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American Football:Schwarz, erfolgreich, undankbar? Was hinter dem Hymnen-Protest in den USA steckt

NFL: Los Angeles Rams at San Francisco 49ers

Colin Kaepernick blieb beim Spiel gegen die Rams nur die Zuschauerrolle - im Mittelpunkt steht er trotzdem.

(Foto: USA Today Sports)
  • Ein Dutzend NFL-Spieler schließen sich am ersten Spieltag dem Protest von Colin Kaepernick an.
  • Die Anfeindungen sind zahlreich und teilweise rassistisch.
  • Für erfolgreiche schwarze Sportler ist es schwierig, gesellschaftliche Probleme offen anzusprechen.

Während der amerikanischen Nationalhymne kniet Colin Kaepernick erneut nieder, sein Teamkollege Eric Reed schließt sich ihm an. Dann nimmt der Quarterback der San Francisco 49ers auf der Bank Platz. Sein Team gewinnt 28:0 gegen die Los Angeles Rams, Kaepernick kommt nicht zum Einsatz.

Und doch gehörten ihm die Schlagzeilen. Dabei ist Kaepernicks politische Mission nicht einfach in Sieg oder Niederlage einzuteilen.

USA

Footballspieler gehen aus Protest bei der US-Hymne in die Knie

Die vier Profis der Miami Dolphins wollen damit gegen Rassismus und Polizeigewalt demonstrieren. Ihr Verein stellt klar: Man ermutige alle Mitglieder, "aufrecht zu stehen."

Am ersten Spieltag der NFL schlossen sich ein Dutzend schwarze Spieler seinem Protest gegen den strukturellen Rassismus in den USA an. Sei es knieend oder durch die gereckte Faust - jenem Solidaritätsgruß, der häufig mit dem schwarzem Nationalismus der Black Panther in Verbindung gebracht wird.

Das ist angesichts Hunderter NFL-Profis nicht viel, allerdings hatte die NFL am Sonntag den 9/11-Jahrestag auch für eine der inzwischen bis ins Klischee überdimensionierten Patriotismus-Darbietungen genutzt. Protestgesten jeder Art schüren da schnell den mit schlimmsten Verdacht, den das so stolze Land kennt: Unamerikanismus.

"Genau das, was dieses Land ausmacht"

Dieser Vorwurf wird Kaepernick seit Beginn seiner Hymnen-Verweigerung gemacht. Dabei sei der Protest doch "genau das, was dieses Land ausmacht", wie Arian Foster von den Miami Dolphins erklärte. Er hatte sich am Sonntag mit drei Team-Kollegen solidarisch auf den Boden gekniet: "Anderswo werden Menschen für so etwas enthauptet, gefoltert (...). Hier können die Menschen mir zustimmen oder nicht, aber sie müssen mein Recht zum Protest respektieren."

Auch die NFL verweist auf dieses Recht und sowohl Kritik als auch die verbale Unterstützung anderer Spieler fällt inzwischen nuancierter aus (dass Kaepernick aus dem ursprünglichen "Sitzenbleiben" ein "aufs Knie gehen" machte, hat die Geste zudem entschärft).

In den sozialen Netzwerken allerdings übertrifft die Kritik beinahe noch die Giftigkeit des Präsidentschaftswahlkampfs. Konservative weiße NFL-Fans sprechen von Undankbarkeit, ja sogar von Amerikafeindlichkeit und überschreiten nicht selten offen die Grenze zum Rassismus; rechte Portale streuen das (falsche) Gerücht, der gläubige Christ Kaepernick sei zum Islam konvertiert.

Die NFL ist nicht farbenblind

Die heftigen Reaktionen werfen ein Schlaglicht darauf, dass die NFL längst keine farbenblinde Organisation ist: Die Fans sind zu 80 Prozent weiß, während zwei von drei NFL-Spielern schwarz sind. Die Spielergewerkschaft der finanziell erfolgreichsten Liga der Welt gilt jedoch als die schwächste im US-Profisport - und das bei deutlichen Indizien, dass viele Football-Spieler bleibende Hirnschäden von der harten Sportart davontragen. Narrative wie "Afroamerikaner sind keine guten Quarterbacks" hielten sich noch bis in dieses Jahrhundert.

Keines der 32 Teams hat außerdem einen schwarzen Mehrheitseigentümer. Bei den Basketballern der NBA sind sogar drei Viertel der Spieler Afroamerikaner, mit Michael Jordan gibt es nur einen einzigen schwarzen Team-Eigentümer.