Kolumne: Hin und weg:Die Suche nach der Super-Piste

Kolumne: Hin und weg: Das beste Skigebiet kann natürlich in Zermatt liegen, könnte womöglich aber auch ein kleiner Schlepplift sein. Man muss halt wissen, was man will.

Das beste Skigebiet kann natürlich in Zermatt liegen, könnte womöglich aber auch ein kleiner Schlepplift sein. Man muss halt wissen, was man will.

(Foto: Imago/xIngusKx/Pond5 Images)

Es gibt heute gleich mehrere Skigebiete, die als das beste der Welt gelten. Vielleicht liegt es ja sogar direkt vor der Haustür.

Glosse von Dominik Prantl

Als die Welt noch nicht durch das World Wide Web vermessen und bewertet wurde, war es das Privileg einiger weniger Druckerzeugnisse, alljährlich eine Rangliste der besten Skigebiete zu erstellen. Als Vertreter dieser analogen Enzyklopädien geneigter Wintersportler seien beispielhaft der ADAC Skiguide oder der große Falk Skiatlas (gibt es die überhaupt noch?) genannt. Wer darin unter den Top Ten auftauchte, durfte sich was auf sich einbilden, und die Leser wussten, wohin der nächste Winterurlaub führt.

Heute scheint die ganze Digital-Welt ein Ranking von Skigebieten zu erstellen, womöglich deshalb, weil der Satz "Die besten Skigebiete" seinerseits besonders gut bei Suchmaschinen "ranked", wie das in der Sprache der Internet-Menschen heißt. Ob Bausparkassen, Hersteller von Flügel verleihender Gummibärchenlimonade, Reise- oder natürlich diverse Bergfex-Portale: Alle suchen sie das Super-Skigebiet. Interessant ist dabei, dass offenbar unterschiedliche Kriterien gelten. Auf skigebiete-test.de etwa hat sich kürzlich Zermatt den ersten Platz zurückerobert, dank des etwa 60 Millionen Euro teuren Glacier Ride. Skiresort.de sieht wiederum Kitzbühel an der Spitze, während der World Ski Award der Initiative World Ski Awards an Val Thorens geht. Anderswo heißen die Gewinner St. Anton am Arlberg oder auch Serfaus Fiss Ladis.

Forbes, das als Wirtschaftsmagazin natürlich alles quantifizieren kann und will, hat sogar einen World Ski Index erstellt. Im vergangenen Winter wurden Les Trois Vallées, Les Portes du Soleil und Les Quatre Vallées als französisch-schweizerisches Siegertrio ermittelt. Dass die drei Gebiete alle jeweils mehr als 400 Pistenkilometer für sehr viele Menschen bieten, darf nicht verwundern. Flossen doch Pistenkilometer, Anzahl der Skilifte und die Zahl der Instagram-Hashtags mit in den Index ein. Bitter allerdings, dass die unbestechlichen Forbes-Rechner bei der Auflistung der besten Skiländer Andorra vor Deutschland nennen.

Damit nicht genug; es gibt natürlich auch Ranglisten der besten Skigebiete für Kinder, Genießer, Anfänger, Snowboarder, Feierbiester, Öffi-Anreisende. Womöglich ist sogar der Schlepplift unweit der Haustüre das persönliche Top-Skigebiet. Man muss halt nur wissen, was man eigentlich will - und den ganz persönlichen Index danach ausrichten. Bei dieser Frage wird uns sicher bald der nächste elektronische Assistent namens künstliche Intelligenz unterstützen.

Kolumne: Hin und weg: Der Autor ist immer noch ein großer Fan kleiner Skigebiete wie der ehemaligen Olympiastätte Axamer Lizum.

Der Autor ist immer noch ein großer Fan kleiner Skigebiete wie der ehemaligen Olympiastätte Axamer Lizum.

(Foto: Bernd Schifferdecker (Illustration))
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