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Bruno Labbadia im Interview:"Ich wollte zu schnell zu viel"

Der neue VfB-Trainer Bruno Labbadia über sein Image, seine veränderte Arbeitsweise nach seinen Entlassungen in Leverkusen und Hamburg und die Lektüre von Fußballbüchern am Strand.

SZ: Herr Labbadia, ist Ihnen Fredi Bobic eigentlich noch dankbar?

VfB Stuttgart v Odense Boldklub - UEFA Europa League

Stuttgarts Neuer: Bruno Labbadia tritt beim VfB seine dritte Trainerstation in der Bundesliga an.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Labbadia: Sie meinen wegen des Länderspieltores?

SZ: Genau.

Labbadia: Ob er dankbar ist, weiß ich nicht. Aber für ihn war das sicher eine große Sache: sein erstes Länderspieltor.

SZ: Das Sie ihm aufgelegt haben. Wussten Sie das überhaupt?

Labbadia: Nein, Fredi hat es mir jetzt gesagt. Ich kann mich jetzt auch wieder erinnern, es war ein Siegtor zum 2:1.

SZ: Es war ein Test-Länderspiel im August 1995, Bobic hat von Anfang an gespielt, Sie wurden in der 79. Minute für Marco Haber eingewechselt. Wissen Sie noch, wie Sie das Tor vorbereitet haben?

Labbadia: Oh, jetzt fragen Sie mich aber was. Fredi war wie ich ein Stürmer, der mit einem einzigen Kontakt Tore schießen konnte, und ich glaube, ich habe ihm den Ball irgendwie in den Lauf gelegt, und er hat dann direkt abgezogen.

SZ: Und beim Torjubel haben Sie verabredet, dass Bobic Sie 15 Jahre später als Trainer zum VfB holt, oder?

Labbadia: So eine schöne Geschichte kann ich leider nicht bieten. Interessant finde ich, dass eher das Gegenteil der Fall ist. Es gibt keine gemeinsame Geschichte zwischen mir und Fredi, es gab bis auf das Spiel in Belgien nie große Berührungspunkte. Wir waren nie beim selben Verein oder hatten sonst irgendwie Gelegenheit, uns näher kennenzulernen.

SZ: Seltsam eigentlich. Die Branche ist doch nicht so groß.

Labbadia: Ja, aber Stürmer sind fast immer Konkurrenten.

SZ: Was bedeutet das für einen Verein wie den VfB Stuttgart, wenn jetzt zwei Stürmer das Sagen haben?

Labbadia: Interessante Konstellation, das stimmt. Es bedeutet aber nicht, dass die Mannschaft nur nach vorne rennt und keiner verteidigt. Aber das Stürmerblut könnte dazu beigetragen haben, dass Fredi und ich uns auf Anhieb verstanden haben. Fredi ist mein primärer Ansprechpartner hier, wir tauschen uns permanent aus. Nach dem Europa- League-Spiel gegen Odense haben wir uns um Mitternacht noch zusammengesetzt und am Freitagfrüh schon wieder.

SZ: Zuletzt hieß es immer wieder, der VfB werde zu sehr von den Gremien dominiert. Wenn man Ihnen zuhört, bekommt man das Gefühl, dass die beiden Stürmer künftig sagen wollen, wo's lang geht.

Labbadia: Ich kann nur für mich sprechen, und für mich als Trainer ist Fredi die wichtigste Anlaufstelle im Verein. In erster Linie müssen wir beide die sportliche Entwicklung vorantreiben.

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