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Hertha BSC:Durcheinander wie eine Buchstabensuppe

Bundesliga: Hertha BSC gegen TSG Hoffenheim 2021 im Berliner Olympiastadion

Flach und gar nicht mal schlecht platziert, aber einfach nicht hart genug: Herthas Krzysztof Piatek scheitert mit seinem Elfmeter an Oliver Baumann.

(Foto: Engler / Nordphoto/Imago)

Die Berliner Hertha lebt auch im Spiel gegen Hoffenheim nicht von erkennbarer Struktur. Das 0:3 ist die logische Folge, für Trainer Bruno Labbadia könnte es eng werden.

Von Javier Cáceres, Berlin

Die Suche der Berliner Hertha nach einer fußballerischen Identität geht weiter. Gegen eine erkennbar angeschlagene und überdies ersatzgeschwächte Hoffenheimer Mannschaft unterlag die Elf von Bruno Labbadia am Dienstagabend mit 0:3 (0:1). Damit blickt die mit großen Ambitionen in die Saison gestartete - und vor Jahresfrist mit massiven Geldmitteln verstärkte Hertha - einer zweiten Halbserie entgegen, in der es zunächst um den Erhalt der Klasse gehen wird.

Die Hertha hängt mit 17 Punkten im unteren Drittel der Tabelle fest, während die Hoffenheimer die Vorrunde immerhin im Mittelfeld beschließen. Ihr Held vom Dienstag war Andrej Kramaric, der sich in der zweiten Halbzeit zwei Mal in die Torschützenliste eintrug.

Es war eine gerechte Strafe für die Hertha. Es wäre einfacher gewesen, aus einer Buchstabensuppe etwas Zusammenhängendes herauszulesen als aus dem Spiel der Berliner in der ersten Halbzeit. Und es war somit nur folgerichtig, dass die Hertha recht früh in der Partie die beste aller Chancen liegen ließ - einen Elfmeter nach gut zehn Minuten. Jhon Córdoba war unter lautem Geschrei zu Fall gekommen; Hoffenheims Verteidiger Adams hatte ihn an der Sohle getroffen. Ob der Pfiff schmeichelhaft war oder nicht, war rasch unerheblich. Denn Córdobas Sturmpartner Krzysztof Piatek vergab großzügig. Es war Hoffenheims Torwart Oliver Baumann ein Leichtes, den Schuss zur Ecke zu lenken (12.).

Labbadias Handschrift fehlt bislang

Struktur im Spiel der Hertha war danach nicht mehr erkennen. Ein Bemühen war schon da. Aber nicht mehr, und das war deutlich zu wenig. Die Hoffenheimer beschränkten sich weitgehend darauf, bei sterilem Berliner Ballbesitz konzentriert zu verteidigen - und punktuell Spielkultur an den Tag zu legen. Zum Beispiel, als die Hertha nach gut einer halben Stunde Probleme im Aufbauspiel bewies und sich Räume auftaten, die Christoph Baumgartner klug bespielte - mit einem Pass auf Sebastian Rudy. Er überwand Herthas Torwart Alexander Schwolow mit einem satten Rechtsschuss, den Herthas Mattéo Guendouzi wohl noch leicht abfälschte (33.).

Nach der Pause kam Hertha mit höherer Aggressivität aus der Kabine. Córdoa setzte, wie schon in der ersten Halbzeit, einen Kopfball übers Tor. Aber auch in ihrer besten Phase lebte die Hertha von Mentalität und nicht von Ideen. Damit war es dann aber rund um die 60. Minute vorbei. Hoffenheims Abwehrchef Kevin Vogt verletzte sich bei einem Zweikampf vor dem Strafraum so schwer, dass er ausgewechselt werden musste.

Das nahm dem Spiel der Hertha die nötige Temperatur - und bot Hoffenheim die Gelegenheit, wieder das Terrain der Berliner zu betreten. In der 68. Minute riefen sie dann sogar Bingo: Maro John passte von der linken Seite in den Rückraum, Diadié Sammassekou zog ab, und weil Herthas paraguayischer Abwehrmann Omar Alderete das Abseits aufhob, kam Andrej Kramaric legal an den Ball, konnte sich drehen und zum 2:0 einschießen.

Es jubelte am Spielfeldrand Hoffenheims Coach Sebastian Hoeneß, der zu den Trainern gezählt wurde, die um ihren Arbeitsplatz fürchten müssen. Das dürfte nun verstärkt für Herthas Trainer Bruno Labbadia gelten, der im April letzten Jahres kam, die Hertha vor dem drohenden Abstieg bewahrte - es aber in dieser Saison bislang nicht vollbracht hat, ihr eine Handschrift beizubringen. Labbadia musste in der 88. Minute ohnmächtig zusehen, wie Kramaric seinen zweiten Treffer erzielte - und einen sehenswerten Freistoß aus 18 Metern zum3:0-Endstand in den Winkel schoss.

© SZ/cca
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