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FC Arsenal:Gehaltsverzicht? Nein, danke

Nicolas Pepe (A), Hector Bellerin (A) ready to congratulate Pierre-Emerick Aubameyang (A), after scoring the third Arsen; Arsenal

Pierre-Emerick Aubameyang (re.) ist mit 61 Toren in 97 Partien der mit Abstand treffsicherste Spieler des FC Arsenal - da die Vertragsgespräche stocken, schließt er nun selbst einen Wechsel im Sommer nicht aus.

(Foto: Paul Marriott/imago)
  • Unter den 20 weltweit umsatzstärksten Vereinen ist kein Klub so abhängig von den Stadioneinnahmen wie Arsenal.
  • Wird die Saison abgebrochen, droht ein Verlust von 85 Millionen Euro.
  • Maßnahmen wie einen Gehaltsverzicht lehnt die Mannschaft um Spieler wie Aubameyang und Özil allerdings ab.

Von Sven Haist, London

In den Verhandlungen um einen neuen Vertrag beim FC Arsenal hält sich der sonst so extrovertierte Pierre-Emerick Aubameyang erstaunlich zurück. Mit einem Lächeln überging der Kapitän der Gunners, dessen Arbeitspapier im Juni 2021 bei den Londonern ausläuft, in einem Internetchat mit Spielerkumpel Kevin-Prince Boateng die Nachfragen zur eigenen Zukunft. Anstelle des gabunischen Angreifers meldete sich Pierre Alain Mounguengui, Fußballpräsident in Gabun, am Wochenende bei ESPN zu Wort. Mounguengui positionierte den Rekordtorschützen seines Landes auf dem Transfermarkt, indem er ihm empfahl, sich einen "ambitionierteren Klub" als die Gunners zu suchen, mit denen er nichts gewonnen habe. Eine Vorlage, wie sie für Aubameyang im laufenden Vertragspoker kaum besser sein könnte.

Im Winter 2018 wechselte der pfeilschnelle Angreifer für 63,75 Millionen Euro von Dortmund zu Arsenal. Seitdem hat er mit 61 Treffern in 97 Spielen die mit Abstand meisten Tore des Teams erzielt und sich im Vorjahr den goldenen Schuh für den treffsichersten Stürmer der Premier League gesichert. Schon vor Wochen erklärte ihn Trainer Mikel Arteta, 38, zu seinem "wichtigsten Spieler": Der Verein müsse seinen Mittelstürmer unbedingt halten. Zwei Monate vor seinem 31. Geburtstag geht es für Aubameyang wiederum um sein vermutlich letztes hoch dotiertes Arbeitspapier als Profifußballer.

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Dabei hält er sich nicht nur alle Vertragsoptionen offen - ein ablösepflichtiger Wechsel im Sommer 2020, eine Verlängerung bei Arsenal, ein ablösefreier Wechsel im Sommer 2021 -, sondern er orientiert sich bei seinen finanziellen Vorstellungen am internen Spitzenverdiener Mesut Özil. Diesem hatte der Klub aus Angst vor einem Weggang im Februar 2018 ein astronomisches Gehalt gewährt.

Aubameyang fordert fünf Millionen Euro mehr Gehalt

Mit einem Jahresgehalt von circa zwölf Millionen Euro liegt Aubameyang bisher deutlich hinter den über 20 Millionen Euro zurück, die der frühere deutsche Nationalspieler Özil kassiert. Dem Vernehmen nach fordert Aubameyang für seine Unterschrift mindestens eine Gehaltserhöhung um circa fünf Millionen Euro. Das versetzt Arsenal in ein Dilemma: Einerseits würde der Weggang des Angreifers das Team schwächen, eine Fortsetzung der Zusammenarbeit würde den Verein andererseits finanziell teuer zu stehen kommen - und in Erklärungsnot bringen.

Aufgrund der seit drei Saisons verpassten Teilnahme an der Champions League ist Arsenal gezwungen, die insgesamt bei 250 Millionen Euro liegenden Gehaltskosten zu senken. Bei einem Rückstand in der Tabelle von acht Punkten auf den viertplatzierten FC Chelsea sieht es nicht danach aus, als könnten die Gunners demnächst auf die Gelder in der Königsklasse zurückgreifen. Es sei denn, die ausgesetzte Saison würde zu Ende gespielt werden und der internationale Sportgerichtshof Cas zeitnah die Berufung von Meister Manchester City gegen den zweijährigen Ausschluss aus der Champions League wegen Verstößen gegen das Financial Fairplay ablehnen. Nur so bliebe Arsenal die Chance, auch als Fünftplatzierter der Premier League in die Königsklasse nachrücken zu können. Bis auf Sheffield United haben sich alle Vereine der oberen Tabellenhälfte in der Premier League in einem Schreiben ans Cas gewendet, dass City die Teilnahme an der Champions League zur Planungssicherheit bis nach Abschluss des Berufungsverfahrens verwehrt bleiben soll.

Bei einem Saisonabbruch droht Arsenal sogar ein Erlösverlust in Höhe von circa 85 Millionen Euro. Unter den 20 weltweit umsatzstärksten Vereinen ist kein Klub so abhängig von den Stadioneinnahmen wie die Gunners. Angesichts der Transferaktivitäten im Vorsommer, bei denen Arsenal sich etwa ein 100-Millionen-Euro-Defizit leistete, wäre ein weiterer Aderlass nur schwer zu kompensieren.

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