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Bundesliga:Der Cheftoreschießer regelt das

VfL Wolfsburg v 1. FC Union Berlin - Bundesliga

Treffer in Minute 82: Wout Weghorst vom VfL Wolfsburg.

(Foto: Cathrin Mueller/Bongarts/Getty Images)
  • Der FC Bayern spielt beim FC Augsburg trotz Überlegenheit nur 2:2. Abwehrchef Niklas Süle verletzt sich.
  • Leipzig und Wolfsburg trennen sich im Topspiel unentschieden. Union Berlin besiegt den bislang so starken SC Freiburg.
  • Hier geht es zur Tabelle der Fußball-Bundesliga.

FC Augsburg - FC Bayern München 2:2 (1:1), Tore: 1:0 Richter (1.), 1:1 Lewandowski (14.), 1:2 Gnabry (49.), 2:2 Finnbogason (90.+1)

Waren es fünf gute Gelegenheiten in der zweiten Halbzeit? Oder eher sechs oder sieben? Die Bayern haben am Samstagnachmittag jedenfalls eine schöne Reihe an Torchancen ausgelassen, nicht zum ersten Mal in dieser Saison. Serge Gnabry, Philippe Coutinho, Thomas Müller - alle vergaben. So passierte es tatsächlich, dass der FC Augsburg in der Nachspielzeit zum Ausgleich kam: Cordova setzte sich über rechts energisch durch, Finnbogason hielt den Fuß in seine Flanke - das kräftig umjubelte 2:2 (90.+1).

Für die Münchner ist es der nächste Rückschlag nach der Heimniederlage gegen Hoffenheim, der Nachmittag hatte auch schon kompliziert begonnen. Erst nutzten die Augsburger nach 27 Sekunden ihre erste Chance zur Führung, dann verletzte sich Abwehrchef Niklas Süle: nach einem Zweikampf, bei der Landung auf dem Rasen, ohne wirkliche Gegnereinwirkung. Süle krümmte sich und hielt sich sein linkes Knie; auf dem Weg in die Kabine musste er von den Betreuern gestützt werden. Auf Krücken verließ er die Arena. Diagnose? Steht noch aus. "Das, was ich jetzt schon gehört habe, ist, dass das Kreuzband beschädigt ist", sagte Kovac nach der Partie.

FC Bayern in der Einzelkritik

Der Zehn-Minuten-Müller schwächelt

Robert Lewandowski (wer sonst?) erzielte nach 14 Minuten den Ausgleich, er hat damit an jedem der ersten acht Bundesliga-Spieltage getroffen und den Rekord von Pierre-Emerick Aubameyang aus der Saison 2015/16 eingestellt. Vor der Pause traf Gnabry noch unglücklich den Pfosten, kurz nach der Halbzeit kunstvoll ins lange Eck. Das genügte nicht zum erhofften Auswärtssieg. "Wir waren zu fahrlässig", urteilte Gnabry später bei Sky. Auch Kovac haderte: "Das darf nicht passieren."

Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach 1:0 (1:1); Tor: Reus (58.)

Es war ein schöner Angriff, Marco Reus und Julian Brandt spielten in der 33. Minute den Ball schnell nach vorne, Thorgen Hazard bekam den Ball und traf - leicht abgefälscht - ins Tor. Doch der BVB-Jubel währte nur kurz: Ein paar Stationen vor dem Abschluss war die Hacke von Reus Zentimeter im Abseits gewesen. Nach Videobeweis wurde das Tor zurückgenommen. Eine harte, aber gerechte Entscheidung. In der 58. Minute durfte der BVB dann aber wirklich jubeln: Wieder waren Brandt, Hazard und Reus beteiligt. Diesmal traf Reus, er tunnelte Gladbachs Torhüter Yann Sommer, diesmal zählte das Tor.

Torhüter Roman Bürki musste kurz darauf nach einer Faustabwehr verletzt ausgewechselt werden, Ersatz Marwin Hitz hielt mehrmals cool. Ein weiterer BVB-Treffer, diesmal von Brandt, wurde in der 84. Minute nicht gegeben - da Reus Sommer im Sichtfeld stand. Wieder hatten sich die Dortmunder zu früh gefreut.

Doch der BVB spielte an diesem Abend ausnahmsweise einmal nicht 2:2, sondern rettete die knappe Führung übers Ziel - und schloss in der Tabelle zu den Bayern auf.

RB Leipzig - VfL Wolfsburg 1:1 (0:0), Tore: 1:0 Werner (54.), 1:1 Weghorst (82.)

Vierter gegen Zweiter, das Topspiel des Spieltages also (auch wenn manche das Aufeinandertreffen zwischen Dortmund und Gladbach als noch topspieliger erachten). Wolfsburg agierte anfangs besser, Maxi Arnold scheiterte mit einem indirekten Freistoß aus elf Metern. Ein Tor fiel erst zu Beginn der zweiten Halbzeit, als Timo Werner einen langen Ball von Torwart Peter Gulacsi energisch im Tor unterbrachte - und dabei von einem etwas unnützen Laufweg von Kevin Mbabu profitierte.

