FC Bayern in Mainz:Hammer statt Pinsel, Maloche statt Magie

FC Bayern in Mainz: Obenauf: Münchens Joshua Kimmich (rechts) gegen den Mainzer Danny Latza.

Obenauf: Münchens Joshua Kimmich (rechts) gegen den Mainzer Danny Latza.

(Foto: AFP)

Von Martin Schneider, Mainz

Der FC Bayern rief an diesem 27. Oktober den Tag der Arbeit aus, das war in Mainz einfach nicht zu überhören. Thomas Müller sprach etwa nach dem 2:1 davon, dass man die drei Punkte nach Hause gearbeitet habe. "Es war ein Arbeitssieg", bilanzierte Trainer Niko Kovac und Joshua Kimmich wurde noch deutlicher, in dem er sagte: "Es war ganz klar ein Arbeitssieg." Die Vorstandsetage hätte sogar mit einigem Recht Respekt für diesen Arbeitssieg fordern können, aber Uli Hoeneß ging mit einem geflöteten "Tschühüß" an allen Reportern vorbei.

Der FC Bayern, das war tatsächlich die Erkenntnis dieses Spiels, muss sich derzeit wie so ein ganz normales Team durch die Bundesliga ackern. Und neu war auch, dass es die Akteure nun zugaben. "Für uns geht es darum, die Spiele zu gewinnen. Da haben wir aktuell genug mit zu tun", sagte etwa Müller. Kimmich sah "nicht unser bestes Spiel", "kein Feuerwerk" und öffnete die Tür ins Innenleben der Mannschaft einen Spaltbreit.

Fast schon entschuldigend sagte er: "Gerade ist es halt wirklich extrem wichtig für uns, dass wir die Punkte einfahren, um wieder Sicherheit zu gewinnen." Der FC Bayern holt sich Selbstvertrauen in Mainz.

Bayern hadert mit dem Eingriff des Videoschiedsrichters

Nach dem 2:0 in der Champions League in Athen, das auf der Bewertungsskala deutlich näher an "dreckig" als an "glänzend" lag, sprach Kovac ja noch von einem "sehr, sehr guten Spiel". In Mainz hörte sich das allgemeine Urteil schon realistischer an. "Heute sind wir die erste halbe Stunde überhaupt nicht gut reingekommen", referierte Kimmich: "Wir haben es danach ganz gut kontrolliert. Aber auch Mainz war gefährlich, da hat man immer so das Gefühl gehabt, dass sie durch eine schnelle Umschaltsituation zu einer Möglichkeit kommen können."

Kimmich hätte es sich auch einfacher machen können. Er hätte zum Beispiel sagen können: Wir haben zwei Tore (Goretzka und Thiago) geschossen, eins wurde durch einen umstrittenen Eingriff des Videoschiedsrichters aberkannt (Harm Osmers sah am Bildschirm nach einem Thiago-Tor ein Foul von Lewandowski, was aber zumindest keine klare Fehlentscheidung war), dazu haben wir einmal Pfosten (Javi Martínez) und einmal Latte (Kimmich selbst) getroffen. Das erwähnte er zwar alles und meinte zudem, dass ihm die Videoschiedsrichter-Entscheidung nur deswegen egal sei, weil man gewonnen habe: "Wenn nicht, würden hier alle auf den Barrikaden stehen." Aber trotz Sieg mahnte er eine Entwicklung an - und zwar spätestens bis zum Ligaspiel in Dortmund:. "Wir dürfen uns bis dahin nicht damit zufrieden geben, nur Spiele zu gewinnen", sagte er, "sondern auch die Art und Weise muss passen."

Wobei sich seine Kritik an der "Art und Weise" hauptsächlich auf den spielerisch-technisch-kreativen Teil der Darbietung bezog. Was Einsatz und Mentalität anging, konnte man dem FC Bayern sehr wenig vorwerfen. Sie sprachen von Arbeit und auf dem Platz sah man Blaumann statt Smoking, Hammer statt Pinsel und Maloche statt Magie. Thomas Müller gestikulierte, gab Kommandos und agierte fast schon mit der Körpersprache, die einem K.o.-Spiel angemessen gewesen wäre. Gut, er kämpft auch um einen Stammplatz, aber selbst jemand wie Robert Lewandowski warf sich weit vom gegnerischen Sechzehner entfernt in Zweikämpfe. Manuel Neuer eskalierte nach dem Gegentor völlig und an der Seitenlinie beschwerte sich Kovac beim vierten Offiziellen in einer Frequenz, als ginge es hier um alles.

Positiv könnte man sagen: Der FC Bayern hat den Ernst der Lage erkannt. Negativ könnte man anmerken: Solche Tugenden sind für diesen FC Bayern mittlerweile notwendig, um Mainz zu schlagen.

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