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MHP Riesen Ludwigsburg:Basketballer, die über sich hinauswachsen

Basketball easyCredit BBL Final-Turnier Basketball München 23.06.2020 Saison 2019 / 2020 easyCredit BBL Final-Turnier 20

Überragender Mann: Dank des nur 1,88 Meter großen Marcos Knight (rechts) befinden sich Ludwigsburgs Riesen derzeit auf einem Höhenflug.

(Foto: Imago/BBL-Foto)

Trainer John Patrick hat die Bayern besiegt und Ludwigsburg erstmals ins Meisterschafts-Finale geführt - mit einer Spielweise, die alle Gegner fürchten.

Von Joachim Mölter

Ein feines, kaum wahrnehmbares Lächeln umspielte am Dienstagabend die Lippen des Basketballtrainers John Patrick, er strahlte die Zufriedenheit eines Mannes aus, der mehr geschafft hat, als man ihm zugetraut hatte; viel, viel mehr sogar. Durch das 94:85 über Ratiopharm Ulm haben die von Patrick gecoachten MHP Riesen Ludwigsburg zum ersten Mal das Finale um die deutsche Basketball-Meisterschaft erreicht; am Freitag (20.30 Uhr) und Sonntag (15 Uhr) treffen sie auf die Mannschaft von Alba Berlin, die am Mittwochabend EWE Oldenburg mit 81:59 besiegte. "Ich bin sehr stolz auf meine Mannschaft", sagte Patrick ruhig: "Wir haben kein einfaches Spiel gehabt in diesem Turnier."

Tatsächlich hatten die Ludwigsburger den mühsamsten Weg zurücklegen müssen bei dem wegen der Corona-Pandemie kurzfristig organisierten Finalturnier der Basketball-Bundesliga (BBL). Bis auf das 103:74 über Bamberg in der Vorrunde gab es für die Riesen nur enge Spiele mit einem, drei, vier, fünf, acht Punkten Differenz. Nach der Partie um den Gruppensieg mit Pokalsieger Alba Berlin (89:97), musste Ludwigsburg im Viertelfinale den Titelverteidiger Bayern München aus dem Weg räumen (87:83 und 73:74) und danach im Halbfinale die zuvor unbesiegten Ulmer, die Besten der Vorrunde. "Es waren hart umkämpfte 80 Minuten", resümierte Patrick nach dem 71:71 im Hinspiel und dem erst im Schlussviertel bewerkstelligten Sieg im Rückspiel.

Überraschend ist Ludwigsburgs Finaleinzug trotzdem nicht, die Riesen waren ja Tabellenzweiter, als die Hauptrunde im März abgebrochen wurde, und sie hatten bis dahin schon den FC Bayern (81:74) sowie Berlin (81:77) besiegt und Ulm sogar zweimal (106:75 und 94:76). Insofern spricht das knappe Halbfinale auch für Ulms Leistung beim Finalturnier.

Den Ulmern fehlte "ein bisschen der Killerinstinkt"

Das weitgehend runderneuerte Team von Trainer-Neuling Jaka Lakovic, 40, war nach holprigem Saisonstart nur Zehnter gewesen und hatte dann in München genau wie Ludwigsburg drei Leistungsträger ersetzen müssen. Dafür harmonierten die Ulmer plötzlich erstaunlich gut. Die Verantwortung wurde nun auf alle verteilt, der Ball lief wie am Schnürchen, das Angriffsspiel war eine Augenweide. "Es hat richtig viel Spaß gemacht", resümierte Thomas Klepeisz trotz des Halbfinal-Aus beim TV-Sender Magentasport: "Ich bin sehr froh, dass ich dabei sein durfte."

Auch Teamsenior Per Günther, 32, geriet ins Schwärmen und sprach von Dankbarkeit, "noch mal 'ne coole Erfahrung gemacht zu haben". Die Mannschaft habe "so selbstlos, so miteinander" gespielt und quasi "aus dem Nichts funktioniert". Bloß in entscheidenden Phasen des Halbfinales habe "ein bisschen der Killerinstinkt gefehlt", wie Klepeisz fand. Im vierten Viertel des Hinspiels und im zweiten des Rückspiels führten die Ulmer jeweils schon deutlich, "da hatten wir Ludwigsburg zweimal an einem Punkt, wo wir uns gut gefühlt haben - und haben beide Male den Fuß vom Gas genommen", haderte Per Günther mit den vergebenen Chancen.

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