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Champions League:Ein zumeist surreales Schauspiel

Champions League - Round of 16 First Leg - Borussia Moenchengladbach v Manchester City

Gabriel Jesus (2.vl.) lässt sich nach seinem Treffer zum 2:0 feiern.

(Foto: BERNADETT SZABO/REUTERS)

Gladbach verliert das Achtelfinal-Hinspiel 0:2 gegen ein schnelles und unglaublich ballsicheres Manchester City. Die Guardiola-Elf demonstriert den State of the Art des modernen Fußballs.

Von Ulrich Hartmann

Manchester Citys Kapitän Raheem Sterling hatte zur Begrüßung nicht einmal einen Wimpel dabei. Er lächelte Lars Stindl im Mittelkreis geniert an, als Borussia Mönchengladbachs Kapitän ihm kurz vor dem Anpfiff einen Wimpel mit der Gladbacher Raute überreichte. In den darauffolgenden knapp zwei Stunden lächelte kein City-Spieler mehr geniert. Der Tabellenführer der Premier League demonstrierte dem Achten der Bundesliga den State of the Art des modernen Fußballs.

In der extra gladbachgrün beleuchteten Puskas-Arena zu Budapest verloren die Borussen vom Niederrhein ihr Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gegen Manchester City mit 0:2 (0:1). Und damit waren sie noch gut bedient. Die Partie war in die ungarische Hauptstadt verlegt worden, weil Manchester coronabedingt nicht nach Deutschland kommen durfte. Das "Heimspiel in Anführungszeichen" (Manager Max Eberl) hielt für die Fußballer vom Niederrhein keinerlei Heimvorteil parat, aber viel besser wäre es ihnen im heimischen Borussia-Park vermutlich auch nicht ergangen. Im fünften Jahr ist Pep Guardiola Trainer bei City. Nie hat es unter ihm in der Champions League auch nur fürs Halbfinale gereicht. Aber diesmal scheint der Klub reif für den Titel.

Manchesters Mannschaft ist eine zum Zungeschnalzen: Kevin de Bruyne, Sergio Agüero, John Stones, Benjamin Mendy und Fernandinho - aber die saßen am Mittwochabend alle bloß auf der Bank. Guardiola könnte seine Startelf blind mit Darts-Pfeilen auf Fotos an der Wand wählen und erhielte immer eine schlagkräftige Truppe. Im ersten Gruppenspiel dieser Champions-League-Saison hatten die Citizens gegen den FC Porto nach 14 Minuten ein Gegentor zum 0:1 kassiert, gewannen es noch 3:1 und ließen seither in sechs Spielen und insgesamt 10:16 Stunden in der europäischen Meisterklasse kein Gegentor mehr zu.

Die Gladbacher begegneten dieser Übermannschaft mit jenem 4-3-3, mit dem sie Anfang des Jahres in der Bundesliga den FC Bayern 3:2 besiegt hatten. Hinten stand die reguläre Viererkette mit drei Sechsern davor: Denis Zakaria, Christoph Kramer und Florian Neuhaus. Diese Formation legte es auf Konter in den Rücken der Abwehr an, wie sie den Borussen bei den Unentschieden in der Gruppe gegen Inter Mailand und Real Madrid gelungen waren. Mit fünf Treffern und drei Vorlagen hatte sich Alassane Plea sowie mit zwei Treffern und vier Vorlagen auch Marcus Thuram sogar in die Spitze der Champions-League-Topscorer vorgemogelt.

"German Style", nannte Guardiola vor dem Spiel den Gladbacher Fußball, aber im Wirbel der schnellen und dabei so unglaublich ballsicheren Citizens sah das eher ein bisschen aus wie Gangnam-Style - ein Tanz ohne Körperkontakt. Und dafür konnten die tapferen Borussen nicht mal etwas. Bei Manchester läuft der Ball wie auf Schienen. Seit Ende November haben sie keines von 26 Pflichtspielen mehr verloren, feierten nun ihren 19. Sieg in Serie. "Es ist eingerastet bei uns", sagt Citys deutscher Nationalspieler Ilkay Gündogan über Guardiolas System.

City spielt kaltblütig

Nach einer Viertelstunde konnten die Gladbacher erstmals grob andeuten, dass sie auch gefährlich in den Rücken der City-Abwehr spielen können. Doch danach dauerte es nicht mehr lange, ehe Bernardo Silva in der 29. Minute per Kopf das 1:0 für Manchester erzielte. Christoph Kramer hatte einen Fehlpass auf jenen Joao Cancelo gespielt, der dann auf Silva flankte und diesen zielgenau in Matthias Ginters Rücken antraf. Es war eine erste Halbzeit ohne großes Spektakel. City spielt kaltblütig. Eine nette Geste wie die Übergabe eines Wimpels erscheint ihnen wie überflüssiger Pathos.

Es war zumeist ein surreales Schauspiel, wie eine Gladbacher Mannschaft, die in der Bundesliga so viele Spiele dominiert, gegen Manchester kaum einmal nachhaltig an einen Ball kommt. Sie profitierten allenfalls davon, dass die Engländer vor dem Tor sogar recht uneffektiv agierten. Gabriel Jesus versäumte in der 54. Minute das frühere zweite Tor. Kurzfristig wurden die Gladbacher mutiger. Nach einer guten Stunde hatte Plea per Hackentrick nach Zakaria-Flanke die erste Chance. Der Ball ging knapp vorbei.

Im Gegenzug machte Manchester mit dem 2:0 (65.) alles klar: Gabriel Jesus drückte eine Kopfballvorlage von Bernardo Silva aus kürzester Distanz über die Linie. Um nun mit dem Mute der Verzweiflung noch einmal aufzubegehren, fehlten den Borussen weiter die Mittel, kurz vor dem Abpfiff vergab der eingewechselte Hannes Wolf die zweite Chance seiner Mannschaft. Eigentlich gut, wenn man von so einem Spiel keinen Erinnerungswimpel mit heimbringt.

© SZ
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