war die von Thomas Kraft - dem jungen Torhüter, den van Gaal in einem politischen Alleingang überraschend zur Nummer eins bestimmt hatte. Kraft machte der heraufbeschworene Druck offensichtlich nichts aus, er zeigte fulminante Paraden wie gegen Mario Mandsukic, hielt sogar einen Elfmeter. Nach einem Foul von Holger Badstuber an Ashkan Dejagah trat Grafite zum Strafstoß an - im Flug ließ Kraft seine Faust nach oben schnellen und lenkte den Ball an die Latte.

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