Niederlage in Mönchengladbach:Dortmunds Unglück ist perfekt

Niederlage in Mönchengladbach: Vertrat den verletzten Marco Reus als Dortmunder Kapitän: Mats Hummels gibt lautstark Kommandos.

Vertrat den verletzten Marco Reus als Dortmunder Kapitän: Mats Hummels gibt lautstark Kommandos.

(Foto: Uwe Kraft/AFP)

In einem hitzigen Duell bei Borussia Mönchengladbach entwickelt der BVB ohne Marco Reus und Erling Haaland kaum Durchschlagskraft - und Mats Hummels tadelt "eine Dummheit".

Von Ulrich Hartmann, Mönchengladbach

Bei Borussia Dortmund hatten sie ja schon länger geahnt, dass sie nicht in jedem Spiel vier oder fünf Tore schießen können. Der Kapitän Marco Reus hatte das wörtlich mehrfach so gesagt. Am Samstagabend in Mönchengladbach allerdings schossen sie nicht mal drei und auch keine zwei, ja, tatsächlich nicht mal ein einziges Tor. Deshalb nützte es auch nichts, dass sie nur ein Gegentor zuließen und damit so wenige wie in fünf Spielen zuvor nicht.

Dass der BVB mit 0:1 (0:1) bei Borussia Mönchengladbach verlor, lag dann wohl auch nicht zufällig daran, dass der stets mahnende Kapitän Reus verletzungsbedingt genauso fehlte wie - schlimmer noch - der zuvor an elf von 17 BVB-Treffern beteiligte Wirbelsturm namens Erling Haaland. Dass die Dortmunder ab der 40. Minute nach Gelb-Rot für Mahmoud Dahoud überdies nur noch zu zehnt spielten, machte ihr Unglück perfekt.

Zwei Spieler also standen dem BVB nicht zur Verfügung - aber es waren eben die beiden wichtigsten in der Offensive, weshalb man das Gefühl hatte, die Dortmunder Energie-Anzeige stünde nur bei 65 Prozent, wenn überhaupt. "Erling und Marco haben uns schon sehr gefehlt", sagte dann auch Mats Hummels, "und es haben ja auch noch mehr gefehlt mit Giovanni Reyna und Julian Brandt - uns hat deshalb die Durchschlagskraft gefehlt." Den Platzverweis für Dahoud tadelte Hummels energisch, weil dieser sich vor seiner zweiten gelben Karte zu einer abwinkenden Geste hatte hinreißen lassen. "Das war eine Dummheit", sagte Hummels und ergänzte: "Ihn runter zu schicken, ist falsch. Man darf dem Schiedsrichter aber nicht die Chance geben."

Schiedsrichter Aytekin: "Wir haben ein Mindestmaß an Respekt verdient."

Hummels hatte wohl Recht mit der Intention. Denn Schiedsrichter Deniz Aytekin wollte mit der Karte schlichtweg "ein Zeichen" setzen, erläuterte er beim TV-Sender Sky. "Wir hatten in der ersten Szene wenige Minuten vorher Guerreiro, der abwinkt. Ich habe ihm unmissverständlich erklärt, dass ich dieses Verhalten auf dem Platz nicht möchte. Wir haben ein Mindestmaß an Respekt verdient." Weiter führte er aus: "Natürlich kann man sagen: Es ist hart. Ein bestimmtes Verhalten auf dem Platz muss unterbunden werden. Es hat ja nicht jeder ein Freilos. In der Summe war mir dieses respektlose Abwinken zu viel."

Vor dem Spiel hatte Dortmunds Trainer Marco Rose sein Fernsehinterview lieber in den Katakomben des Stadions gegeben, dabei wartet bei Samstagabendspielen eigentlich Lothar Matthäus als Experte am Spielfeldrand. Rose aber wusste, dass die Gladbacher Fans nicht als Rosenkavaliere auftreten würden. Als er dann erst ganz kurz vor dem Anpfiff seinen Platz vor der Bank bezog, gab es ein Pfeifkonzert der höchsten Kategorie garniert mit hundertfachen wütenden Armbewegungen und verbalen Verwünschungen, die man nicht gedruckt sehen will.

Die Wut der Gladbacher Fans wirkt wie ein Gaskocher

Es war aber kein Friedensangebot von Rose, dass er auf Haaland und Reus verzichtete. Er konnte sie schlichtweg nicht einsetzen nach einem "turbulenten Abschlusstraining" am Freitag, bei dem Reus falsch aufgetreten war und mit einer Kapselreizung im Knie ausfiel, und bei dem Haaland einen Schlag abbekommen hatte und mit muskulären Problemen auch nicht einsatzfähig war.

