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Abstiegskampf in der Bundesliga:Showdown der Kellerkinder

Fortuna Düsseldorf: Trainer Andre Hoffmann feiert nach dem Spiel gegen Schalke 04

Auf Rettungskurs: Düsseldorfs André Hoffmann mit Trainer Uwe Rösler.

(Foto: Martin Meissner/dpa)

Im Kampf gegen den Abstieg gibt in dieser Saison niemand auf. Besonders Düsseldorf und Bremen wirken nicht zweitligareif und kämpfen gegen die dunklen Mächte an - mit Silberkugeln, Knoblauch und beherztem Fußball.

Es bedarf keines verschrobenen Parapsychologen mit Tonband und Nachtsichtgerät, um die übersinnlichen Phänomene im Keller der Bundesligatabelle zu erkennen. Der Spuk in der Abstiegszone entwickelt sich nicht gerade subtil. In unterkühlten Geisterspielen droht den bereits als gruselresistent eingeordneten Klubs aus Mainz, Frankfurt, Berlin-Köpenick und Augsburg womöglich doch noch der blanke Horror. Die dem Abstieg geweihten Düsseldorfer, Bremer und Paderborner kämpfen nämlich mit Silberkugeln, Knoblauch und beherztem Fußball gegen die dunklen Mächte an - und provozieren als Geisterjäger einen Showdown, indem sie im Saison-Finish die vier besser platzierten Konkurrenten noch je zwei Mal zu direkten Duellen herausfordern werden.

Die Düsseldorfer haben ihr Trauma aus neun verzockten Führungen - zuletzt beim 2:2 nach 2:0 in Köln - jüngst "zu Bett gebracht", wie ihr anglizistisch geprägter Trainer Uwe Rösler nicht müde wird zu betonen. An Schlaf ist gleichwohl nicht zu denken. Rhetorisch wie fußballerisch hat der gebürtige Thüringer Rösler seine Erfahrungen aus der Premier League in die Bundesliga transferiert. Die Fortuna spielt unter ihm einen britisch coolen One-Touch-Football samt forschem Pressing. Sie hat damit aus sechs Spielen zuletzt zehn Punkte generiert. Nebenher schwärmt Rösler in Interviews derart vom Düsseldorfer Altbier, dass man glauben könnte, sein Gehalt werde anteilig vom Stadtmarketing bezahlt.

Mit einer solchen Effektivität hat man in der zweiten Liga nichts verloren

Nun ist Altbier zur Bekämpfung von Dämonen als Stilmittel aus Horrorfilmen kaum bekannt. Doch selbst mit Weihwasser könnte man dem Abstiegsgespenst nichts anhaben. Folglich setzen auch die Bremer sehr pragmatisch auf einen von großer Laufbereitschaft geprägten Fußball. "101 Prozent Leidenschaft" lautet der kämpferische Slogan des Trainers Florian Kohfeldt. In den jüngsten beiden Spielen, einem 1:0-Sieg in Freiburg und einem 0:0 gegen Mönchengladbach, ließen sie keinen Gegentreffer zu und bekamen für ein einziges eigenes Törchen insgesamt vier Punkte gutgeschrieben. Mit einer solchen Effektivität gegen gestandene Bundesligisten hat man in der zweiten Liga nichts verloren.

Und sogar die tapferen Paderborner halten ihre Rettung noch für möglich. Bei noch 18 zu vergebenden Punkten brauche noch niemand die Phrase vom Wunder zu bemühen, sagt drohend der trotzige Trainer Baumgart. Er reiht sich damit überraschend forsch ein in die Abstiegskampfansage der Kellerkinder. Nicht nur, weil die Saison erstmals bis Ende Juni geht, scheint es durchaus möglich zu sein, dass die Absteiger aus der Bundesliga erst dann feststehen, wenn offiziell bereits der Sommer begonnen hat. Vielleicht werden dieses Jahr erst dann, wenn die Nächte am kürzesten sind, in der Bundesliga Albträume wahr.

© SZ vom 29.05.2020/sonn
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