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Abgesagtes Länderspiel:Der Fußball ist überhöht worden in den vergangenen Tagen

Der Fußball ist sehr überhöht worden in den vergangenen Tagen, in ihn sind alle Werte der westlichen Welt hineininterpretiert worden, und so war die Botschaft, die von diesem Abend in Hannover ausging, am Ende umso bitterer. Ausgerechnet jener Abend, der signalisieren sollte, dass Europa sich sein ganz normales Leben nicht wegnehmen lässt, verlief dramatisch unnormal: mit Polizisten, die schwer bewaffnet und schussbereit das Stadtbild prägten; mit extremen Personenkontrollen rund ums Stadion; mit Beamten, die zum Stadion strömende Anhänger 90 Minuten vor dem Spiel per Megafon aufforderten, umgehend umzukehren und größere Massenansammlungen zu vermeiden; mit Ordnern, die Besucher und Reporter, die sich schon im Innenraum aufhielten, sehr ruhig, aber auch sehr unmissverständlich anwiesen, das Stadion auf direktem Wege wieder zu verlassen.

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Und Fotografen, die noch schnell ihre bereits am Rasenrand verstauten Stative holen wollten, wurde mit freundlichem Nachdruck klargemacht, dass das keine so gute Idee sei. Die Stative seien jetzt nicht so wichtig.

Von einem "traurigen Tag für Deutschland und den deutschen Fußball" sprach Interimspräsident Reinhard Rauball später, "dass unsere Mannschaft zweimal in vier Tagen ein solch tragisches Erlebnis erfährt, war nicht vorstellbar". Sein Eindruck sei, so Rauball, "dass der Fußball in Deutschland mit dem heutigen Tage in vielen Facetten eine andere Wende bekommen hat". Noch ist ja nicht absehbar, ob jene Spieler, die erst eine Nacht in einer Pariser Kabine bangten und dann mit dem Bus nicht ins Stadion von Hannover durften, am kommenden Wochenende einfach wieder ihren Beruf ausüben können, als wäre nichts geschehen.

DFB-Chef Rauball wirkt sehr betroffen

Ob die Nationalspieler am Wochenende wohl einsatzfähig seien? "Ich kann Ihnen die Frage nicht übelnehmen", meinte Rauball, der selbst sehr betroffen wirkte, und mutmaßte, bei manchen Spielern müsse vielleicht auch der Teampsychologe zum Einsatz kommen.

Man ahnt jedenfalls, welche Gedanken Spieler und Verantwortliche des DFB gerade beschleichen, wenn sie an den 12. Dezember denken - an jenen Abend, an dem in Paris in feierlichem Zeremoniell die Gruppen für die Fußball-Europameisterschaft ausgelost werden, die vom 10. Juni bis 10. Juli 2016 in Frankreich stattfindet. Später am Abend war dann noch zu erfahren, dass die Spieler den unheimlichen Ort so schnell wie möglich verlassen hatten. Nach einer kurzen Rückkehr nach Barsinghausen haben die Bayern-Profis in Hannover sogar noch das Flugzeug Richtung München erwischt, und die anderen Nationalspieler wurden von Freunden abgeholt oder von der DFB-Fahrbereitschaft in ihre Heimatstädte gebracht.

© SZ vom 18.11.2015/schma
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