Doch Wolfsburg? Ließ sich nicht verunsichern. Die Niedersachsen wissen ja, dass ein einziger guter Ball auf Cheftoreschießer Wout Weghorst genügen kann. So geschah es dann in Minute 82. Der VfL bleibt Tabellenzweiter und in der Liga unbesiegt, in Europas Topligen hat bloß Juventus Turin eine ähnliche Bilanz. Weghorst selbstbewusst: "Wir sind auf einem Superweg."

Werder Bremen - Hertha BSC 1:1 (1:0), Tore: 1:0 Sargent (7.), 1:1 Lukebakio (70.)

Josh Sargent hat seinem Biorhythmus zuletzt einiges zugemutet. Noch am Mittwoch spielte der junge Amerikaner mit seiner Nationalmannschaft in Kanada, etliche Flugstunden später stand er am Samstag in der Bremer Startelf gegen Hertha BSC. Sargent, 19, machte einen keineswegs verschlafenen Eindruck, als er Werder nach sieben Minuten in Führung schoss, sein Ball war zwar abgefälscht, doch das kümmerte keinen Bremer. Dass Milot Rashica in der zweiten Halbzeit eine höhere Führung vergab, sollte sich rächen: Dodi Lukebakio erzielte für Hertha den Ausgleich, die Bremer waren bedient. "Ein Punkt ist einfach zu wenig, wir treten auf der Stelle", klagte Leonardo Bittencourt.

Union Berlin - SC Freiburg 2:0 (1:0), Tore: 1:0 Bülter (1.), 2:0 Ingvartsen (84.)

"Wir müssen unsere gute Leistung aus dem Dortmund-Spiel bestätigen. Wenn uns das gelingt, können wir hier was mitnehmen. Ansonsten verlieren wir", sagte Freiburgs Christian Streich vor dem Spiel. Der Trainer hatte wohl eine Ahnung, dass es ein ungemütlicher Nachmittag werden würde. Schon in der ersten Minute geriet sein Team in Rückstand, Marius Bülter traf zur Union-Führung, in einer Weise, wie es dem ehemaligen Schützenkönig aus der Regionalliga-West in dieser Saison vermutlich nicht mehr gelingen wird: aus 25 Metern durch den sich gerade verziehenden Böllernebel ins lange Eck. Ihre allererste Bundesliga-Halbzeitführung verteidigten die Berliner leidenschaftlich - Ingvartsen erhöhte sogar noch. Zweiter Bundesliga-Sieg für Union. Und Streich? Hatte Recht behalten.

Fortuna Düsseldorf - FSV Mainz 05 1:0 (0:0), Tore: 1:0 Hennings (82.)

Es war, machen wir es kurz, das mäßigste Spiel des Nachmittags. Ein Vorgeschmack auf den Abstiegskampf, in dem beide Mannschaften landen könnten. Die Mainzer schwächten sich in der ersten Halbzeit selbst, als Edimilson Fernandes nach Stolleneinsatz gegen Gießelmann verdient Gelb-Rot sah (45.+1). Nach der Pause scheiterte Düsseldorfs Kasim Adams binnen Sekunden gleich zweimal per Kopf. Als sich einige Mainzer mit dem Nullnull abfinden wollten, köpfte Hennings zum Siegtreffer für die Fortuna ein.

Schnellstarter des Spieltags: Augsburgs Marco Richter traf nach 27 Sekunden gegen München, Unions Marius Bülter nicht viel später gegen Freiburg. Zum Vergleich: Da war die Partie Leipzig gegen Wolfsburg noch nicht einmal angepfiffen.

Bankbesetzung des Spieltags: Die des FC Bayern. Zum Anpfiff saßen dort drei Weltmeister, ein aktueller (Tolisso) und zwei vergangene (Boateng, Müller), ein WM-Finalist (Perisic), eines der größten deutschen Fußballtalente (Goretzka) und sogar der talentierteste Fußballer Österreichs überhaupt (Alaba). Nebenbei noch Ulreich und Davies. Bayern-Coach Kovac konnte gar nicht anders, als einige Profis ohne Spielminute wieder auf die Heimreise zu schicken. Es traf Tolisso, Boateng und Perisic. Thomas Müller wurde immerhin für ein paar Minütchen eingewechselt. Kovac' Kommentar: "Wir leben in einer Leistungsgesellschaft."

Zitat des Tages: "Du darfst als Trainer einen Spieler wie Müller nicht verlieren. Es ist aktuell eine Situation, in der Niko Kovac nicht gewinnen kann." (Sky-Experte Didi Hamann zu dem Thema, das die Bayern-Anhänger derzeit am meisten bewegt)

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