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Gladbach gegen Manchester City:Auf a Glasl Wein mit Guardiola

Borussia Mönchengladbach - Manchester City

Gladbachs Trainer Marco Rose (rechts) konnte mit seinem Team kaum etwas ausrichten gegen Pep Guardiola.

(Foto: Marton Monus/dpa)

Durch das 0:2 gegen ManCity ist Gladbach fast schon raus aus der Champions League. Trainer Rose sieht, wie chancenlos sein Team ist, erhält aber eine besondere Einladung.

Von Ulrich Hartmann

Nach Lage der Dinge ist Borussia Mönchengladbachs Teilnahme am Achtelfinale der Champions League immerhin noch dafür gut, dass Trainer Marco Rose am Dienstagabend, 16. März, zu später Stunde ein Glas Wein trinken darf - und zwar mit seinem prominenten Widersacher Pep Guardiola, von dem er sich dann vielleicht sogar ein Autogramm aufs Flaschenetikett kritzeln lässt. "Ich würde mit diesem guten Typen sehr gerne nett über ein paar Dinge plaudern", sagte Rose voller Vorfreude, "deshalb werde ich mir die Zeit dafür nehmen."

Guardiola hat Rose eingeladen für jenen Abend nach dem Rückspiel in Manchester. "Auf a Glasl Wein", soll der Spanier gesagt haben. Es wird aber in jener Nacht nach dem Rückspiel für Rose wohl nur noch darum gehen, mit dem Genuss eines würzigen Tempranillo das Ausscheiden aus der Königsklasse herunterzuspülen. Nach dem 0:2 im Hinspiel am Ausweichort Budapest ist es schwer vorstellbar, dass Gladbach das noch drehen kann. Taktisch perfekt und technisch kühl hat Manchester City am Mittwochabend sein 19. Pflichtspiel in Serie gewonnen. Rose hat dabei allerhand Stoff für Fachfragen erhalten, zum Beispiel: Wie kann man bloß so gut Fußball spielen lassen? Vielleicht wird Guardiola ja beim Rotwein redselig ...

Rose erkennt, wie begrenzt Gladbachs Mittel sind

Die Antwort auf diese Gretchenfrage könnte Rose allerdings ernüchtern, denn sie wurde Guardiola schon nach dem Spiel in Budapest gestellt. Grinsend hat er geantwortet: "Wir haben viel Geld, um viele unglaubliche Fußballer zu kaufen." Die Ironie war herauszuhören, auch wenn das ein großes Stück der Wahrheit war. Zumindest sollte auch Guardiolas City-Gehalt so hoch sein, dass er am 16.März einen feinen Tropfen kredenzt: "Ich gehe davon aus, dass Pep ein gutes Fläschchen bereitstellt", sagte Rose.

Während für seine tapferen Gladbacher in der Runde der letzten 16 Schluss sein dürfte, ist Rose in eine Art individuelles Halbfinale vorgedrungen. Denn als Guardiola, der drei Jahre Trainer in München war und noch nie mit Lob gegeizt hat ("Top-top-top-Spieler"), nach seiner Meinung zum künftigen Dortmunder Trainer gefragt wurde, sprach er vom "guten Zustand des deutschen Fußballs" - und hob explizit vier Trainer respektvoll hervor: "Klopp, Tuchel, Nagelsmann - und Rose." Letzterer wechselt auch zwecks Perspektiven im Sommer zum BVB. Und wer weiß: Vielleicht kann sich Rose ja irgendwann nach einem Viertel- oder Halbfinale mit Dortmund beim Kollegen Guardiola mit einem Glas Riesling revanchieren. Genug Geld haben sie in Dortmund auch, sogar für einige unglaublich gute Fußballer.

In Mönchengladbach hingegen sind die Mittel begrenzt, weshalb man die Teilnahme am Achtelfinale unbedingt als großen Erfolg werten muss. Gegen City ergaben sich nur zwei Torchancen: durch Alassane Plea per Hackentrick (63.) - und Hannes Wolf in der Nachspielzeit, mit dem einzigen Schuss, den Torwart Ederson parieren musste. City hingegen hätten mehr als die beiden Treffer durch Bernardo Silva (29.) und Gabriel Jesus (65.) erzielen können. Die Gladbacher haben sich über die Gegentore trotzdem geärgert, weil beide nach exakt jener Art von Flanken aus dem Halbfeld fielen, auf die sie sich gut vorbereitet glaubten.

Gladbach trifft nun auf Leipzig, dann auf den BVB, dann auf Leverkusen

Ein bisschen mutiger wollten sie spielen gegen den englischen Tabellenführer und Champions-League-Favoriten. Das klappte nicht wirklich, aber es darf auch niemand glauben, dass sich Rose und sein Team bereits geschlagen geben: "Wir schenken überhaupt nichts ab", sagte der Trainer streng, und er macht auch nicht den Eindruck, sich von Guardiola für das Rückspiel bestechen lassen zu wollen. So trocken, wie man Rotweine heutzutage trinkt, so trocken werden die Borussen ihre letzte Chance auf dem Rasen suchen.

Doch erst mal warten auf die derzeit labilen Borussen im nationalen Spielbetrieb die nächsten Schlüsselspiele: Am Samstagabend trifft Gladbach bei RB Leipzig auf einen der, laut Guardiola, anderen drei deutschen Top-Top-Top-Trainer - Julian Nagelsmann. Am Dienstag darauf muss Rose dann mit seinem Team im Pokal-Viertelfinale das pikante Duell mit seinen künftigen Dortmundern austragen. Anschlussgegner in der Liga ist Leverkusen, der nächste direkte Rivale. Es sind also erlebnisreiche letzte Wochen für Rose, 44, und wenn seine Spieler gegen Manchester auch nicht den erhofften Mut aufgebracht und nicht die erhofften tiefen Räume gefunden haben, so sagte er doch mit Nachdruck: "Fehlende Mentalität habe ich ihnen noch nie vorwerfen müssen."

Trotz der neuerlichen Enttäuschung betonte Kapitän Lars Stindl: "Wir haben noch große Ziele." In der Liga und im Pokal will Gladbach alles Erdenkliche dafür tun, um in der kommenden Saison auch ohne Rose wieder international zu spielen. In der Champions League haben die Borussen in dieser Saison ihre besten Leistungen gezeigt. Gegen City an Grenzen zu stoßen, ist völlig normal, aus solchen Spielen kann man nur lernen - oder einen Weinabend gewinnen.

© SZ/bek/moe/jkn
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