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Tennis-Akademie von Boris Becker:Fragen zur Insolvenz? "Fehl am Platz"

  • Boris Becker beschäftigt sein Insolvenzfall - doch gleichzeitig eröffnet er eine Tennis-Akademie in Wiesbaden.
  • Unabhängig von den Auflagen kann Becker immerhin auf eine Restschuldbefreiung hoffen, wie er selbst findet.

Boris Becker kommt auf Krücken. Das Außenband ist kürzlich operiert worden, eine Folge seiner intensiven Tenniskarriere. Die Fäden kommen an diesem Freitag in München weg, bald soll die Sache ausgestanden sein. Aber am Donnerstagmittag humpelt Becker noch durch die Räumlichkeiten eines Wiesbadener Oldtimer-Museums und setzt sich gut gelaunt auf ein Podium.

Boris Becker, inzwischen 51, ist der Mann, an den es gerade so viele Fragen gibt - wegen seines Insolvenzfalles, der aufgrund einer aktuellen Mitteilung der britischen Behörde wohl viel länger ein Thema bleibt als gedacht. Aber in Wiesbaden möchte er über etwas anderes reden: über eine nach ihm benannte Tennis-Akademie im nahen hessischen Städtchen Hochheim, die er gerade anschiebt.

Boris Becker

Neues Duo in der Tenniswelt: Investor Khaled Ezzedine (links) und Boris Becker, die ehemalige Nr. 1 der Weltrangliste, in Wiesbaden.

(Foto: Boris Roessler/dpa)

Becker tut das mit dem Unternehmer Khaled Ezzedine, dem nicht nur viele Immobilien gehören, sondern auch so viele Oldtimer, dass er dafür ein Museum errichtet hat. In dem sitzen die beiden jetzt und preisen zwischen lauter Luxuskarossen ihr Projekt mit den imponierenden Kerndaten an. 20 Millionen Euro sollen investiert werden, fast fünf Hektar die Grundfläche betragen, 18 Außen- und 21 Hallenplätze entstehen, mit Platz für circa 270 Kinder und Jugendliche. Einsteigen können Kinder ab der 6. Klasse, sie können das Abitur an der Akademie machen. Die Kosten: etwa 50 000 Euro im Jahr. Ezzedine ist der Investor, Becker der Namensgeber und Schirmherr, spätestens im Frühjahr 2021 soll es losgehen. Becker hat schon mal einer Tennis-Akademie seinen Namen überlassen, in Shenzhen in China war das, aber diesmal will er sich wohl intensiver einbringen. "Wo Boris Becker draufsteht, muss auch Boris Becker drin sein", so sagt er das.

Becker blockt Frage zum Insolvenzverfahren ab

Es ist ohnehin ein ambitioniertes Projekt, weil es für Tennis-Akademien nicht leicht ist, schwarze Zahlen zu schreiben - und weil manch einer in der Branche einen Interessenkonflikt heraufziehen sieht: Becker hat ja auch noch einen ehrenamtlichen Führungsjob beim Deutschen Tennis-Bund, als Head of Men's Tennis. Sein neues Engagement ist auch deswegen so besonders, weil es in einem anderen Bereich seines Lebens weiter ziemlich knirscht. Wirtschaftliche Auskünfte gebe er heute nicht, sagt Becker am Donnerstag. Und bei einer konkreten Frage zum Insolvenzverfahren teilt er mit, diese sei hier "fehl am Platz".

"Fehl am Platz"? Das kann man allerdings auch anders sehen.

Beckers Image litt zuletzt mal wieder. Sein Insolvenzfall, der im Sommer 2017 begann, entwickelt sich mittlerweile zu einer Geschichte ohne Ende. Vielmehr: Ein Ende ist in Sicht, aber nicht so, wie es nach britischem Recht in der Regel aussieht. Nach einem Jahr wird auf der Insel ein Schuldenschnitt gemacht, der Schuldner ist die Schulden los, die Akte geschlossen. In Deutschland dauert das Verfahren sechs Jahre. Da Becker in London lebte und lebt, wurde dort das Verfahren eröffnet. Ausgelöst durch eine Bank, die von Becker die Rückzahlung eines Millionenkredits verlangte, samt horrenden Zinsen, wurde mehr und mehr bekannt, wie viele noch von dem früheren dreimaligen Wimbledonsieger Geld wollten. Am Ende meldeten mehr als ein Dutzend Gläubiger Forderungen in Höhe von rund 61 Millionen Euro an. Becker zweifelte die Rechtmäßigkeit diverser Posten an und wehrte sich während des Insolvenzverfahrens, das am 21. Juni 2017 eröffnet wurde. Am 21. Juni 2018 hätte er theoretisch wieder unabhängig sein können. Aber die Behörde stieß immer wieder auf ungeklärte Fragen.

Monatelang stritt sie mit Becker um dessen Pokale (und andere persönliche Gegenstände), die versteigert werden sollten, um den Gläubigern etwas zurückzuführen. Im Juni fand die Versteigerung doch statt. 765 000 Euro kamen dabei zusammen.