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Quarantäne in Thailand:Halb so schlimm

Ach, Thailands Süden! Aber bis es soweit ist, müssen 14 Nächte in einem staatlich verordneten Quarantäne-Hotel verbracht werden.

(Foto: Jakob Owens/Unsplash)

In Thailand sind die Infektionszahlen niedrig und die Strände leer. Doch zunächst müssen Urlauber 15 Tage im Hotel bleiben. Sieben Tipps - vom Essen bis zum Entertainment.

Von David Pfeifer, Bangkok

Die Unterbringung

Wer nach Thailand reisen will, muss sich derzeit einer staatlichen Einreisequarantäne, der "Alternative State Quarantine" (ASQ), unterwerfen, allein oder mit Ehepartner, kaserniert in einem Hotelzimmer. Das thailändische Konsulat gibt eine Liste mit Unterbringungen aller Preiskategorien raus, und wenn man in seinem Leben schon mal überlegt hat, sich einmal ein schickes Hotel zu gönnen, oder statt eines Zimmers eine Suite - jetzt wäre die Zeit dazu. Denn man verlässt diesen Raum 14 Nächte und 15 Tage nicht. So lange am Stück ist man sonst nur im eigenen Zuhause, also sollte man die Unterbringung nicht so wählen, dass man schlechter lebt als daheim. Es lohnt sich, im Vorfeld genau abzufragen, ob das Hotel über einen Außenbereich verfügt, in dem man nach dem ersten obligatorischen Covid-Test herumspazieren darf - vorausgesetzt, er ist negativ. Da rennen dann zwar auch eine Menge anderer ASQler ein wenig albern im Kreis herum, aber das stiftet Gemeinsinn. Im besten Fall schließt man während des Freigangs Schicksalsbekanntschaften, die über die Quarantäne-Zeit hinausreichen. Also: Nicht am falschen Ende sparen, nur weil man denkt, dass diese Zeit nicht Teil des Urlaubs ist. Sie ist ein entscheidender Teil davon, Sie werden sich lange daran erinnern.

October 18, 2020, Bangkok, Thailand: Room service, during the Fourteen day Mandatory Alternative State Quarantine (ASQ)

Das Essen ist ja generell gut in Thailand, aber zwei Wochen mit Einweggeschirr machen wenig Freude.

(Foto: Paul Lakatos via www.imago-images.de/imago images/ZUMA Wire)

Die Verpflegung

Die ASQ-Hotel-Buchungen sind immer inklusive dreier Mahlzeiten am Tag. Essen von auswärts zu bestellen, ist nicht erlaubt, nur Freunde und Familie dürfen Care-Pakete abgeben, ebenso ist der Konsum von Alkohol verboten. Vermutlich, damit die Kasernierten nicht ab mittags zu picheln beginnen und abends randalieren, weil sie rauswollen. Das Essen ist, in günstigen wie teuren Unterbringungen, gut, weil in Thailand die Qualität der Speisen generell hoch ist, sogar in ganz billigen Straßenküchen. Die Auswahl wird allerdings vielfältiger, je mehr Geld man auszugeben bereit ist. Wichtig: Packen Sie sich ein Besteck-Set in den Koffer. In der Quarantäne wird einem fast alles mit Plastikbesteck oder in Papp-Schalen serviert. Neben dem Umwelt-Aspekt ist es erstaunlich deprimierend, nur aus Einmal-Behältern zu essen und zu trinken. Auch ein eigener Porzellanteller und ein Kaffeebecher machen den Aufenthalt viel schöner und auf jeden Fall erträglicher.

Die Garderobe

Neben vielen klugen Merksätzen stammt von Karl Lagerfeld der Sinnspruch: "Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren." Und gerade weil man in der Quarantäne tatsächlich bis zu einem gewissen Grad die Kontrolle über sein Leben abgibt und sich in der Zeit nur noch vom Bett ins Bad, vor den Fernseher und wieder ins Bett bewegen kann (siehe Punkt eins: Unterbringung), lohnt es, sich einen schönen Schlafanzug anzuschaffen. Oder ganz generell Wechsel-Garderobe für die ganz legeren Zeiten mitzubringen. Zumal, wenn man mit Lebenspartnerin oder Lebenspartner eingesperrt ist.

