20. Spieltag der Bundesliga:Undav trifft weiter

20. Spieltag der Bundesliga: Gerade bester deutscher Stürmer: Deniz Undav.

Gerade bester deutscher Stürmer: Deniz Undav.

(Foto: Harry Langer/dpa)

Der VfB-Stürmer macht auch beim Sieg gegen den SC Freiburg sein Tor. Bremens Erfolgsserie geht in Mainz weiter und der VfL Bochum kassiert in letzter Minute den Ausgleich gegen Augsburg. Das Wichtigste zum Spieltag.

Von Jonas Beckenkamp, Martin Schneider und Ralf Tögel

FC Bayern München - Borussia Mönchengladbach 3:1 (1:1), Tore: 0:1 Nico Elvedi (35.), 1:1 Aleksandar Pavlovic (45.), 2:1 Harry Kane (70.), 3:1 Matthijs de Ligt (86.)

Thomas Tuchel hatte sich auf dem Rasen positioniert und sprach ohne Heiserkeit, das war die gute Nachricht für den FC Bayern. So ein zünftiger Februarhusten wie unter der Woche haut ihn nicht um, weshalb er bei Sky erklären konnte, warum der just vom Afrika Cup eingeflogene Noussair Mazraoui gegen Gladbach direkt in der Startelf stand. "Nouz kam guten Mutes zurück", beschrieb Tuchel dessen Nominierung, "er ist in den Abläufen drin, er weiß, wo wir absichern und wo wir angreifen wollen."

Die Routine des Marokkaners gab also den Ausschlag, er spielte statt Zugang Sacha Boey (kam in der 62. Minute), und weil Tuchel sich schon mal an Routinen erinnerte, beorderte er prompt auch Thomas Müller von Beginn an aufs Feld. Müller? War der nicht seit längerem zur Teilzeitkraft umfunktioniert worden? Und damit zur schlechten Nachricht für die Münchner: Ausgerechnet Müller wirkte dann federführend mit, als die Bayern gegen ihren Angstgegner in Rückstand gerieten. Hatten die Gladbacher zunächst noch tief gestanden wie die Fröttmaninger Nachmittagssonne, trauten sie sich nach zwei vergebenen Großchancen von Leroy Sané immer weiter nach vorne.

Und weil sie schon mal da waren, krallte sich Nico Elvedi einen für den zögerlichen Müller bestimmten Pass von Manuel Neuer, spielte Doppelpass mit Kollege Jordan und schob zum 0:1 (35.) ein. Es war ein Tor wie beim Gaudikick im Englischen Garten, so verblüffend körperlos gab sich die Bayern-Defensive in dieser Szene. Doch bei allen Durchhängern haben sich Tuchels Männer mittlerweile eine gewisse Widerborstigkeit angeeignet. Sie antworteten mit Vehemenz und folgten dem Plan des Coaches gegen diesen verräterisch lauernden Gegner.

Der Ball muss zirkulieren, so die Devise, und zwar meist über außen und meist mit Dynamik. Wie man es gegen die Borussen nicht macht, hatten schließlich die Leverkusener in der Vorwoche exerziert, die beim 0:0 einfach das Toreschießen verpennt hatten. Nicht so der Rekordmeister: Wieder geriet Müller in den Mittelpunkt, als er eine Kombination mit Sané mit einem Steilpass zu Aleksandar Pavlovic garnierte - und der aus kurzer Distanz das 1:1 erzielte (45.). Trotzdem blieb's eine aufreibende Nummer für die Münchner, weil Gladbach mit Mut agierte und vorne einiges versuchte. Als die Gäste doch einmal hinten gefragt waren, unterlief Torhüter Moritz Nicolas bei einer Bogenlampe von Goretzka ein Fangfehler, den Abpraller nutzte Harry Kane per Kopf zu seinem 24. Saisontor (70.).

Wieder mit beteiligt: Thomas Müller, der Gladbachs Keeper entscheidend gestört hatte - und danach ausgewechselt wurde. Von der Bank durfte er noch das 3:1 durch einen Kopfball von de Ligt bejubeln. Am Ende hatte Müller entscheidend mitgeholfen, sein eigenes Jubiläum einzuläuten: Es war sein 500. Pflichtspielsieg als Fußballprofi und für die Bayern ein überlebenswichtiger Erfolg vor dem Topduell in Leverkusen in der kommenden Woche.

SV Darmstadt 98 - Bayer 04 Leverkusen 0:2 (0:1), Tore: 0:1 und 0:2 Nathan Tella (33., 52.)

20. Spieltag der Bundesliga: Florian Wirtz und Nathan Tealla waren die Besten bei Leverkusen.

Florian Wirtz und Nathan Tealla waren die Besten bei Leverkusen.

(Foto: Kai Pfaffenbach/Reuters)

Manche glaubten ja wirklich, die Krise schleiche sich langsam und gemein von hinten an die famosen Leverkusener heran. Haben die nicht zweimal erst in der Nachspielzeit gewonnen? Haben sie gegen Gladbach nicht fast tausend Pässe gespielt und doch nicht getroffen? Ja ja, die Leverkusener, wenn es ernst wird, dann ...

