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Wandern über Almweiden:"Wenn eine Kuh angreift? Rennen Sie!"

Der Schweizer "Kuhflüsterer" Emanuel Raaflaub über seltene Attacken auf den Almwiesen, welche Warnzeichen es gibt - und wie man sich im äußersten Notfall gegen das 600-Kilo-Tier wehren kann.

Viele Wanderer haben Angst vor Almkühen. Für Emanuel Raaflaub gibt es dafür eigentlich keinen Grund. Der 49-jährige Landwirt aus Turbach in der Schweiz gilt wegen seines lexikalischen Wissens über Rinder als Kuhflüsterer.

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SZ: Sind Kühe aggressive Tiere?

Raaflaub: Nein, überhaupt nicht. Ich selbst bin in meiner Karriere erst zweimal von einem weiblichen Tier angegriffen worden. Kühe sind gutmütig, träge, eher phlegmatisch. Bei Stieren ist das etwas anders. Denen wird man allerdings kaum begegnen. Wenn doch, macht man besser einen großen Bogen um sie herum.

SZ: Man hört aber immer wieder, dass auch Kühe Wanderer attackieren.

Raaflaub: Das kommt ganz selten vor. Eine Kuh wird als Fluchttier nur angreifen, wenn sie keine andere Möglichkeit sieht oder ihr Jungtier beschützen will. Ich habe festgestellt, dass Probleme schlicht durch Nichtwissen der Grundregeln entstehen.

SZ: Und diese Grundregeln lauten?

Raaflaub: Man darf Kühe nicht provozieren oder erschrecken und muss wissen, dass sie ein eingeschränktes Blickfeld haben. Machen Sie sich also bemerkbar. Kälbern sollte sich niemand nähern. Hunde, die Kühe anbellen, gehören an die Leine. Direkt in eine Herde würde ich auch nicht hineinlaufen.

SZ: Wie erkennen Sie ein Tier, mit dem nicht zu spaßen ist?

Raaflaub: Es gibt Warnsignale. Wenn eine Kuh den Kopf runter nimmt und schnaubt, brummt oder mit den Hufen scharrt, dann wird es höchste Zeit zu verschwinden. Denn eine Kuh wiegt zwischen 600 und 800 Kilogramm

SZ: Und was, wenn das Tier tatsächlich angreift?

Raaflaub: Rennen. Das Problem ist, dass Kühe sehr schnell werden können.

SZ: Es muss doch einen Trick geben?

Raaflaub: Augen und Nase sind sensibel. Da mit einem Stock draufzuschlagen, würde ich jedoch niemandem raten, der sich nicht mit Rindviechern auskennt. Man hat nur einen Schlag. Und der muss sitzen.

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