Begriffe der Bundesliga-Saison:A wie Alibi-Käse, P wie Phantomtor

Lesezeit: 8 min

Bayern Muenchen v 1. FC Kaiserslautern - DFB Cup

In allen Sprachen die gleiche Message: Pep Guardiola erklärt seine Spielidee - häufig geht es um "Ballbesitz". Und um viele andere Dinge.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Was bleibt von der Saison 2013/2014 in Erinnerung? Ein Trainer, der in allen erdenklichen Sprachen über seine Idee des Fußballs philosophiert. Ein Klub, der liebend gerne ein "Pissverein" ist und ein Österreicher, der alle "deppert" macht. Die prägenden Vokabeln dieser Bundesliga-Spielzeit.

Von der SZ.de-Sportredaktion

Jetzt macht sie also Pause, die alte Tante Bundesliga. Sie hat ihren Anhängern wieder einmal ein ereignisreiches Jahr geschenkt. In München mussten sie einen Katalanen von Weltruf in die Bayern-Welt integrieren. Das klappte vortrefflich: Am Ende trug Pep Guardiola sogar eine Krachlederne und erzählte was von "Mia san mia". Anderswo herrschte großer Ärger über Schiedsrichter, Kollegen oder kritische Medienmenschen. Es gibt halt immer was zu berichten über diesen lustigen Betrieb, der sein ganz eigenes Sprach-Umfeld geschaffen hat.

Die abgelaufene Spielzeit brachte die wunderbarsten Begrifflichkeiten und Statements zu Tage, schließlich mussten die Protagonisten der Bundesliga oftmals den Erklärbär geben. Warum hat dies oder jenes nicht geklappt? Wer war diesmal Schuld? Was tun gegen den lange Zeit erdrückenden Pepismus der Bayern? Und dann diese ganzen Krisen, Ängste und Debatten! Das Schöne ist doch, dass solche Fragen mitunter wunderbare Antworten hervorrufen. Wir haben gesucht, gesammelt und interpretiert - herausgekommen ist ein Sammelsurium an vielsagenden Ausdrücken, die diese Saison geprägt haben.

  • Alibi-Käse: Auf dem Münchner Oktoberfest verkaufen die Wirtsbudenbesitzer Semmeln mit Lachsersatz. Ob sie im kommenden Herbst auch Brötchen mit Alibi-Käse einführen? In einer seiner zahlreichen Mahn-Ansprachen erfand Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer dieses Nahrungsmittel. "Alles Alibi-Käse!", zeterte er nach einem 2:0-Erfolg gegen Hannover 96. Die Ausreden und Entschuldigungen seiner Spieler für den lahmen Kick, er hatte sie einfach satt.
  • Ballbesitz: Der Fußballtrainer Pep Guardiola denkt angeblich 20 Stunden am Tag an Fußball. Welche Art von Spielerei ihm dabei vorschwebt, erklärte der Katalane aufmerksamen Zuhörern in allen erdenklichen Sprachen. Er sagte: "Ich liebe Ballbesitz." Aber er sagte auch: "Me gusta tener el balon." Und als ein Italiener ihn fragte, hieß es: "Mi piace giocare a pallone." Und auf Englisch? Na klar, auch da musste er sich erklären: "I like having the ball all the time." Wer Guardiola diese Saison in verschiedene Länder begleitete, hat verstanden. Bei ihm gilt: Koan Ballverlust.​
  • Bundesliga-Dino: Ein "Bundesliga-Dino" steigt nicht ab. Es gibt ja nur noch einen. Also darf, nein kann dieses Ereignis gar nicht eintreten. So ähnlich klangen die Hamburger Mutmachversuche, seit sich der Klub im Abstiegskampf quälte. Sollte der HSV wirklich absteigen, gibt es entsprechend einige offene Fragen zu beantworten: Wird das Wort "Bundesliga-Dino" einfach aus den Fußballlexika gestrichen, wenn der HSV absteigt? Und bleibt die Uhr, die sekundengenau die Bundesliga-Zugehörigkeit des HSV misst, einfach stehen? Die Entscheidung ist vertagt, der HSV muss in die Relegation. Der "Bundesliga-Dino" erhält seine letzte Chance.
  • Deppert: Österreichs "Sportler des Jahres" zu sein ist schon etwas Besonderes für einen Fußballer. Nicht unbedingt wegen der Konkurrenz aus dem eigenen Sport, sondern wegen jener aus dem österreichischen Wintersportlager. David Alaba hat es dennoch 2013 zu dieser Ehre gebracht, er gewann in der Abstimmung noch vor super-super-super Skifahrer Marcel Hirscher. Bei einer Liveschalte aus München nach Wien überreichte ihm Franck Ribéry die Trophäe und durfte mit französischem Akzent noch sein Wienerisch zum Besten geben, das ihm Alaba beigebracht hat: "Bist du deppert". Das hat er sich dann wohl auch bei der Wahl zum Weltfußballer gedacht, als er Gewinner Ronaldo beim Freudeschluchzen zuschauen durfte.
  • Hass: Uli Hoeneß liebt deftiges Essen ebenso wie deftige Worte. Weil er für beides im Gefängnis nicht mehr oft die Gelegenheit bekommt, nutzte er seinen letzten Auftritt vor der Bayern-Familie für eine tosende Anklagerede. Er selbst sei ein Opfer, die Medien hätten ihn "frevelhaft" behandelt und überhaupt habe er in letzter Zeit "Hass kennengelernt". Es war ein feuriger Auftritt, den der verurteilte Steuersünder bei der Mitgliederversammlung des FCB hinlegte. Er zeigte, wie sehr sich die öffentliche Wahrnehmung von jener der Bayern unterscheidet. "Hass ist kein guter Wegbegleiter", sagte Hoeneß noch. Hoffentlich wird er ihn in den kommenden Monaten los.
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema