Australian Open Federer coacht Nadal regelrecht aus

Die Massen scherte das nicht. Sie strömten mit dem Öffnen der Pforten um 15 Uhr auf die Anlage, sogar das zweitgrößte Stadion, die Margaret-Court-Arena, wurde erstmals für ein Finale geöffnet, für 30 Dollar konnte man auch dort mitfiebern, dank der riesigen Screens. Später schaute Federer auch hier vorbei, er ließ keine Station auf seiner Tour d'Honneur aus, auch, um sich zu bedanken. Er hätte ja nicht nur alleine gesiegt, sondern auch für sein Team, die Fans, die Schweiz. "Die ganze Arbeit ist es jetzt wert gewesen", sagte er.

"Roger hat es am Ende vielleicht ein bisschen mehr verdient gehabt als ich", zollte Nadal seinen Respekt, er war den Umständen entsprechend recht gefasst, dabei war er seinem 15. Grand-Slam-Titel schon sehr nahe gekommen. Nachdem die ersten vier Sätze wie ein Pingpongmatch hin und her gewechselt waren, führte der Spanier mit 3:1 im fünften Satz. "Roger spielte dann superaggressiv", sagte Nadal, dem aber auch, wie er andeutete, die Kraft fehlte. Während Federer schon am Donnerstag seinen Landsmann Stan Wawrinka besiegt hatte im ersten Halbfinale, reüssierte Nadal, so war die Ansetzung, erst am Freitagin einer aufreibenden Fünf-Stunden-Partie gegen den Bulgaren Grigor Dimitrov.

73 Gewinnschläge spiegeln den Offensivgeist von Federer wieder

Für Nadal ist seine Niederlage auch deshalb bitter, weil er schon 2012 mit einem Break vorne lag (4:2 im fünften Satz gegen Novak Djokovic ) und in fast sechs Stunden verlor. Er führte aber seinen Verschleiß nicht als Entschuldigung an für den "geringeren Speed"in den Bewegungen, wie ihm aufgefallen war. "Am Ende geht es nur ums Mentale", wusste Federer. Er bot diesbezüglich eine Meisterleistung. Es hat schon seine Gründe, warum die Welt irgendwann anfing, ihn Maestro zu rufen.

Federer ist ja nicht nur cool, wie Steve McQueen es war, er ist auch ein ausgebuffter Stratege mit Schläger. Im letzten seiner drei Fünfsatz-Matches, die er bei diesem Turnier alle für sich entschied, hatte er Nadal regelrecht ausgecoacht, er hatte erkannt, wo er ihm wehtun kann. Er rückte tief ins Feld, "ich sagte mir, geh drauf". Er sagte sich, "serviere und renne, serviere und renne". Er sagte sich: "Glaube dran." Und nie habe er diesen Glauben an den Sieg verloren, auch nicht, als er in den Sätzen zwei und vier manchen erstaunlichen Fehler fabrizierte und in Satz fünf zurücklag. Federer zwang Nadal sein aggressives Spiel auf. 73 Winner, direkte Gewinnschläge, spiegelten seinen Offensivgeist.

2,6 Millionen Euro erhält Federer für seinen fünften Australian-Open-Triumph, in der Weltrangliste ist er als Zehnter wieder in den Top Ten. Nette Nebeneffekte für den reichen Profi. "Mir ging es um mein Comeback", sagte er. Ein episches Match wollte er bieten zum Schluss. Der Welt und sich zeigen: "Ich kann es noch."

Nach sechs Monaten, in denen er weg war, weiß die Welt also: Im Tennis ist dieser Roger Federer schon noch ganz gut.

Karriere von Roger Federer

Stilist und Gentleman