Die unhöfliche Begrüßung durch die Gladbacher Fans hatte bekanntlich damit zu tun, dass Rose im vergangenen Februar frühzeitig seinen Wechsel aus Mönchengladbach nach Dortmund angekündigt hatte und dass die Mannschaft im Anschluss konsterniert sämtliche Saisonziele verspielte. Die Wut der Fans wirkte nun wie ein Gaskocher auf die Protagonisten auf dem Rasen. Denn nach 50 Sekunden gab es dort bereits die erste Rudelbildung. Gladbachs Denis Zakaria wollte erkennbar Zeichen der Leidenschaft setzen und ging Dortmunds Jude Bellingham aggressiv an, der sich bitter beklagte und damit wiederum einen Disput mit Jonas Hofmann heraufbeschwor.

Nachdem sich alle wieder beruhigt hatten, entwickelte sich ein Spiel, dem auf beiden Seiten die offensiven Akzente im Strafraum abgingen. Dortmund war mit dem Sturm-Duo Donyell Malen/Youssoufa Moukoko nicht ansatzweise so gefährlich wie mit Haaland - und bei Gladbach hatte der mit den vorangegangenen drei Spielen unzufriedene Trainer Adi Hütter dadurch ein Zeichen setzen wollen, dass er Spieler wie Florian Neuhaus, Hannes Wolf, Patrick Herrmann und Alassane Plea auf die Bank verbannt hatte. "Die jungen Spieler bringen Elemente mit, die wir gut gebrauchen können", hatte er vor dem Anpfiff über Spieler wie Joe Scally, Luca Netz und Zugang Kouadio Koné gesagt. In der Spitze durfte Breel Embolo von Beginn an spielen.

Bellingham legt Zakaria unabsichtlich den Ball hin

Gladbach mühte sich wenigstens um Bälle vors Tor, von den Dortmundern kam anfangs zu wenig. Dass sich ihre Lage dann binnen drei Minuten verschärfte, war zu gleichen Teilen Pech und besagte Dummheit. Zunächst legte Bellingham in der 37. Minute unabsichtlich dem in den Strafraum stürmenden Zakaria den Ball zur Gladbacher 1:0-Führung hin. Die Kugel sprang ihm vom Schienbein genau in Zakarias Schussbahn. Und in der 40. Minute sah Dortmunds Dahoud dann eben Gelb-Rot.

Nachdem er bereits in der 10. Minute für ein Foul Gelb gesehen hatte, ließ er sich nun nach einem Foul gegen Scally eben zu dieser abfälligen Bewegung mit dem rechten Arm hinreißen, die Aytekin sofort sanktionierte. Zusätzlich zum Platzverweis hatte Aytekin in einer teils zerfahrenen ersten Halbzeit drei gelbe Karten vergeben.

Bundesliga - Borussia Moenchengladbach v Borussia Dortmund

Da geht's raus: Schiedsrichter Deniz Aytekin schickt Mahmoud Dahoud mit Gelb-Rot vom Platz

(Foto: Thilo Schmülgen/Reuters)

Trotz Unterzahl musste Rose nach der Pause die Offensivbemühungen erhöhen, also brachte er den Angreifer Thorgan Hazard für den Innenverteidiger Marin Pongracic. Aber es bewirkte wenig, sodass Rose in der 57. Minute Ansgar Knauff für Moukoko einwechselte. Erstaunlicherweise machte Gladbach trotz der Führung fast bis zum Ende weiterhin das Spiel. Die Dortmunder lauerten auf Umschaltmomente, die sie mit ihrer behäbigen Art aber kaum bekamen. Erst ganz zum Schluss hatten sie ein paar gute Möglichkeiten zum Ausgleich.

Zuvor hatten die Gladbacher versäumt, halbwegs gute Torchancen zur Vorentscheidung zu nutzen. Am Ende waren sie froh, dass sie wenigstens das eine Tor geschossen hatten und sich mit dem zweiten Saisonsieg ins Mittelfeld der Tabelle verbessern konnten.

"Das war ein richtiger Kampf, und den haben wir gewonnen", freute sich der Torschütze Zakaria. "So müssen wir jetzt weitermachen." An den guten Teamgeist aus dem Eröffnungsspiel beim 1:1 gegen Bayern München fühlte sich Jonas Hofmann erinnert. "Geholfen hat uns sicher auch, dass Haaland und Reus bei Dortmund gefehlt haben. Das habe zusätzliches Selbstvertrauen gegeben.

© SZ/tbr/jki
Zur SZ-Startseite
SpVgg Greuther Fürth - Bayern München

Bundesliga
:Die Bayern üben reichlich Selbstkritik

Die Münchner siegen zwar 3:1 in Fürth, sind mit ihrer B-Note aber nicht wirklich zufrieden. Thomas Müller und Joshua Kimmich erheben deshalb das Wort.

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB