Ärger nach dem Dortmunder Pokalerfolg:Fürths großes Spiel

Wer sich diese hitzige Debatte zu Gemüte führte, musste verwundert feststellen: Hier hatte soeben die SpVgg Greuther Fürth nach großem Spiel durch ein spätes Tor von Ilkay Gündogan (120. Minute) gegen den BVB verloren. Doch eigentlich drehte sich alles um Rivalitäten zwischen Dortmundern und (Ex-)Schalkern.

Zwischen Großkreutz und Asamoah scheint es Klärungsbedarf aus vergangenen Tagen gegeben zu haben, als der BVB dem Rivalen 2007 kurz vor Saisonende mit einem Sieg die Meisterschaft vermasselt hatte. Asamoah hatte damals angekündigt, bei einem Erfolg seiner Mannschaft zu Fuß nach Hause zu laufen - was ihm aber erspart blieb, denn er verlor mit Schalke Derby und Titel.

Großkreutz, damals noch mehr Fan als Profi, hatte diese Frotzeleien nicht vergessen und zog seinen Gegner nun wohl damit auf. Aber dass es ein rassistischer Kommentar gewesen sein könnte? Eine Bezichtigung, die schwer wiegt, zumal es ähnlichen Streit schon vor Jahren zwischen Asamoah und BVB-Keeper Roman Weidenfeller gegeben hatte.

Trainer Jürgen Klopp sprang seinem Schützling bei. "Ich verbitte mir eine Einschätzung des Charakters von Kevin Großkreutz. Nach Schlusspfiff ging es emotional zu und sicher sind Worte gefallen, die nicht in Ordnung sind. Aber niemand hier kennt den Jungen," sagte Klopp, als Büskens auf der Pressekonferenz seine Vorwürfe wiederholte. Auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte: "Ich habe nur gehört, dass es irgendwie Irritationen gab. Es ist nur auffällig, dass wenn in irgendeiner Weise so was ist, Gerald Asamoah immer dabei ist."

Mit einem Tag Abstand, am Mittwoch, sagte Klopp dann: "Ich bin felsenfest überzeugt, dass Kevin keine dieser Aussagen getätigt hat. Kevin ist hier bei uns in der Mannschaft der Auslandsbeauftragte, er ist der beste Freund von Lucas Barrios, von Shinji Kagawa. Rassistisches Denken wohnt nicht in ihm. Auch Großkreutz beteuert, dass die Beschuldigungen, er habe Asamoah rassistisch beleidigt, "schlichtweg falsch" seien: "Wer mich kennt, weiß dass ich so etwas nicht mache. Ich habe überhaupt nichts zu ihm gesagt, sondern nur mit beiden Fäusten gejubelt"

"Es hat sich angefühlt, wie acht Stunden"

Letztlich wurden dann doch noch Hände geschüttelt - denn schließlich war den Beteiligten bewusst, dass nebenbei ein mitreißendes Fußballspiel über die Bühne gegangen war. Der Tabellenführer der zweiten Liga hatte den deutschen Meister beinahe bis ins Elfmeterschießen gezwungen, und das mit einer willensstarken und fußballerisch überzeugenden Leistung. Dortmund hatte zwar dominiert und deutlich mehr Chancen, aber die Fürther grätschten, rannten und kämpften so inbrünstig, dass auch sie die Reise ins Finale von Berlin durchaus verdient gehabt hätten.

Es war ein Spiel in Wellen gewesen, in dem jedes Team seine Phasen besaß - und es gipfelte im "Sudden Death" in allerletzter Minute, als der gerade erst fürs Elfmeterschießen eingewechselte Fürther Keeper Jasmin Fejzic den letzten Schuss von Gündogan passieren lassen musste. "So soll Pokal sein. Diese Partie bot alles, was dazu gehört. Es hat sich angefühlt, wie acht Stunden," fasste BVB-Verteidiger Neven Subotic treffend zusammen. Dass es auch andersherum hätte ausgehen können, spendete Büskens zumindest ein wenig Trost: "Wir haben dem Meister Paroli geboten, haben nie nachgelassen und gezeigt, dass nur Nuancen fehlen. Das macht uns stolz."

Unterdessen zog draußen Dortmunds Stürmer Lucas Barrios mit einem Rollkoffer davon - er hatte einen dicken Ghettoblaster aufgeladen, aus dem noch immer die Dortmunder Kabinenhits tönten und diesen ereignisreichen Abend untermalten.

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