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Wechsel zu den Lakers:Illustre Möglichkeiten für Dennis Schröder

Basketball Shanghai 09.09.2019 FIBA Basketball Weltmeisterschaften World Cup WM Weltmeisterschaft Deutschland (GER) - K

Im Trikot der deutschen Nationalmannschaft zu Olympia: Das ist ein großer Traum von Dennis Schröder. Doch kann er sich erfüllen?

(Foto: imago images/Camera 4)

Der deutsche Nationalspieler trifft in LA auf LeBron James und hat plötzlich die Chance auf den NBA-Titel - doch der Wechsel dürfte ihn auch vor ein Dilemma stellen.

Von Jonas Beckenkamp

Um einzuordnen, was sich Mittwochnacht in der NBA vollzogen hat, braucht es einen speziellen Vergleich. Dennis Schröder unterschrieb bei den Los Angeles Lakers - und macht mit diesem Wechsel nicht nur den nächsten Karriereschritt. Er kann nun auch realistisch die Meisterschaft gewinnen, was nur einem deutschen Basketballer gelang: Dirk Nowitzki. Schröder, 27, mag kein Anführertyp sein, wie es der Würzburger bei den Dallas Mavericks war. Aber er spielt nun mit LeBron James im Team. Das allein beschert ihm derart illustre Möglichkeiten, wie sie nur wenige haben.

Angebahnt hatte sich das Tauschgeschäft um den Braunschweiger zu Beginn dieser Woche, als bekannt wurde, dass der NBA-Champion den Deutschen als neuen Aufbauspieler verpflichten wolle. Auch das ist ja durchaus erstaunlich: Die Lakers holen Schröder nicht als Handtuchwedler auf der Bank, sondern als hauptamtlichen Antreiber. Er soll künftig die Showtime ins Rollen bringen, seine Geschwindigkeit könnte ihm dabei wesentlich helfen.

Der Traditionsklub verkündete den Transfervollzug während der NBA-Draft-Nacht. "Willkommen in Los Angeles, Dennis Schröder", schrieben die Lakers bei Twitter und posteten ein Foto von ihm. Er ist jetzt ein Gelber, ein Auserwählter - und gleichzeitig ein bestens betuchter Basketballer, schließlich garantiert man ihm fürs kommende Jahr angeblich ein Gehalt von 15 Millionen Dollar. Es heißt, die Lakers wollen ihn darüber hinaus behalten.

Um sich den Nationalspieler leisten zu können, muss der Titelverteidiger an anderer Stelle abspecken. Sie gaben dafür Dreierspezialist Danny Green und den 28. Pick im Draft 2021 ab. Ein smartes Manöver von Manager Rob Pelinka, denn Green ist bereits 33 Jahre alt, zudem bringt Schröder mittlerweile einen verbesserten Dreipunktewurf mit. Kurios an dem Trade ist, dass die Lakers sich dem Vernehmen nach bereits vor der vergangenen Saison für den Deutschen interessiert hatten, während Schröder selbst dem Klub erst kürzlich abgesagt hatte. Bei ihm schien es vielmehr so zu sein, als wolle er seinen bisherigen Klub Oklahoma City Thunder gar nicht verlassen, nachdem er 2018 aus Atlanta dorthin gewechselt war. Aber was ein Profi sich wünscht, spielt in der NBA mitunter keine Rolle. Wer nicht gerade eine Legende seines Vereins ist, wie es Nowitzki war, hat bei Trades oft gar nichts mitzureden. Er "habe Angebote bekommen", hatte Schröder erst vor wenigen Tagen im Podcast "Abteilung Basketball" von Magenta Sport zu Anfragen aus der Vergangenheit mitgeteilt. "Aber ich wollte nie zu den Lakers, zu den Clippers oder zu den ganzen Namen, die meinen Agenten angerufen haben."

Für den DBB ist Schröders Lakers-Wechsel nur mäßig erfreulich

Schröder, der in Oklahoma im Sommer zum zweiten Mal Vater wurde und als zweitbester Einwechselspieler der Saison ausgezeichnet wurde, sollte der plötzliche Umzug trotzdem recht sein. Es kann schlimmer kommen, als mit LeBron James zu spielen und damit fast automatisch Chancen aufs NBA-Halbfinale zu haben. Mindestens. Denn die Lakers sind mit Schröder im Grunde noch stärker, als sie es vergangenes Jahr schon waren. So sieht es etwa der deutsche Bundestrainer Hendrik Rödl: "Wenn er auch nur annähernd an seine starken Leistungen aus der vergangenen Saison anknüpft, wird er auch den Lakers sehr weiterhelfen", sagte Schröders Coach und Förderer im Nationalteam der Agentur dpa. "Die Lakers sind auf jeden Fall eine tolle Sache für ihn. Jetzt beim NBA-Champion zu spielen, ist eine großartige Chance", findet Rödl, der selbst in den USA die College-Meisterschaft gewann.

Für den DBB ist Schröders Lakers-Wechsel indes nur mäßig erfreulich, die Gefahr dürfte groß sein, dass man im kommenden Sommer bei der Olympia-Qualifikation in Kroatien ohne ihn auskommen muss. Die NBA-Playoffs beginnen Ende Mai und dauern bis weit in den Juli hinein. Sollten die Lakers weit vorstoßen, droht eine Terminkollision. Dann ist für die Quali-Spiele Ende Juni ein anderer Anführer im Nationalteam nötig. Denn auch in diesem Fall hat der Verein das letzte Wort - ungeachtet von Schröders ebenfalls im Podcast geäußerten Olympia-Träumen: "Es gibt keine größere Trophäe oder größeres Turnier als Olympia. Da würde ich mich schon für Olympia entscheiden", erklärte er noch vor einer Woche. Ein Dilemma also, aber immerhin ähnelt seine Sicht der von Nowitzki. Auch er bezeichnete stets seine Teilnahme an den Spielen 2008 als größtes Erlebnis - noch größer als den Gewinn des NBA-Titels 2011.

© SZ vom 20.11.2020/tbr
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