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FC Bayern:Wie falsch komponiert

Bundesliga: Daichi Kamada von Eintracht Frankfurt trifft gegen den FC Bayern

Frühe Führung: Frankfurts Offensivspieler Daichi Kamada nutzt die großen Lücken in der Münchner Abwehr zum 1:0.

(Foto: Peter Hartenfelser/imago)

Vor dem Champions-League-Achtelfinale gegen Lazio Rom bereitet beim FC Bayern mal wieder die Defensive Sorgen. Niklas Süle erhält eine klare Botschaft aus der Vorstandsetage.

Von Johannes Aumüller, Frankfurt

Ganz am Ende stand traditionell der sportliche Part des Fernsehbesuchs an - aber nicht mal der klappte. Karl-Heinz Rummenigge, 65, hat in seinem langen Leben als Fußballer und Fußballfunktionär schon so manchen Auftritt im ZDF-Sportstudio und folglich auch an dessen berühmter Torwand absolviert, doch an diesem Samstagabend schien der Noch-Vorstandschef des FC Bayern nicht in Form zu sein. Die drei unten gingen daneben, die drei oben auch, und irgendwie passte das erstens zum Verlauf seines Studiobesuches, bei dem Rummenigge zu den drängenden gesellschaftlichen Themen wie dem Umgang mit Katar oder Corona vor allem ausweichende Aussagen tätigte; und zweitens passte es auch zum Auftritt seiner Mannschaft am Nachmittag.

Ein verdientes 1:2 (0:2) stand da nach einer sehr schwachen ersten und einer deutlich besseren zweiten Hälfte am Ende des Auswärtsspiels bei Eintracht Frankfurt. Rein faktisch ließe sich zwar darauf verweisen, dass die Münchner damit nach sieben Siegen und einem Remis zum ersten Mal seit Mitte Januar wieder ein Pflichtspiel verloren haben - und das noch dazu gegen eine der formstärksten Mannschaften der Liga. Aber in dieser Niederlage steckt ein bisschen mehr, nämlich eine sich verdichtende negative Gemütslage: die Münchner Müdigkeit.

Der Auftritt am Samstag fügte sich ein in eine klare Entwicklung, die in den vergangenen beiden Wochen zu konstatieren war. Erst gab es das mühevolle 1:0 gegen Hertha, es folgte die zwar erfolgreiche, aber eben auch strapaziöse Klub-WM-Reise. Dazu kamen diverse Corona- und Verletzungsfälle von Thomas Müller bis Corentin Tolisso, weswegen Trainer Hansi Flick über mangelnde Alternativen klagt, und in der Bundesliga gab es erst am Montag ein 3:3 gegen Arminia Bielefeld und nun das 1:2 gegen Frankfurt. Der Vorsprung in der Liga auf den Verfolger RB Leipzig ist geschmolzen, und in der Champions League steht am Dienstag das Achtelfinal-Hinspiel bei Lazio Rom an, das die Generalprobe für das Spiel gegen Sampdoria Genua 1:0 gewann. Da kann es schon mal etwas ungemütlich werden.

Vorstandschef Rummenigge muss sich im Fernsehen vor allem zu gesellschaftlichen Fragen äußern

"Wir hatten turbulente Tage und sind auch nur Menschen. Wir müssen damit leben", sagte Trainer Flick in Frankfurt. Sein Vorstandschef Rummenigge gab sich auch etwas rigider: Fünf Punkte in einer Woche abzugeben, sei "für den FC Bayern ungewöhnlich viel", die Mannschaft sei "zu inkonsequent, wir ersparen uns manchmal die letzten Meter". Man müsse "ein Stück konzentrierter, ein Stück engagierter spielen".

Es war in der Tat erstaunlich, wie schwach sich die Münchner in der ersten Hälfte präsentierten - so ähnlich wie schon zum Wochenbeginn gegen Bielefeld. Aber damals spielten sie noch auf einem tief eingeschneiten Rasen. In der Defensive offenbarten sich nun große Lücken, wobei es auch unpassend erschien, dass ausgerechnet Niklas Süle als Rechtsverteidiger den flinken Filip Kostic stoppen sollte. Das Mittelfeld wirkte falsch komponiert, weil Marc Roca als Sechser und Eric Choupo-Moting als Zehner ihre Rollen nicht fanden, und vorne gab es etwas mehr als eine halbe Stunde lang keine einzige gute Tor-Gelegenheit.

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Krönung eines starken Auftrittes: Amin Younes trifft mit einem sehenswerten Schuss in den Winkel.

(Foto: Jan Huebner/Pool/imago)

Da war es angemessen, dass es nach Treffern von Daichi Kamada (12.) und Amin Younes (31.) zur Pause 2:0 für die SGE stand. "Wir haben nicht aus dem Bielefeld-Spiel gelernt", sagte Torwart Manuel Neuer: "Da muss von Beginn an Aggressivität auf dem Platz sein." Zwar änderte sich die Lage nach dem Seitenwechsel erheblich, unter anderem durch die Einwechselung von Leon Goretzka. Aber es reichte nur noch zu einem 1:2, weil lediglich Robert Lewandowski traf (53.) und Goretzka sowie Kingsley Coman ihre Chancen vergaben.

Als Rummenigge später am Abend seinen langen TV-Auftritt hatte, da musste er vor allem zu gesellschaftlichen Fragen Stellung beziehen, etwa zur Aufregung um seinen Vorschlag, Profi-Fußballer zur Vorbild-Wirkung impfen zu lassen. Da sei er wohl "von einigen missverstanden worden", sagte er dazu. Die vielen Europapokal-Reisen quer über den Kontinent nannte er zwar "diskussionswürdig", weil man den Eindruck bekomme, dass der Fußball eine Sonderrolle habe, aber das sei "eine Entscheidung der Uefa" - als habe der FC Bayern in Europas Fußball keine gewichtige Stimme.

Und zum Thema Katar, wo der FC Bayern so in der Kritik steht, weil er trotz gravierender Menschenrechtsverletzungen eng mit dem Emirat verbandelt ist, bat er um "Geduld" für Katar, verwies auf den "Dialog" des Klubs mit den dortigen Verantwortlichen - und bemühte tatsächlich den Hinweis, dass es in Deutschland auch gedauert habe, bis der Mindestlohn eingeführt worden sei.

Steht noch ein weiterer Defensiv-Weggang an?

Die etablierten Zweifel an der Sensibilität des Klubs in gesellschaftspolitischen Fragen kann der FC Bayern so eher nicht ausräumen. Wie es mit den frischen Zweifeln an der sportlichen Kraft weitergeht, bleibt hingegen abzuwarten. Insbesondere die Defensive bereitet nach der neuerlichen schwachen Leistung in Frankfurt und nun schon 31 Liga-Gegentoren Sorgen. Das ist ja nicht das erste Mal in dieser Saison ein Thema, und in diesem Zusammenhang ging immerhin noch eine klare Botschaft von Rummenigge aus - in Richtung des zuletzt formschwachen Verteidigers Süle.

Der hat noch einen Vertrag bis Sommer 2022, aktuell laufen Gespräche, aber Rummenigge gab zu Protokoll, dass eine Verlängerung "nur zu gewissen Konditionen möglich sein" würde; man habe "finanziell nicht mehr die Masse zur Verfügung, die wir vor Corona hatten". Das klang durchaus so, als könne nach dem verkündeten Abschied von David Alaba bald noch ein weiterer Defensiv-Weggang anstehen.

© SZ/pps
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