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Beckham-Debüt in Paris:Mit der Strahlkraft des Unterwäschemodells

David Beckham Paris Saint-Germain

Kurz nur hatte David Beckham bei seinem Debüt für PSG gespielt. Gefilmt wurde er dennoch 90 Minuten lang.

(Foto: AFP)

Die Ankunft David Beckhams bei Paris Saint-Germain hat Frankreichs Fußball verändert. Das Fernsehen erfindet die "Beck'Cam", er dient als Werbefigur für die Geldgeber aus Katar. Deren wilde Investitionen haben mit dem finanziellem Fairplay der Uefa wenig zu tun.

Man wird sich noch lange an diese Viertelstunde erinnern, an dieses kurze Debüt eines 37-jährigen Engländers mit dem Prädikat eines alternden Weltstars, das den Fußballverein Paris Saint-Germain "in eine andere Dimension" katapultierte, wie die Zeitung Le Parisien schreibt. Nicht sportlich. Nein, sportlich war das Auftaktspiel von David Beckham gegen Olympique Marseille im Pariser Prinzenpark fade Kost: Ligue 1 eben, Frankreichs höchste Liga, Provinz im Weltfußball, mehr Brasserie als Bocuse.

Am Ende gewann Tabellenführer PSG eher unverdient 2:0. Doch Le Parisien sieht es schon richtig: Die Ankunft David Beckhams hat Frankreichs Fußball verändert, ja vielleicht sogar Europas Fußball insgesamt. Und es ist längst nicht sicher, ob diese Veränderung aus 1001 Nacht, dieser jüngste Coup aus Katar, wo die neuen Besitzer des PSG sitzen, auch eine gute Sache ist. Bei aller Unterhaltung.

Für das Spiel hatte der Bezahlsender Canal Plus eine Kamera allein auf Beckham gerichtet, die "Beck'Cam". Sie begleitete ihn vom Mannschaftsbus zur Umkleide, dann weiter zur Ersatzbank, später auf die Ehrenrunde. Manchmal schwenkte die Kamera hoch zur VIP-Tribüne, wo Frau Victoria ganz in der Nähe von Nicolas Sarkozy saß, dem früheren Staatspräsidenten.

Während die Nummer 32 noch auf der Bank harrte, näherte sich mal ein Fernsehreporter und fragte Beckham in ausbaufähigem Englisch: "How do feel this match, David?" Es ist nicht überliefert, wie Mannschaftskollege Zlatan Ibrahimovic, der das Scheinwerferlicht nur ungern mit anderen teilt, Beckhams Sonderbehandlung erlebte. Er verließ den Platz nach dem Schlusspfiff schnell und wortlos, den Blick zu Boden gerichtet. Andererseits, dem Masterplan können Ibrahimovics Gemütsschwankungen wohl nicht viel anhaben.

Katar ist ein kleiner Golfstaat mit viel Geld und der fixen Idee für eine Zukunft ohne Öl und Gas: Man investiert in Softpower, in berühmte Marken, in den Sport. Aus dem kleinen Punkt auf der Landkarte, bedrängt von den Großmächten Iran und Saudi-Arabien, soll eine globale Drehscheibe für Sport und Medien werden. Koste es, was es wolle. Die Austragung der Fußball-WM 2022 bildet wohl den vorläufigen Höhepunkt der Strategie. Auch dafür tat man alles, vielleicht mehr, als erlaubt wäre.

Vor anderthalb Jahren kaufte Katar den PSG - als Vitrine seiner Ambitionen. Der Verein der Hauptstadt war billig zu haben. Er hatte Schulden, war eher unbeliebt im Land und seit Jahren erfolglos: Den französischen Fußball beherrschten die Vereine aus Lyon, Marseille, Bordeaux, mitunter gar aus Lille und Montpellier. Die Zeit war günstig. In Paris regierte Sarkozy, ein Fan des PSG und Freund des Emirs von Katar. Man redete, man half sich. So kam es, dass der Staatsfonds Qatar Sports Investments (QSI) die Aktienmehrheit und die Schulden übernahm. Für weniger als 50 Millionen Euro. Ein Schnäppchen. In Paris!

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