Sommerurlaub 2022:Man gönnt sich was

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Sommerurlaub 2022: Das Interesse an Rund- und Studienreisen ist stark gestiegen. Ein beliebtes Ziel sind die USA.

Das Interesse an Rund- und Studienreisen ist stark gestiegen. Ein beliebtes Ziel sind die USA.

(Foto: Valentin Weinhäupl/imago/Westend61)

Noch nie hatten die Deutschen so viel Geld, Zeit und Lust zu verreisen wie in diesem Sommer. Welche Ziele gefragt sind und welche nicht.

Von Hans Gasser

Sicher ist in unsicheren Zeiten wie diesen nichts. Aber der Frühling 2022 könnte als der Zeitpunkt in die Geschichte der Pandemie eingehen, an dem die Reisefreiheit und die unbändige Reiselust der Deutschen wieder zurückkehrten. Nach zwei langen Jahren, die von Grenzschließungen, Test- und Quarantänepflichten sowie vom Ausfüllen ellenlanger Einreiseanmeldungen geprägt waren, weht Frühlingsluft, ja schon fast ein Sommerwind durch die Köpfe der stets an den nächsten Urlaub denkenden Deutschen.

"Noch nie haben so viele Befragte angegeben, dass sie genügend Zeit, Geld und Lust haben zu verreisen", sagt Martin Lohmann, der seit Jahrzehnten mit der jährlichen Reiseanalyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) das Urlaubsverhalten der Deutschen erforscht. War die Zahl der Urlaubsreisen von 71 Millionen im Rekordjahr 2019 pandemiebedingt auf 51 Millionen (2020) und 55 Millionen (2021) gefallen, so rechnet Lohmann in diesem Jahr schon wieder mit einer Zahl zwischen 60 und 70 Millionen Reisen. Der Wegfall der meisten coronabedingten Reisehemmnisse sei hier entscheidend. Der Krieg in der Ukraine führe nur zu regionalen Verschiebungen, was die Ziele betrifft, nicht dazu, dass die Menschen zu Hause bleiben.

Wohin zieht es die Deutschen nun? Wenn man klassische Pauschalreiseveranstalter wie die Tui fragt, so bleiben die Gäste ihren Gewohnheiten ziemlich treu. An erster Stelle steht Spanien mit den Kanaren und den Balearen, gefolgt von einem während der Pandemie erstarkten Griechenland und der Türkei. Und natürlich sei auch Deutschland mit Nord- und Ostsee, der Mecklenburgischen Seenplatte und Bayern in den Sommermonaten so gut wie ausgebucht, sagt Tui-Sprecher Aage Dünhaupt.

In Westeuropa und den USA ist die Nachfrage schon fast wieder so stark wie vor der Pandemie

"Wir haben bereits jetzt 80 Prozent unseres gesamten Angebots für den Sommer verkauft", sagt Dünhaupt. Allein für Griechenland peile man konzernweit die Zahl von drei Millionen Gästen an, für die Türkei 1,5 Millionen. Die bisher gebuchten Reisen lassen auf eine höhere Ausgabefreudigkeit der Deutschen schließen: Im Schnitt wurden pro Reise 20 Prozent mehr ausgegeben als im vergangenen Jahr. Man gönnt sich etwas.

Badeziele rund ums Mittelmeer sind im Sommer natürlich der Renner, aber auch Rund- und Studienreiseveranstalter berichten von stark steigenden Buchungen. "Die Welt ist auf einmal wieder groß geworden", sagt Frano Ilic, Sprecher des Anbieters Studiosus. Bei Rundreisen durch westeuropäische Länder, Island, Kanada und die USA liege man derzeit bereits über dem Niveau von 2019. Osteuropa, so etwa das Baltikum, Rumänien und Bulgarien, laufe derzeit nicht gut, was mit der Nähe zum Kriegsgebiet in der Ukraine zu tun habe. Auch vormals stark gebuchte asiatische Länder wie Indien, Nepal oder Sri Lanka würden derzeit noch schwach nachgefragt.

Fernreisen kommen wieder zurück, aber noch sind die Leute vorsichtig

Fernreisen, die während der vergangenen beiden Jahre so gut wie nicht gebucht wurden, kommen wieder zurück, allerdings langsamer und selektiver als die Europareisen. Das erlebt auch Manfred Häupl, Geschäftsführer des auf weltweite Wanderreisen spezialisierten Veranstalters Hauser Exkursionen. "Das Bedürfnis, wieder rauszukommen in fernere Länder, ist groß", sagt Häupl. "Aber die Leute sind noch vorsichtig." So sei Nepal, bisher die Nummer eins bei den Trekkingreisen des Veranstalters, von Italien auf Platz zwei verdrängt worden. Gut gebucht seien aber auch Tansania, Grönland, Portugal und Jordanien. Südostasien und Südamerika würden noch kaum nachgefragt, während afrikanische Ziele sich gut entwickelten. Häupl rechnet für dieses Jahr mit 60 bis 70 Prozent des Reisevolumens im Vergleich zu vor der Pandemie - das sei mehr als erwartet.

Das Lieblings-Fernreiseziel der Deutschen sind traditionell die USA, gefolgt von Kanada. Da erwarte man auch ein "Heranreichen an 2019", wie Tui-Sprecher Dünhaupt sagt. Besonders Kalifornien, Florida und Camper-Fahrten durch die Nationalparks seien stark nachgefragt. Wer hier noch nicht für den Sommer gebucht hat, wird vermutlich kaum noch was bekommen, zumal die Flugkapazitäten noch nicht so groß wie gewohnt sind.

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