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Bundesliga:Kühne macht den HSV zum größten Plastikklub der Liga

Klaus-Michael Kühne

Der wahre Chef? Investor Klaus-Michael Kühne (l.) greift mit seinen Äußerungen immer wieder in das Geschehen beim Hamburger SV ein.

(Foto: dpa)

Der Hamburger Investor greift immer wieder auf dramatische Weise ins Geschehen des Traditionsklubs ein. Das würde sich kein Sponsor in Wolfsburg, Hoffenheim oder Leverkusen erlauben.

Michael Schade, der äußerst volksnahe Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, bezeichnet sich gern als "Fan der Fans". Jedoch ist er nicht der Fan aller Fans, mit einigen Bayer-04-Anhängern befindet sich Schade in ständiger Fehde, und dieser Konflikt ist im Laufe der Woche in ein brisantes Stadium eingetreten: hier der Klub-Chef und gelernte PR-Manager Schade, der sagt, es sei "an Lächerlichkeit nicht zu überbieten", dass gewisse Fans zum Protest aufriefen. Dort die Ultras sowie die Angehörigen von "Kreativ für 1904 e. V.", die für das Samstags-Heimspiel organisierten Widerstand ankündigen. Drohen in der BayArena Aufruhr und Wasserwerfereinsatz? Es ist noch schlimmer.

Nicht nur, dass die rebellischen Fans damit drohen, das Schwenken von Fahnen und Aufhängen von Bannern zu unterlassen - sie rufen auch dazu auf, jene Plastikfähnchen in die Mülleimer zu werfen, die der Hauptsponsor auf den Rängen verteilen lässt. Wegen jener 30 000 Werbeartikel haben nämlich die Mitglieder von Kreativ für 1904 e. V. ihre seit Monaten geplante, mit Spendengeldern finanzierte Kurven-Choreographie abgesagt: "Zeigt den Funktionären dieser Erde, was passiert, wenn Sponsoren-Interessen die Überhand gewinnen", heißt es im Pamphlet der Ultras, und so nimmt ein weiteres Kapitel im Kulturkampf des Fußballs seinen dramatischen Lauf.

Wer ist der größte Plastikklub der Bundesliga?

Man mag darüber lächeln, dass ausgerechnet beim gebürtigen Plastikklub Leverkusen ein Streit um Plastik-Fähnchen eskaliert, andererseits führt der Vorfall direkt zur neuen Schicksalsfrage der Liga: Wer ist der größte Plastikklub unter den Plastikklubs? Ist es Bayer 04, das sich mit Konzerngeld, aber vor allem mit sportlichem Verstand seit Jahren in der Ligaspitze behauptet? Sind es Hoffenheim oder Wolfsburg, die in harten Zeiten nur dank ihrer Finanziers über Wasser blieben? Oder ist es Aufsteiger RB Leipzig, die wandelnde Wettbewerbsverzerrung?

Die Antwort kam dieser Tage aus dem Hauptquartier des Hamburger SV, jedoch nicht aus der Geschäftsstelle am Volksparkstadion, sondern aus dem eigentlichen Machtzentrum des Klubs - im Hamburger Hafen, wo das Unternehmen von Klaus-Michael Kühne residiert. Kühne wird je nach Sichtweise als Retter, Gönner, Sponsor, Investor oder Erpresser des HSV bezeichnet.

Tatsache ist, dass er den chronisch notleidenden Klub durch Darlehen, Anteilsübernahmen und andere Transaktionen finanziell am Leben erhält. Sein Einfluss ist mit dem Wort maßgeblich unzureichend beschrieben. Beim HSV greift Kühne allein durch Meinungsäußerungen in einer Weise ins Geschehen ein, wie es sich die Bayer AG in Leverkusen, VW in Wolfsburg oder Dietmar Hopp in Hoffenheim nicht erlauben.

Knäbel wird wie ein Plastikfähnchen entsorgt

Nun wurde beim HSV Sportchef Peter Knäbel wie ein Plastikfähnchen entsorgt, und das passt insofern zur Vereinspolitik, als überall bekannt war, wie wenig Kühne vom Manager hielt. Knäbel teilt das Schicksal von Mirko Slomka und Oliver Kreuzer, die auch als mindestens mittelbare Opfer des Geldgebers gelten. Kaum war Knäbel weg, wurden Kühnes Gespräche mit dem Spielerberater Volker Struth und dessen Begleiter Reiner Calmund publik, der die Unterhaltung so bilanzierte: "Herr Kühne ist glühender HSV-Fan, der endlich einen Fortschritt sehen will."

Als jetzt in Hamburg der aufsässige Ersatztorwart Drobny der Klubführung die Manneskraft absprach und am nächsten Tag den Einsatz im letzten Bundesligaspiel verweigerte, hat der HSV wieder wie ein typischer Traditionsklub mit Folklorefaktor ausgesehen. Betrachtet man seine existenziellen Abhängigkeiten, ist der HSV jedoch auf dem besten Weg, der größte Plastikklub der Liga zu werden.

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