Baseball in Südkorea:Ein Schiedsrichter ohne Fehl und Tadel

Baseball in Südkorea: Für einen Roboter ist kein Ball zu schnell. Das Publikum im Jamsil Baseball Stadium in Seoul darf sich auf eine neue Ära des Schiedswesens freuen.

Für einen Roboter ist kein Ball zu schnell. Das Publikum im Jamsil Baseball Stadium in Seoul darf sich auf eine neue Ära des Schiedswesens freuen.

(Foto: R. Ian Lloyd/mauritius images / Masterfile)

Im südkoreanischen Profibaseball entscheiden bald Maschinen, ob der Pitcher einen "Strike" geworfen hat - oder nicht. Doch dem Einsatz von Robotern im Sport sind Grenzen gesetzt - sonst kommt der Spaß zu kurz.

Von Thomas Hahn, Tokio

Der Traum vom fehlerlosen Schiedsrichter ist so alt wie der Spitzensport selbst. Es erregte deshalb nicht wenig Aufmerksamkeit, als Südkoreas Profibaseball-Liga KBO im Oktober einen Fortschritt auf dem Gebiet des Regelhütens vermeldete. Von der nächsten Saison an lässt sie Roboter darüber entscheiden, ob ein Pitcher die sogenannte Strikezone getroffen hat - oder ob er knapp vorbeigeworfen hat und der Batter den Ball mit seinem Schläger deshalb nicht traf. Nach jahrelanger Probephase im Nachwuchsbaseball hat die Schiedsrichtermaschine die Liga-Verantwortlichen mit präzisen Urteilen überzeugt. Sie werde "ein faires Spiel für Werfer und Schläger gleichermaßen" gewährleisten, teilte die KBO mit.

Science-Fiction-Fans dürfen das nicht falsch verstehen: Südkoreas Baseballstadien werden künftig nicht von pfeifenden R2D2s oder anderen selbständigen Metallkameraden in Unparteiischentrikots bevölkert. Bei dem angekündigten Roboter handelt es sich um ein Trackingsystem mit Kameraaugen, für das kein Ball zu schnell ist. Das Automatisierte Ball-Strike-System (ABS) arbeitet im Hintergrund und meldet seine Erkenntnisse einem menschlichen Schiedsrichter über Kopfhörer.

Trotzdem zeigt der Vorgang, dass Sport und Hightech immer mehr verschmelzen. Der Videobeweis bei strittigen Entscheidungen ist längst ein Standard in Fußball oder Eishockey. Beim Skispringen verrechnen Computer Windgeschwindigkeiten mit der Weite eines Springers, damit keiner nur wegen Wetterglücks gewinnt. Und nun zeichnet sich also ein Trend zum Sportroboter ab, zu Geräten also, die selbständig Computerprogramme ausführen.

Sich über den Schiedsrichter aufzuregen, gehört für viele einfach dazu

Bei den Leichtathletikwettbewerben der Asienspiele in Hangzhou, China, apportierten diesen Sommer Roboterhunde abgeworfene Speere. Autonome Drohnen könnten bald herkömmliche Kameras bei Fernsehübertragungen und intelligente Sandsäcke menschliche Sparringspartner für Boxer ersetzen. Schon stellt sich die Frage, ob Roboter nicht auch die besseren Sportler wären. Chris Matthews, prominenter Wurftrainer aus der US-Basketball-Profiliga NBA, konnte im Juli davon einen Eindruck bekommen beim publikumswirksamen Zielwerfen gegen den japanischen Wurfroboter Cue6 der Firma Toyota. Matthews schaffte ein Unentschieden.

So weit ist die Roboterindustrie noch nicht, dass sie Klubs wie dem FC Bayern Abwehrrecken und Torjäger liefern könnte. Außerdem ist fraglich, ob ein Kräftemessen zwischen Mensch und Maschine interessant wäre. Der Wettbewerb mit Robotern, die auf Fehlerlosigkeit programmiert sind, dürfte einseitig werden. Manchem gefällt nicht einmal die Aussicht, dass der Schiedsrichterirrtum aussterben könnte. Denn war der Streit um Fehlentscheidungen nicht immer ein lebendiger Teil der Sportfolklore?

Auch im Mutterland des Baseballs, in den USA, wird längst mit dem ABS-System experimentiert. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch die höchste Liga dort, die MLB, das maschinelle Regelhüten einführt. Joe Torre, einst Profi, später Meistertrainer der New York Yankees, heute im Führungszirkel der MLB, ist dagegen. In der Debatte um die Ankunft der Roboter hat er mal gesagt: "Das Spiel ist nicht perfekt und hat sich für mich gerade deshalb immer perfekt angefühlt."

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