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Bundesliga:Verfolger am Horizont

Bundesliga: Die Trainer Adi Hütter (Eintracht Frankfurt) und Oliver Glasner (VfL Wolfsburg)

in Lauerstellung: Adi Hütter (links) und Oliver Glasner stehen mit ihren Klubs aktuell auf soliden Champions-League-Plätzen.

(Foto: Darius Simka via www.imago-images.de; imago/imago images/regios24)

Plötzlich könnte der Bundesliga-Titelkampf doch noch einmal spannend werden. RB Leipzig ist bis auf zwei Punkte am FC Bayern dran - und Wolfsburg und Frankfurt überzeugen mit eindrucksvollen Serien.

Kommentar von Klaus Hoeltzenbein

Um auf eine ähnliche Konstellation wie jetzt nach dem 22. Spieltag der Fußball-Bundesliga zu stoßen, muss man zwar nicht zurück ins Mesozoikum, in dem die Dinosaurier dominierten. Auch nicht bis ins Alte Rom, als die Gladiatoren mit den Löwen kämpften. Aber doch zumindest bis ins Jahr 2009 n. Chr., in dem ein gewisser Felix Magath, dieser Dinosaurier der deutschen Trainerszene, nicht nur seine Gladiatoren an den Medizinbällen, sondern auch den FC Bayern quälte. Ein Brasilianer namens Grafite schwärmte später von den archaischen Methoden des Medizinballmannes: "Dieses Fitnesslevel, dass ich unter Magath hatte, habe ich nie wieder erreicht."

Lang, lang ist es her, und es geschah in einer Zeit, als es doch wirklich noch - den Jüngeren wird es in den Videokonferenzen der Gegenwart kaum gelehrt worden sein - einen anderen deutschen Fußball-Meister als den FC Bayern München gab.

Gut, nach 2009, als Magath den VfL Wolfsburg zum Überraschungsmeister trimmte, triumphierte zwei Mal noch Borussia Dortmund (2011, 2012), aber seither herrscht Monokultur - und trotz dieses 1:2 vom Samstag in Frankfurt haben die Münchner weiterhin die neunte Meisterschaft in Serie im Blick. Aber die Chance, dass sie vielleicht doch mal wieder jemand vom Gewohnheitsgriff zur Schale abhalten kann, ist durch den Betriebsunfall am Main gewachsen. Zumindest sind jetzt sogar drei Verfolger in den Staubwolken am Horizont auszumachen, die sich im Galopp annähern.

Wolfsburg und Frankfurt verlieren im Europapokal keine Kräfte

Wer dort zu identifizieren ist? RB Leipzig vornedran, das am Sonntag mit dem 3:0-Sieg bei der Hertha in Berlin kraftvoll ins Horn stieß. Eskortiert von Wolfsburg und Frankfurt, die sich seit Wochen in einer Art Synchronspringen die Tabelle hinauf katapultieren. Das Duo verbindet so einiges: Beide werden von Corona-Ausfällen kaum geplagt; beide sind im Europapokal nicht engagiert und verlieren deshalb zur Wochenmitte keine Kräfte; beide werden von Österreichern betreut, die eindrucksvolle Serien wie sonst nur der Münchner Rekordmeister entwickeln konnten. Der Salzburger Oliver Glasner, 46, baute in Wolfsburg ein modernes Team aus der Kompaktklasse, das seit neun Spielen nicht verloren und seit 666 Minuten kein Gegentor kassiert hat. Kollege Adi Hütter, 51, gebürtig in Hohenems/Vorarlberg, fühlt sich mit der Eintracht eher dem Offensivspektakel verpflichtet und ist seit elf Spielen unbezwungen.

Was nun, wenn das mit diesen Serien so weiter geht? Wenn die als Außenseiter gestarteten Synchron-Verfolger, die die anfangs höher eingestuften Leverkusener, Dortmunder oder Gladbacher bereits hinter sich gelassen haben, immer näher kommen? Niemand wird das Beharrungsvermögen der Münchner unterschätzen, und der Vorsprung ist noch nicht ganz abgeschmolzen. Nur: Ein solches Szenario ist nicht ohne Beispiel.

Denn bekanntlich war es kurz nach Aussterben der Dinos und kurz vor dem Dieselskandal, als Magaths VW-Werkself den Blinker setzte und nach der Winterpause 2009 zum Meistertitel sprintete. 14 von 17 Partien wurden in der Rückrunde gewonnen. Wer sich für Geschichte interessiert, findet das passende Video im Netz. Bei einem 1:5 des FC Bayern in Wolfsburg, sogar das gab's einmal!, trifft auch jener topfitte Brasilianer Grafite, "der Bleistift", ins Netz. Es wurde das Tor des Jahres. Grafite traf mit der Ferse.

© SZ/bkl/schm
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