Bundesliga:Die Bayern üben reichlich Selbstkritik

SpVgg Greuther Fürth - Bayern München

Siegreich, aber nicht wirklich zufrieden: Die Bayern in Fürth, hier Thomas Müller, Manuel Neuer und Joshua Kimmich (von links).

(Foto: Daniel Karmann/dpa)

Die Münchner siegen zwar 3:1 in Fürth, sind mit ihrer B-Note aber nicht wirklich zufrieden. Thomas Müller und Joshua Kimmich erheben deshalb das Wort.

Von Maik Rosner, Fürth

Die Ehrenrunde geriet zu einem Triumphzug, und als die Mannschaft vor der Fantribüne angekommen war, schwoll der Beifallssturm noch einmal kräftig an. Ausgiebig beklatscht und besungen wurden allerdings nicht die souveränen Sieger des FC Bayern, sondern das klar unterlegene Team der Spielvereinigung Greuther Fürth. Das 3:1 (2:0) der Münchner am Freitagabend minderte die Begeisterung beim Anhang der Gastgeber nicht, im Gegenteil. Das Publikum schien vom Ehrentreffer und von der Tatsache, dass sich der Aufsteiger überhaupt mit dem berühmten Ensemble aus der Landeshauptstadt in einer Liga messen darf, ganz ergriffen zu sein.

Das Ergebnis? Nebensache.

Beim FC Bayern verhält sich das traditionell umgekehrt. Kein anderer Verein in Deutschland und vielleicht sogar in der Welt definiert sich so sehr über Ergebnisse und Erfolge. Es klang nur zunächst nach einer Phrase, als Thomas Müller darauf verwies, dass Fußball ein Ergebnissport sei. Sein Zusatz, "gerade in Deutschland, gerade für uns", erzählte aber erstens viel über die zunehmende Konkurrenzlosigkeit der Münchner, die als Tabellenführer ihrem zehnten Meistertitel in Serie entgegenstreben.

Zugleich erklärte Müllers Zusatz, warum die Ebene hinter dem puren Ergebnis, die B-Note oder Stilistik der ohnehin eingeplanten Siege, immer mehr an Bedeutung gewinnt für die Bayern. "Wir sind zufrieden, wie es läuft, aber wir dürfen den Anschluss nicht verlieren, immer weiter den nächsten Schritt zu machen", sagte Müller nach dem Spiel bei DAZN: "Darum geht's, und das macht ja auch am meisten Spaß, dieses Sich-verbessern. Wir dürfen den Anschluss nicht verlieren an unsere eigene Entwicklung."

Joshua Kimmich überragt, er ist an allen drei Bayern-Toren beteiligt

So weit ist es also schon gekommen, dass die Bayern nicht nur der Liga davonlaufen, sondern sogar aufpassen müssen, sich nicht selbst abzuhängen - dass die Ergebnisse besser sind als die Spielweise, mit der die Siege zustande kommen. Die spielerische und taktische Entwicklung der Mannschaft, so war Müller zu verstehen, müsse Schritt halten mit den guten Resultaten. Eine optische Selbsttäuschung soll unbedingt vermieden werden, damit es nicht zu bösen Überraschungen kommt, wenn die Titelentscheidungen in allen Wettbewerben näherrücken.

Es ist ein Streben nach Perfektion, und auch deshalb überwog bei den Bayern die Selbstkritik nach ihrem fünften Ligasieg in Serie durch die Treffer von Müller (10.), Joshua Kimmich (31.) und Fürths Sebastian Griesbeck per Eigentor (68.), ehe Cedric Itten mit dem 1:3 noch die Fürther Fans in Ekstase versetzte (88.). Vor allem Kimmich hatte sich in Fürth nicht nur sportlich damit hervorgetan, an allen drei Toren der Bayern beteiligt gewesen zu sein. Der Sechser verkörperte auch die typische Besessenheit der Münchner, stets das Optimum und die nächste Entwicklungsstufe von sich zu verlangen.

Bezeichnend dafür war, dass Kimmich in seinem ersten Satz nach dem Abpfiff sofort befand, der Sieg sei "nicht unbedingt eine Glanzleistung" gewesen. Man habe das Spiel zwar im Griff gehabt, auch in der langen Unterzahl nach Benjamin Pavards Platzverweis wegen eines groben Foulspiels in der letzten Linie (48.). Dennoch "hatten wir ein paar Fehler zu viel", sagte Kimmich kritisch.

"Das ist alles Meckern auf hohem Niveau", sagt Thomas Müller

Auch Müller übte reichlich Selbstkritik. Er monierte, dass man in der ersten Halbzeit "zwei Konterchancen verdaddelt" habe, zudem agiere man zuweilen "noch zu schlampig" in den Zwischenräumen und besetze "manchmal noch die falschen Positionen". Insgesamt sei es das Ziel, "noch flüssiger" zu spielen, sagte Müller. Zugleich wusste er natürlich: "Das ist alles Meckern auf hohem Niveau." Doch das ist ja Teil der Münchner Vereins- und Erfolgskultur, sich nie zufrieden zu geben und stets verbessern zu wollen. Und zumindest diese Herangehensweise lobte Kimmich uneingeschränkt. "Der Charakter der Mannschaft, der ist super", sagte er, "wir haben Spieler, die sich entwickeln wollen, die gewinnen wollen, die gierig sind. Wir wollen weitere Titel gewinnen."

In der Bundesliga sind sie da mit ihrem neuen Trainer Julian Nagelsmann auf einem ziemlich guten Weg. Vor dem 3:1 in Fürth hatten die Bayern am vergangenen Samstag gegen den anderen Aufsteiger, den VfL Bochum, 7:0 gewonnen. Doch ganz zufrieden waren sie auch danach nicht gewesen, ebenso wie nach dem 3:0 beim FC Barcelona in der Champions League und dem 4:1 bei RB Leipzig zuvor. Am Mittwoch kommt dann Dynamo Kiew nach München - ein Sieg im zweiten Gruppenspiel der Champions League ist das Mindeste, was die Bayern von sich selbst erwarten.

© SZ/ebc
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