Nobelpreise:Übersetzer von Nobelpreisträger Gurnah: Hintersinniger Humor

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Abdulrazak Gurnah aufgenommen in USA. (Foto: Jerzy Dabrowski/ONS/ZUMAPRESS/dpa)

Der neue Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah schreibt aus Sicht seines deutschen Übersetzers Thomas Brückner Romane mit hintersinnigem Humor. "Er ist...

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Stockholm/Leipzig (dpa) - Der neue Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah schreibt aus Sicht seines deutschen Übersetzers Thomas Brückner Romane mit hintersinnigem Humor. „Er ist ein Autor, der sehr stille Bücher schreibt, in einer sehr feinen, sehr genauen Sprache, mit sehr genauer Beobachtung seiner Figuren, ihres Innenlebens und auch dessen, was um diese Figuren und damit um den Autor herum vor sich geht“, sagte der in Leipzig lebende Brückner am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Dem in Großbritannien lebenden tansanischen Schriftsteller Gurnah wurde die Auszeichnung zuerkannt „für sein kompromissloses und mitfühlendes Durchdringen der Auswirkungen des Kolonialismus und des Schicksals des Flüchtlings in der Kluft zwischen Kulturen und Kontinenten“, wie die Schwedische Akademie in Stockholm am Donnerstag bekanntgab.

Brückner hat Gurnahs 2002 in Deutschland erschienenen Roman „Ferne Gestade“ übersetzt sowie den bereits 1988 geschriebenen Roman „Schwarz auf Weiß“, der auf Deutsch 2004 herauskam.

„In beiden Romanen geht es um das Schicksal eines Flüchtlings“, schilderte Brückner. „Beide Protagonisten der Romane müssen aus unterschiedlichen Gründen ihre Heimat, die Insel Sansibar, den Staat Tansania verlassen und landen in England und müssen sich dort in dem neuen Leben zurechtfinden, sich einleben und sind auch der Gewalt der Behörden ausgesetzt. Sie müssen lernen, ein Gefühl für diese neue Umgebung, für diesen neuen Ort, an dem sie leben, zu bekommen, und gleichzeitig schleppen sie natürlich als Flüchtlinge einen ganzen Rucksack voll mit Erinnerungen an das Leben vorher mit sich.“ Dieser Rucksack sei vollgepackt „mit Schuld, mit Liebe, mit Versagen, mit Erfolgen, mit allem, was menschliches Leben eigentlich ausmacht“.

Brückner: „Aus diesen beiden Komponenten, also dem neuen Ort, an dem man noch nicht angekommen ist, bei dem man nicht weiß, ob man je wirklich dort ankommt und dem anderen, den man verlassen hat und der gleichzeitig immer noch, obwohl man sozusagen im Unfrieden von ihm gegangen ist, immer noch so etwas wie ein Sehnsuchtsort ist, ergibt sich eine innere Zerrissenheit der Figuren, die sich dann in ihrem Innenleben und in ihren Handlungen, in der Handlung der Romane dann auch widerspiegelt.“ Beide Romane seien dennoch „keine vordergründig autobiografischen Schriften“.

Warum Gurnah in Deutschland weitgehend unbekannt ist, kann sich der Übersetzer nicht erklären. „Ich kann mir nur vorstellen, dass seine Bücher sich aus welchen Gründen auch immer nicht so verkauft haben, wie die Verlage, die sie publiziert haben, sich das erhofft haben und dann auch von weiteren Veröffentlichungen Abstand genommen haben.“ Er wünsche Gurnah durch die Auszeichnung nun mehr Aufmerksamkeit, „weil es wirklich ein lesenswerter Autor ist“.

© dpa-infocom, dpa:211007-99-516047/2

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