Dortmunds NiederlageErschreckend einfach ausgespielt

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Florian Wirtz trifft zum 2:1.
Florian Wirtz trifft zum 2:1.
Lars Baron/Getty Images

Der BVB kassiert beim 1:2 in Leverkusen den nächsten Rückschlag - weil er sich durch Abwehrschwächen selbst in Schwierigkeiten bringt. Siegtorschütze Florian Wirtz zeigt einen erstaunlichen Auftritt.

Von Philipp Selldorf, Leverkusen

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Die derzeit gängige These besagt, dass Borussia Dortmund mit hochrangigen Gegnern besser zurechtkommt als mit weniger namhaften Mannschaften, die vorzugsweise verteidigen, statt selbst fürs Spiel zu sorgen. Wie es aussieht, müssen sich die Experten nun aber eine neue Theorie einfallen lassen, um das unstete Wirtschaften des BVB zu erklären. Beim Tabellennachbarn Bayer Leverkusen verloren die Dortmunder 1:2, und das lag nicht an der Mauer-Taktik der Hausherren, die einen verdienten Sieg errangen.

Die Borussia konnte sich weite Teile des Spiels nicht zur Höchstleistung aufraffen und brachte sich durch Abwehrschwächen in Schwierigkeiten. Der Siegtreffer für Bayer durch den schon wieder mehr als erstaunlichen Florian Wirtz fiel nach einem Konter, bei dem der BVB erschreckend nackt dastand.

Beide Seiten verloren keine Zeit damit, den Weg zum Glück zu suchen. Den ersten Eckball für Bayer gab es nach einer Minute, der erste Torschuss folgte gleich darauf. Florian Wirtz versuchte es aus der Ferne, Roman Bürki war zur Stelle. Dreimal hatte Wirtz zuletzt gefehlt, und warum der 17-jährige Denker und Lenker allgemein vermisst wurde, das war bald offensichtlich. In der Zentrale trieb er mit intelligenten, effektiven Pässen das Spiel voran, nicht immer gelang ihm alles perfekt, aber beim nächsten Mal machte er es garantiert besser. Oft zog er auch in die Sturmmitte - was sich später noch gewinnbringend auszahlen sollte.

Ungefähr so hatte man sich dieses Spitzenspiel vorgestellt

Auf den Leverkusener Schnellstart reagierte der BVB mit einer Serie von Gegenschlägen. Erling Haaland jagte Lukas Hradecky im Bayer-Tor Angst ein, Julian Brandt und Marco Reus scheiterten mit aussichtsreichen Torschüssen. Auf der anderen Seite widerfuhr Lucas Alario Ähnliches. Diese Hochfrequenz-Attacken sahen aus, als wollten sich die beiden Teams gegenseitig im Trommelfeuer erschießen. Das erste Tor schien jeden Moment bevorzustehen, und tatsächlich dauerte es auch nicht mehr lang. Ausgangspunkt war ein ungezielter Abschlag von Bürki, der bei Leon Bailey landete. Ein Blick, ein langer Pass, und schon sah sich Bürki dem Rechtsaußen Moussa Diaby gegenüber. Im nächsten Moment lag der Ball im Tor (14.).

Wenn Leverkusens Flügel in Betrieb kommen, funktioniert das Leverkusener Spiel. Am Dienstag bewährte sich das Prinzip. Bailey auf links und Diaby auf rechts beschäftigten die Dortmunder Deckung, die außerdem nicht die sicherste war. Gegen Diaby taten sich Guerreiro und Mats Hummels schwer. Bayer machte von den Schwächen geschickt Gebrauch und zeigte auch sonst das durchdachtere Spiel. Das Dortmunder Gelingen beschränkte sich auf einzelne Momente und selten in die Spitze geführte Vorstöße. Jadon Sancho startete zwar ab und an in schicke Dribblings, kam aber an kein Ziel damit. Bis zur Pause näherte sich Bayer noch mehrfach dem 2:0, Alario war mit einem Kopfball am nächsten dran.

Ungefähr so hatte man sich dieses Spitzenspiel vorgestellt, schnell und ereignisreich, und der Unterhaltungsfaktor nahm in der zweiten Halbzeit noch zu, weil die Dortmunder nun energischer zur Tat gingen - endlich, wie ihr Trainer Edin Terzic vermutlich feststellte. Der Ausgleich für den BVB war das Ergebnis eines allmählich dauerhaften Strangulierens der Leverkusener Hintermannschaft. Wirtz und Diaby hatten auf der rechten Abwehrseite den Ball verloren, der auf Umwegen bei Brandt landete, und dessen Aufsetzer blieb für Hradecky unerreichbar (67.). Die Partie schien sich nun zu drehen, die Chancen für die Schwarz-Gelben nahmen zu, Bayer geriet in Atemnot. Brandts zweiten Treffer gegen seinen alten Klub verhinderte Edmond Tapsoba auf der Torlinie.

Bayer sah sich zwar vermehrt in die Defensive gezwungen, nutzte den Dortmunder Sturmdrang aber auch immer wieder gern zum Kontern. Der unermüdliche Diaby, inzwischen auf die linke Seite gewechselt, blieb für den BVB eine ständige Bedrohung. Auch beim 2:1 hatte er selbstverständlich eine tragende Rolle. Nach dem Doppelpass mit Patrik Schick hinter der Mittellinie bediente er Wirtz im Zentrum, den die weit entrückten Dortmunder offenbar komplett vergessen hatten. Der Weg zum Tor war zwar weit, aber Wirtz ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und traf ins Eck (82.). Dortmunds Aufholjagd blieb weitgehend aus, und pünktlich zur Karnevalsstunde um 22.22 Uhr beendete der Schiedsrichter das Treiben. Drinnen schrien die Bayer-Spieler sehr laut Hurra, draußen hupten ein paar Fans in ihren Autos.

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