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Wechsel von Schröder zu den Lakers:Er möchte da spielen, wo er sich wohlfühlt

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Für viele Basketballer sind die Los Angeles Lakers ein Traumziel - Dennis Schröder wäre lieber nach Milwaukee gewechselt.

(Foto: imago images/spfimages)

Los Angeles hat den Ruf als gelobtes Land, doch Dennis Schröder wäre lieber nach Milwaukee oder Miami gegangen. Er erinnert daran: Es geht nicht immer um die meisten Titel und Showtime.

Kommentar von Jürgen Schmieder

Sie sind richtig froh bei den Los Angeles Lakers, dass sie Dennis Schröder bekommen haben. Manager Rob Pelinka sagte, dass sie den deutschen Aufbauspieler unbedingt ins Team holen wollten, schon seit einiger Zeit. Umso erstaunlicher ist es, dass die Lakers das Tauschgeschäft mit den Oklahoma City Thunder erst am Mittwoch offiziell verkündeten, obwohl es längst beschlossene Sache war. Offenbar, so war aus dem Umfeld von Schröder zu hören, hatte es Verhandlungen gegeben, ob man ihn nicht weiterschicken könne zu Miami Heat oder den Milwaukee Bucks. Die Lakers jedoch wollten Schröder, unbedingt, und wegen der NBA-Regeln muss er dorthin.

Moment mal: Wie kann das sein, dass jemand nicht zu den Lakers will? Dieser Klub mit 17 Titeln steht wie kaum ein anderer für Erfolg, aber auch für die Schnittstelle von Sport und Spektakel. Los Angeles hat ohnehin den Ruf als Gelobtes Land für Profisportler. Der 2013 verstorbene Eigentümer Jerry Buss gilt als Erfinder des modernen Sports, er ließ während Auszeiten leicht bekleidete Frauen übers Parkett hüpfen, schenkte Hollywoodstars Tickets am Spielfeldrand, für Reiche gab es VIP-Logen und Partys mit den Spielern nach den Partien. Showtime eben.

Im Jahr 1979 holte er Earvin "Magic" Johnson, er stellte ihn an die Seite des schwarzen Basketball-Philosophen Kareem-Abdul Jabbar. Das war ein Zeichen gegen Rassismus, denn es ging bei der Rivalität zwischen den Lakers und den Boston Celtics nicht nur um Ost- gegen Westküste. Bill Russell, der mit den Celtics elf Titel gewann, wurde rassistisch beleidigt, von den Fans in Boston, die sogar sein Haus besudelten. Die Lakers stehen für Offenheit und Toleranz, auch heute noch. Der Klub gehört nun Tochter Jeanie, deren Twitter-Profilbild noch immer das Foto ist, das 1995 im Playboy zu sehen gewesen ist. Showtime.

So paradox es klingt: Los Angeles bietet Stars auch Anonymität

Mit dieser Strahlkraft locken die Lakers Akteure nach Los Angeles; sie können wegen der Regeln nicht, wie im europäischen Fußball üblich, einfach mit Geld um sich werfen. Shaquille O'Neal kam 1996, weil er seine Karriere als Entertainer und Werbefigur fördern wollte. LeBron James wechselte 2018, um ein Medienimperium zu erschaffen, das Minderheiten fördern soll. So paradox es klingt: Die Metropole bietet Stars auch Anonymität. Der deutsche Eishockeyspieler Christian Ehrhoff sagte einmal, dass er in Buffalo kaum vor die Tür gehen konnte. In L. A. war er einer von Tausenden Promis.

Warum also war Schröder nicht besonders interessiert an einem Wechsel zu den Lakers, bei denen er als Stammspieler um den Titel kämpfen wird?

Es wird von Profisportlern verlangt, dass sie das Maximale aus ihren Fähigkeiten machen sollen. Sie sollen Titel und hochdotierte Verträge jagen. Warum aber bezeichnet Scottie Pippen in der Doku-Serie "The Last Dance" über die Chicago Bulls nicht eine der sechs Meisterschaftsspielzeiten als glücklichste Zeit seiner Laufbahn, sondern das Jahr, in dem Tyrann Michael Jordan pausierte? Es dreht sich im Leben nicht immer darum, beim glanzvollsten Klub zu spielen, die meisten Titel zu gewinnen, es geht nicht immer um Showtime. Vielleicht ist es ganz gut, dass Schröder daran erinnert. Er möchte da spielen, wo er sich wohlfühlt.

Er wollte nach Milwaukee zu seinem ersten NBA-Trainer Mike Budenholzer oder nach Miami, wo sie um Jimmy Butler ein hungriges Team aufbauen. An beiden Orten hätte er genauso viel verdient wie in Los Angeles, 15,5 Millionen Dollar, und bei beiden Teams hätte er um den Titel gespielt. Nach Ablauf des Vertrags im Sommer kann er wechseln, wohin immer er möchte. Es sieht derzeit eher so aus, als müssten die legendären Lakers beweisen, dass L. A. doch das Gelobte Land für Schröder sein kann.

© SZ vom 21.11.2020
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