Nichts da, diese Mannschaft von Xabi Alonso ist ein anderes Leverkusen und das sah man auch beim allgemein als unangenehm eingestuften Auswärtsspiel in Darmstadt. Ohne zahlreiche Stammkräfte aber mit dem neuen Stürmer Borja Iglesias traf Frimpong-Ersatz Nathan Tella gleich zweimal, zweimal hatte zuvor Florian Wirtz zu viel Platz und den sollte man ihm wirklich nicht geben, wenn man nicht an einem Gegentor interessiert ist. Deckel drauf, Pflichtaufgabe erledigt. Nächste Woche kommt der FC Bayern - und damit der ultimative Test, ob dieses Leverkusen wirklich nichts mit dem alten Leverkusen zu tun hat.

SC Freiburg - VfB Stuttgart 1:3 (1:2), Tore: 0:1 Deniz Undav (3.), 0:2 Chris Führich (7.), 1:2 Lukas Kübler (45.+11), 1:3 Maximilian Mittelstädt (74.)

"Gut, dass mer scho so viel Punkte habe." So hatte Christian Streich das 1:3 bei Werder Bremen vor Wochenfrist kommentiert. Wer am Fachverstand des Freiburger Trainers Zweifel hegte, wurde an diesem Samstag in der Partie gegen den VfB Stuttgart nach nur drei Minütchen eines Besseren belehrt: Waldemar Anton durchschnitt mit einem scharfen, flachen Pass die Freiburger Viererkette wie einen Käsekuchen mit einem scharfen Messer, Deniz Undav nahm die Kugel mit und vollendete zum 1.0. Gerade mal vier Minuten und das 2:0 durch Chris Führich später dürften bei Streich die ersten unschönen Erinnerungen an das Hinspiel aufgeploppt sein, als seine Jungs in Stuttgart mit 0:5 filetiert worden waren.

Die rote Karte für Merlin Röhrl, nach Videobeweis und längerer Unterbrechung, brachte dem Gastgeber auch noch eine Unterzahl ein - es sprach nichts mehr für Freiburg. Immerhin ließen die Schwaben den Gegner wieder mitmachen: Torhüter Alexander Nübel irrte nach einer Ecke von Vincenzo Grifo durch den Strafraum, Lukas Kübler köpfelte zum Anschluss in der elften (!) Minute der Nachspielzeit ein. Nach dem Wechsel mischten die Breisgauer ehrenwert mit, ehe Maximilian Mittelstädt nach Doppelpass mit dem starken Undav mit dem Tor zum 3:1 die Entscheidung gelang.

FSV Mainz 05 - SV Werder Bremen 0:1 (0:1), Tor: 0:1 Marvin Ducksch (2.)

Was macht eine Mannschaft, die vorne notorisch ungefährlich ist und sich im Winterschlussverkauf deswegen zwei neue Offensivkräfte gegönnt hat? Richtig - beide sofort spielen lassen. Nadiem Amiri (kam aus Leverkusen) und Jessic Ngankam (kam aus Frankfurt) sind erst seit Mittwoch beziehungsweise Donnerstag in Mainz, viel Zeit zum Kennenlernen und Trainieren kann da nicht gewesen sein, aber wie gesagt: Die Not ist groß.

Und sie bleibt groß. Auch gegen Bremen und auch mit den zwei Neuen spielt der FSV das bekannte Mainzer Lied mit dem Refrain: "Richtung Tor spielen sie gut, aber ins Tor kriegen sie die Kugel nicht." Der SV Werder ging auch noch früh in Führung, in der eigenen Abwehr schoss ein Mainzer den anderen an, der Ball landete bei Marvin Ducksch, der sein neuntes Saisontor per Drehschuss erzielte. Das Team von Trainer Ole Werner stand in der Folge sicher - das reichte, um die limitierte Mainzer Offensive im Griff zu haben. Und Bremen? Hat zum letzten Mal am 13. Spieltag (!) verloren, jetzt drei Siege in Serie geholt. Es müsste nun schon alles schiefgehen, als dass Werder noch was mit dem Abstieg zu tun haben wird.

VfL Bochum - FC Augsburg 1:1 (1:0), Tore: 1:0 Moritz Broschinski (33.), 1:1 Ermedin Demirovic (90.+1, Handelfmeter)

Allzu viel Finesse durfte man nicht erwarten von diesem Duell zweier Mannschaften, die sich im Bemühen, möglichst schnell möglichst viel Abstand zur Abstiegszone zu schaffen, ein Schneckenrennen liefern. Entsprechend unansehnlich lief das Gekicke meist ab: Beide Teams kämpften, zeigten sich aber vor allem offensiv angemessen ideenlos und limitiert. Bis sich die Augsburger Defensive entschloss, das Spiel ein wenig anzukurbeln: Nach einer kurz ausgeführten Ecke verpassten gleich mehrere Abwehrspieler die Gelegenheit zu klären, was Bochums Moritz Broschinski mit einem feinen Seitfallrückzieher und dem 1:0 bestrafte. Das Tor war nicht nur sehenswert, es erhöhte auch die Motivation der Gäste, selbst eines zu erzielen.

Entsprechend engagiert traten die Augsburger nach dem Wechsel auf, die größte Chance auf den zweiten Treffer aber vergab Bochum, als Matus Bero völlig frei an Augsburgs Keeper Finn Dahmen scheiterte. Das Engagement der Schwaben wurde kurz vor dem Ende doch noch belohnt. Erst traf der zehn Minuten vor Schuss eingewechselte Arne Maier den Pfosten, dann den Arm eines Abwehrspielers: Den fälligen Strafstoß verwandelte Augsburgs Kapitän Ermedin Demirovic zum 1:1 kurz vor Abpfiff - damit bleibt es beim Schneckenrennen.

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