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FC Bayern im DFB-Pokal:Mit kritischen Worten nach Berlin

FC Bayern Muenchen v Eintracht Frankfurt - DFB Cup

Robert Lewandowski tat das, was er immer macht: Er traf auch gegen Frankfurt im DFB-Pokal.

(Foto: Kai Pfaffenbach/Pool via Getty I)

Den Bayern geht nach stressigen Wochen ein wenig die Kraft aus, doch der Finaleinzug im Pokal gelingt trotz mancher Schwäche gegen Frankfurt. Trainer Flick muss nun Unwuchten managen.

Man wusste bereits, dass der FC Bayern in diesen Tagen, in denen man ihm so gut bei der Arbeit zuhören kann, oft einen Wiener Dialekt hat, aber die Wortwahl war neu. David Alaba, der Münchner Abwehrchef aus Österreich, hat seine Kollegen in den vergangenen Wochen ständig gecoacht, angeleitet und oft gelobt. Doch nun musste er, wenn man ihn richtig verstand, sie plötzlich dazu ermahnen, "positiver" miteinander umzugehen. So etwas schreien sich Fußballer auf Fußballplätzen für gewöhnlich dann zu, wenn die gute Stimmung im Spiel zu kippen droht.

Der FC Bayern könnte schon an diesem Samstag nach der Partie bei Borussia Mönchengladbach, also nach dem 31. Bundesliga-Spieltag, zum 30. Mal deutscher Meister sein, zum achten Mal in Serie. Und die Bayern könnten am 4. Juli zum 20. Mal den DFB-Pokal gewinnen, im Finale gegen Bayer Leverkusen. Was vom 2:1 (1:0) im Halbfinale gegen Eintracht Frankfurt am Mittwochabend in Erinnerung bleiben dürfte, ist allerdings nicht einfach nur der Ausbau der makellosen Münchner Bilanz seit dem Neustart der Saison, der sechste Sieg im sechsten Geisterspiel und gar der 20. Erfolg im 21. Pflichtspiel in Serie. Eindrücklicher war eher, wie diese makellose Bilanz auf einmal in Gefahr geriet.

"Summa summarum war es mit eines der pomadigsten Halbfinals, die ich in Erinnerung habe", sagte Angreifer Thomas Müller, was nicht nur aufgrund des Ausflugs ins Lateinische, sondern auch wegen der deutlichen Selbstkritik bemerkenswert war. In der ersten Halbzeit hatte der Favorit zwar noch nicht träge gespielt, sondern sich Chance um Chance herauskombiniert und eine durch Ivan Perisic zum 1:0 verwertet. In der zweiten Hälfte aber hatten sich die immer müder werdenden Münchner dann von offensiveren Frankfurtern in die Defensive drängen lassen. "Unser Pressing konnte heute über weite Strecken so nicht genannt werden", sagte Müller, "unsauber" hätte die Mannschaft gespielt, "wie wir es nicht gewohnt sind".

Trainer Hansi Flick wollte nicht so kritisch sein: "Die zweite Halbzeit war nicht ganz so gut, da haben wir uns auch nicht geschickt angestellt", sagte er, betonte aber seine Zufriedenheit mit der Gesamtsituation: "Ich muss meiner Mannschaft einfach ein Riesenlob aussprechen, weil sie in diesem Jahr 2020 hervorragend performt."

Es war der Kern von Flicks Stammmannschaft der vergangenen Wochen, der das Spiel fünf Minuten nach dem zwischenzeitlichen Frankfurter Ausgleich durch Danny da Costa (69.) mit einem wütenden Angriff entschied: Leon Goretzka fand Alphonso Davies, dessen Hereingabe leitete der in die Spitze mitaufgerückte Joshua Kimmich zu Robert Lewandowski weiter, und der grätschte den Ball ins Tor. Es war kein Zufall, dass es so aussah, als hätte die Kraft der Protagonisten am Mittwochabend gerade noch für diese eine Antwort gereicht. "Nach dem 1:1 haben wir noch mal das Extragas rausgeholt", sagte Müller.

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