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4:0 im EM-Finale gegen Italien:Spanien schreibt Fußballgeschichte

Europameister, Weltmeister, Europameister - das schaffte noch kein Nationalteam zuvor: In einem erstklassigen EM-Finale siegt Spanien 4:0 gegen Italien und gewinnt den dritten großen Titel in Serie.

Es war 23:36 Uhr in Kiew, die Spanier bildeten einen Kreis und hüpften ein paar Mal auf und ab. Dann schlenderten sie fast schon gelassen vom Feld. Keine ganz großen Gefühle. Eher ein Stolz, der von innen strahlt. Sie wissen ja inzwischen nur zu gut, wie sich das anfühlt: Europameister werden. In einem hochklassigen Finale besiegten sie Italien 4:0 - und das im wichtigsten Spiel, das eine spanische Nationalelf je gespielt hat.

Das wichtigste Spiel der spanischen Fußballgeschichte? "Na klar." Der Trainer Vicente del Bosque hatte vorher erst gar nicht den Versuch unternommen, die Bedeutung dieses Finales kleinzureden. Nie zuvor hat ein Europameister seinen Titel verteidigen können. Und erst recht hat nie zuvor eine Mannschaft drei große Turniere in Serie gewonnen: EM, WM, EM. Die Spanier hatten den Rasen also mit dem festen Vorsatz betreten, Geschichte zu schreiben an diesem Sommerabend in Kiew. Geschichte schreiben - eine arg strapazierte Floskel.

Kein Zweifel, dass sie diesmal den Kern der Darbietung traf. Nicht nur, weil sie jetzt seit vier Jahren das Maß aller Dinge sind im Weltfußball. Sondern auch, weil das dieser Weltfußball in den letzten Wochen zunehmend genervt in Frage gestellt hatte. Und so sagte Linksverteidiger Jordi Alba nach dem Finale: "Es ist wunderbar, den Titel zu verteidigen. Unglaublich, dass wir Geschichte geschrieben haben, ich kann es gar nicht fassen."

Denn in diesem Endspiel hatten Xavi Hernández, Andrés Iniesta, Cesc Fàbregas und die anderen schon nach 45 Minuten mit ausgeprägter Lässigkeit alle Debatten vom Feld genommen, die sie dort bisher begleitet hatten in Polen und der Ukraine. Ist ihr Tiki-taka-Ballgeschiebe die langweilige Zukunft des Fußballs? Ist ihr Spiel mit einem "falschen Neuner", also ohne nominelle Sturmspitze, die Fortsetzung dieser Langeweile mit zynischen Mitteln.

Alles erledigt! Die Spanier legten los mit ihrem auf Ballbesitz ausgerichteten Kurzpass-Spiel, und schnell war klar: Von wegen Selbstzweck! Von wegen zähe Fußballkost! Wenn man den Spaniern etwas vorwerfen wollte, dann höchstens, dass sie dieses Finale so früh entschieden, dass das Thema Spannung schon bald keine Rolle mehr spielte. "Ich bin stolz auf meine Mannschaft. Wir hatten viel Ballbesitz, das ist unser Spiel. Das haben wir zur Perfektion getrieben. Das ist das ganze Geheimnis", sagte Del Bosque.

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