Das Entertainment

Mal nach Lust und Laune vor der Glotze herumliegen, ohne Reue drei Staffeln einer Serie hintereinander wegsehen oder sich im fortgeschrittenen Alter mal wieder eine PlayStation oder Xbox gönnen - das alles wären gute Ideen für eine Quarantäne. Doch leider haben viele Menschen im Jahr 2020 schon Wochenende, Feiertage und ganze Ferien so verbracht. Deswegen empfiehlt es sich, dreidimensionale Unterhaltungsmöglichkeiten mitzunehmen. Ein Schachbrett beispielsweise, auf dem man Computer-Partien nachstellen kann, Memory, das man zur Not alleine spielt, oder ein Puzzle. Es ist erstaunlich befriedigend, ein 1000 oder 2000 Teile starkes Puzzle zu lösen, dabei zu plaudern und Musik zu hören, beispielsweise alle Sinfonien von Ludwig van Beethoven. Die bekommt man in der Zeit gut durch.

Das Equipment

Apropos: Jetzt ist auch ein guter Zeitpunkt, um in einen Qualitäts-Bluetooth-Lautsprecher zu investieren, nicht nur wegen Beethoven, sondern auch, um zwischendurch mal einen interessanten Podcast zu hören, wie "In Our Time" von der BBC. Man hat wirklich viel Zeit zur Verfügung. Und die Ohren sind, ebenso wie die Augen (siehe Punkt zwei, "Die Garderobe"), womöglich empfindlich, weil auf positive Reize angewiesen. Man kann ja nur so und so lange dem Verkehr vor dem Hotel zuhören. Dasselbe gilt übrigens auch für die Anschaffung eines Laptops, Tablets oder neuer Kopfhörer (wiederum nicht ganz unwichtig, um Partnerin oder Partner nicht zu nerven).

Die Bewegung

Das größte Problem während der ASQ ist der Bewegungsmangel. Wer sich einmal mit dem Trainingsprogramm TRX vertraut gemacht hat, bei dem man in Seilen hängt und einfach wirkende aber schwierig zu absolvierende Übungen ausführt, sollte sich vorher so ein Trainingsgerät besorgen, das kann man einfach in die Tür hängen - wenn man mehr als eine Tür hat - und loslegen. Oder aber eine Yoga-Matte oder ein Resistance-Band. Oder alle drei Dinge. Selten sonst wird einem so bewusst, dass der Körper nicht nur dazu da ist, Nahrung und Netflix aufzunehmen, sondern auch bewegt werden will. Ausreden wie "zu viel um die Ohren" oder "Fitness-Center ist zu weit weg" zählen nicht. Ob das Hotel einen Pool hat, ist übrigens egal, denn in den darf man derzeit nicht, laut staatlicher Covid-Verordnung. Also: Machen Sie sich ein Programm. Das Internet ist voll von Übungen, die man zur Not auf einem Bierdeckel nachturnen kann. Auch dafür lohnt sich der Laptop oder das Tablet. Und tagsüber nicht zu viel im Bett liegen! Sonst kann man abends nicht mehr gut darin schlafen.

Die Zeit

Generell kann man sagen, dass die staatliche Quarantäne halb so schlimm ist, wie sie sich anhört, und die Zeit doppelt so schnell vergeht, wie man es sich vorstellt. Es hilft, wenn man sich das Ganze als Luxus vorstellt, als etwas, was man sich gönnt. So oder so kann man sich die ASQ nur leisten, wenn man viel Resturlaub und unglaublich großes Fernweh hat, denn die zwei Wochen sollten ja mindestens noch mit doppelt so viel Urlaub gekontert werden. Den kann man dann allerdings in einem Land erleben, in dem der Alltag wieder halbwegs normal verläuft, in dem man mit dem Nachtzug in den Dschungel oder ans Meer reisen oder in Bangkok auf einer Terrasse draußen essen und auch wieder ein Singha-Bier trinken kann. Es lohnt sich also.

© SZ
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